Mallorca-Premiere im Weltraum: "Posidònia" umkreist die Erde
Im ParcBit bei Palma gebaut, in Kalifornien ins All geschossen: der erste Satellit der Balearen

Start in Vandenberg: SpaceX transportierte den Insel-Satelliten ins All. / OPEN COSMOS
Dienstag 7. Juli, 9.10 Uhr (Balearen-Zeit), Weltraumbahnhof Vandenberg in Kalifornien: Eine Falcon-9-Rakete der Firma SpaceX von Elon Musk startet mit einer Nutzladung von zwei Satelliten, einem griechischen und einem „fet a Mallorca“ mit dem suggestiven Namen „Posidònia“ (Seegras).
Möglicherweise stößt die Weltraumpremiere der Balearen bei der Bevölkerung auf wenig Verständnis, wie eine Umfrage der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“ ergab: 88 Prozent fanden, dass man die 4,2 Millionen Euro besser für andere Zwecke verwendet hätte.
Daten für Notfälle
Trotzdem spart die Balearen-Regierung nicht mit Jubeladressen. Tatsächlich handelt es sich weniger um einen Stunt für Image-Zwecke als um einen der ersten Bausteine eines gerade entstehenden weltweiten Netzes an Satelliten namens Open Constellation 1.0. Dieses soll die Zeitverzögerung, mit der die Behörden Erdbeobachtungsdaten erhalten, von bisher 48 Stunden bis zu mehreren Tagen auf vier Stunden verringern – und in Notfällen auf nur 30 Minuten. Das bedeutet, dass die Verantwortlichen bei Extremsituationen wie Großbränden, Erdbeben oder Überschwemmungen über Informationen verfügen werden, die sie direkt für die Koordination der nötigen Maßnahmen nutzen können.
Aber „Posidònia“ muss nicht auf einen Tsunami oder Vulkanausbruch warten, um seine Nützlichkeit unter Beweis zu stellen. Der 80 Kilo schwere Satellit führt u. a. fünf hochmoderne Kameras mit und grast aus einer Höhe von 300 bis 600 Kilometern täglich drei Millionen Quadratkilometer Erdoberfläche ab. Damit liefert er auch Daten für langfristige Beobachtungen, etwa zur Entwicklung des Klimawandels, zu Themen des Umweltschutzes oder für die Planung von Infrastrukturprojekten.
"Posidònia" beobachtet auch Seegras ...
Sogar die Touristenströme können von „Seegras“ unter die Lupe genommen werden. Und – das ist kein Gag – im Rahmen der Beobachtung von Küstenregionen auch die Seegraswiesen auf dem Meeresboden.
Gebaut wurde der mit KI ausgestattete Satellit im Technologiepark ParcBit nahe der Balearen-Universität bei Palma von der mallorquinischen Niederlassung der Firma Open Cosmos. Diese bietet Satelliteneinsätze ab einem Startpreis von 500.000 Euro an und offeriert auch Satellitendaten zum Kauf. Ihr CEO ist der in Katalonien geborene und auf Mallorca aufgewachsene Aeronautik-Ingenieur Rafel Jordà (37 J.). Er rief das Unternehmen mit zarten 26 Jahren gemeinsam mit zwei Katalanen ins Leben, der Hauptsitz befindet sich bis heute in Barcelona. Den ersten Satelliten baute Open Cosmos wenige Monate nach der Gründung, als der gesamte Mitarbeiterstab noch aus fünf Köpfen bestand, wird auf open-cosmos.com erzählt. Mittlerweile soll das international aufgestellte Unternehmen drei Satelliten pro Woche fertigstellen.
Für das Projekt „Posidònia“ standen der Satellitenfabrik im ParcBit nicht nur Geldmittel aus dem Next-Generation-Geldtopf der EU zur Verfügung: Unternehmen wie Wireless DNA, mehrere Touristikfirmen wie Universal Beach Hotels und Garden Hotels sowie die Balearen-Uni und die mallorquinische Hoteliersvereinigung FEHM unterstützen das Projekt ebenfalls.
Somit ist „Posidónia“ auch in anderer Hinsicht ein Meilenstein, nämlich dem Zusammenwirken öffentlicher und privater Institutionen. Bildlich gesprochen fliegt hier ein bisschen ganz Mallorca durchs All. Auch die Geschwindigkeit, mit der das Projekt entwickelt wurde, scheint vom Weltraum inspiriert: „Posidònia“ wurde erst im Februar 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Mangelnder Rückhalt in der Bevölkerung scheint die Verantwortlichen nicht zu kümmern. Eine Erklärung dafür könnte lauten, dass an der zuvor erwähnten Online-Befragung nur 17 Personen teilgenommen haben.
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