Gab Katamaran nicht zurück: Deutscher auf Mallorca international zur Fahndung ausgeschrieben
Der 64-Jährige soll das Schiff in Italien gemietet, umbenannt und nach Mallorca gebracht haben. Jetzt sucht ihn die Justiz

Boote in einem Yachthafen auf Mallorca. | FOTO: NELE BENDGENS
Die Polizei auf Mallorca fahndet seit Dienstag (7.7.) nach einem 64 Jahre alten Deutschen, der im Oktober 2020 in Italien einen Katamaran im Wert von einer Million Euro gemietet und nicht zurückgegeben haben soll. Stattdessen soll er das Boot verändert und nach Mallorca gebracht haben. Dort wurde es am 28. Oktober 2020 vor der Playa de Son Matías in Calvià entdeckt. Der Mann sollte sich dafür vor dem Oberlandesgericht in Palma verantworten, erschien am Dienstag aber nicht zu seinem Prozesstermin. Das Gericht hat ihn deswegen international zur Fahndung ausgeschrieben.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte den Katamaran bei einem Charteruternehmen in Italien für 14 Tage gemietet. Das Boot fuhr unter italienischer Flagge und war bei der Hafenbehörde von La Spezia registriert. Die Mietzeit begann am 10. Oktober 2020 und endete am 24. Oktober. An diesem Tag hätte der Mann das Boot zurückgeben müssen.
Das tat er laut Anklage nicht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit der Absicht gehandelt zu haben, sich unrechtmäßig zu bereichern. Er soll italienische Gewässer verlassen und Kurs auf Mallorca genommen haben.
Prozess in Palma wurde ausgesetzt
Der Deutsche sollte am Dienstagmorgen vor der Ersten Kammer des Oberlandesgerichts erscheinen. Angeklagt ist er wegen mutmaßlicher schwerer Unterschlagung in Verbindung mit Urkundenfälschung. Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft, eine Geldstrafe von zwölf Monaten bei einem Tagessatz von acht Euro sowie Schadenersatz für das Unternehmen, das ihm den Katamaran vermietet hatte.
Der Mann erschien jedoch nicht zur Verhandlung. Er nahm weder im Gerichtssaal noch per Videokonferenz teil. Nach Angaben des Gerichts wurde mehrmals versucht, ihn elektronisch zu erreichen. Weil der Beschuldigte trotz Ladung nicht erschien, wurde der Prozess ausgesetzt.
Die Kammer erließ daraufhin eine internationale Fahndungsanordnung. Vorstrafen hat er nach Angaben aus dem Verfahren nicht. Nach dem Fund des Katamarans war er am 28. und 29. Oktober 2020 bereits vorübergehend in Haft.
Flagge, Name und Registriernummer geändert
Laut Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte versucht haben, die Identifizierung des Katamarans zu verhindern. Er habe die Registriernummer geändert und eine Plastikplatte mit einer falschen Nummer am Rumpf angebracht, die die echte Nummer verdeckte. Außerdem soll er den Namen des Bootes geändert und die italienische Flagge durch eine deutsche ersetzt haben.
Die Staatsanwaltschaft sieht darin den Versuch, das Boot in sein eigenes Vermögen zu überführen und seine Entdeckung zu verhindern. Zudem soll der Mann das GPS manipuliert und beschädigt haben. Der Katamaran wurde nach dem Fund vor Son Matías in den Hafen von Palma gebracht. Der Eigentümer bekam das Boot später zurück.
Das Unternehmen fordert Schadenersatz in mehreren Posten. Es verlangt 9.285 Euro für die Nutzung des Katamarans zwischen dem 24. und 28. Oktober 2020, 19.500 Euro für einen ausgefallenen Folgeauftrag, 6.120 Euro für die Überführung des Bootes, 5.317 Euro für den Kauf eines nautischen Plotters, also eines Navigationsgeräts, 3.599 Euro für die Suche nach dem Katamaran und 7.133 Euro für Reparaturarbeiten.
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