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Fall der nicht mehr erreichbaren Solarfirma auf Mallorca: Die Geschädigten bündeln jetzt ihre Kräfte

Inzwischen soll das Photovoltaik-Unternehmen Franz Stuckmann nach der plötzlichen Schließung die Insolvenz angemeldet haben. Ein Anwalt bereitet eine Sammelklage vor

Solarmodule in großem Stil auf einem Feld: Etwas kleiner waren die Anlagen, die die Firma Franz Stuckmann Balears auf privaten Dächern montierte.

Solarmodule in großem Stil auf einem Feld: Etwas kleiner waren die Anlagen, die die Firma Franz Stuckmann Balears auf privaten Dächern montierte. / FERROVIAL

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Wie viel verbrannte Erde das Aus des Photovoltaik-Unternehmens Franz Stuckmann Balears auf Mallorca hinterlassen hat, ist auch nach mehreren Wochen kaum abschätzbar. Roswitha Köhler, eine Betroffene, die bereits kurz nach dem Abtauchen des Unternehmers eine Gruppe von geschädigten Kundinnen und Kunden ins Leben gerufen hat, geht davon aus, dass mindestens 30 Privatpersonen Anzahlungen bei Stuckmann geleistet haben, ohne ihre Solar- oder Photovoltaikanlagen installiert bekommen zu haben. Inzwischen, so berichten der MZ mehrere Quellen, habe die Firma Insolvenz angemeldet. Eine offizielle Bestätigung der Gerichtssprecherin in Palma diesbezüglich bekam die MZ allerdings nicht.

Währenddessen gestaltet sich die Jagd nach dem angezahlten Geld für die Geschädigten kompliziert. Roswitha Köhler erzählt von Schwierigkeiten, eine Anzeige bei der Guardia Civil aufzugeben. „Ich habe von mehreren Seiten gehört, dass die Beamten in der Wache den Betroffenen die Motivation nahmen, in dem sie ihnen sagten, dass sie mehrere Stunden warten müssten, bis sie an der Reihe wären.“ Deshalb hätten einige der Geschädigten davon abgesehen, Anzeige zu erstatten. „Viele von uns waren frustriert, es erschien uns sehr kompliziert“, sagt Köhler.

Anzeige muss persönlich erfolgen

Sie selbst schickte ihre Anzeige per Mail und hoffte, sie müsse lediglich zur Unterschrift in die Wache kommen. Das allerdings sei nicht möglich, erklärt ein Sprecher der Guardia Civil der MZ. „Eine Anzeige muss immer entweder persönlich vor Ort aufgegeben werden oder im Internet mithilfe der sogenannten Cl@ve für Behördengänge.“ Über diesen elektronischen Zugang verfügt Roswitha Köhler nicht.

Der Sprecher der Guardia Civil bestätigt der MZ zumindest, dass inzwischen zwei Anzeigen gegen Stuckmann vorliegen und dass die Ermittlungen somit aufgenommen werden. Er ermutigt weitere Geschädigte, sich bei der Wache zu melden, damit die Beamten das ganze Ausmaß des Falls abschätzen können. Nach Intervention der MZ hat Köhler von der Guardia Civil nach mehreren Wochen endlich die Antwort bekommen, dass sie für die Anzeige persönlich auf die Wache kommen müsse, sie aber durchaus bereits auf Spanisch vorformulieren könne.

Roswitha Köhler und mehrere weitere Geschädigte wollen sich nicht ausschließlich auf die Guardia Civil verlassen und sind zu einem Anwalt gegangen, der nun eine Sammelklage anstrebt. „Bis da allerdings etwas passiert, können Jahre ins Land ziehen“, sagt Köhler.

Das sagt der Anwalt

Der Anwalt Mirko Jurisch, der eine Kanzlei in Manacor hat, sammelt momentan die Fälle, um sie dann gemeinsam vor Gericht vorzubringen. Er sei noch in der frühen Phase der Informationsbeschaffung, sagt Jurisch der MZ. Deshalb könne er momentan nicht abschätzen, welche Erfolgsaussichten die Klage habe. Auch Jurisch hat bisher keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob Stuckmann Insolvenz angemeldet hat.

Neben Schadenersatzforderungen prüft Jurisch auch, ob strafrechtliche Schritte gegen Stuckmann möglich sind. „Nach unseren Informationen gab es Zahlungen von Kunden zu einem Zeitpunkt, als die Firma bereits ihre Aktivität nahezu eingestellt hatte und die Mitarbeiter nicht mehr bezahlte“, sagt Jurisch. Ob im Falle einer Insolvenz für die Geschädigten überhaupt Geld zu holen ist, kann Jurisch ebenfalls noch nicht abschätzen. „Zunächst werden aus den vorhandenen Vermögenswerten die ausstehenden Gehälter bezahlt“, erklärt der Anwalt.

Auch Firmen geschädigt?

Inzwischen hat die Deutsche erfahren, dass es in Campos auch geschädigte Firmen geben soll, mit denen Stuckmann zusammengearbeitet hatte. Eine Nachfrage der MZ bei einem Baustoffhandel brachte zwar die Bestätigung, dass Stuckmann dort Kunde war. „Mehr darf ich aber aus Datenschutzgründen nicht sagen“, erklärte ein Mitarbeiter am Telefon.

Die Firma Franz Stuckmann Balears hatte im Frühjahr offenbar ihre Geschäftstätigkeiten eingestellt, ohne Kunden und Partner zu informieren. Dutzende Privatleute hatten Solar- oder Photovoltaikanlagen zu diesem Zeitpunkt in Auftrag gegeben und Anzahlungen geleistet, viele von ihnen in fünfstelliger Höhe. Selbst im Mai, als die Firma offenbar nicht mehr aktiv war, soll Stuckmann noch Anzahlungen kassiert haben. Die Mitarbeiter sollen ebenfalls seit zwei Monaten kein Gehalt mehr bekommen haben. Stuckmann selbst ist seither abgetaucht und auch für die MZ weder telefonisch noch per Mail zu erreichen.

Manche der Geschädigten haben inzwischen bereits andere Unternehmen mit der Installation einer Photovoltaikanlage beauftragt und festgestellt, dass die Preise bei Stuckmann deutlich höher als bei vielen Konkurrenten lagen. „Man bekommt ohne Probleme Angebote von Firmen, die preislich 30 bis 40 Prozent unter denen von Stuckmann liegen“, berichtet Roswitha Köhler.

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