Jetzt auch im Nordosten der Insel: Betroffenheit über "Deutsche raus"-Graffiti auf Mallorca
Ein bekannter TV-Auswanderer hatte kürzlich in Cala Ratjada Schmierereien entdeckt. Auch an einem Immobilienbüro in Costa dels Pins sind in der Nacht zum Montag (20.7.) welche aufgetaucht

"Deutsche raus" mit schwarzer Sprühfarbe geschrieben / Sven Florijan / facebook
Jetzt auch in Cala Ratjada und in Costa dels Pins: In dem bei deutschen Urlaubern beliebten Küstenort Cala Ratjada soll in den vergangenen Tagen mindestens ein ausländerfeindliches Graffiti im öffentlichen Raum aufgetaucht sein, das sich direkt gegen Deutsche richtet.
Auch die Deutsche Christine Heise hat ihr Immobilienbüro Coast & Co in Costa dels Pins in der Nacht zum Montag (20.7.) mit Schmierereien beschmiert vorgefunden. "Spekulanten. Mallorca denen, die es bewohnen", steht dort auf Mallorquinisch. "Wir sind seit 38 Jahren auf der Insel. Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert", so Heise zur MZ. Die MZ-Leserin muss nun Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Auch ein Werbeschild, das Kunden von Heise für sie aufgestellt hatten, soll beschmiert worden sein.
"Wir vermitteln hochwertige Immobilien", so Heise. Ihre Vermutung: Da die Leute sich angesichts der niedrigen Gehälter hier keine Häuser oder Mietwohnungen mehr leisten können, entstehe offenbar noch mehr Hass auf Immobilienbüros, die von Deutschen geführt werden.

Die Schmierereien am Immobilienbüro von Christine Heise. / Privat
"Deutsche nicht schuld an Wohnungsnot"
Auf die Schmiererei in Cala Ratjada aufmerksam gemacht hatte der deutsche Gastronom Sven Florijan, der einigen durch die Teilnahme an dem Vox-Format "Goodbye Deutschland" bekannt sein dürfte. Bei Facebook postete er das Bild einer Terrassentür - mutmaßlich eines Cafes oder Restaurants - auf das mit schwarzer Farbe der Spruch "Deutsche Raus" geschmiert worden war. Darüber, ebenfalls in Schwarz, ein Zeichen, das mit etwas Phantasie einem Hakenkreuz zu ähneln scheint.
"Wir wohnen jetzt zehn Jahre hier, aber das habe ich noch nie gesehen", schreibt der Auswanderer in seinem Facebook-Post und berichtet, dass er das Graffiti bei einem Hundespaziergang entdeckt habe. "Derjenige, der das an Wände schreibt, sollte mal gut überlegen , wer hier auf die Insel Geld bringt oder an die, die hier arbeiten und leben und wie wir Steuern zahlen", so Florijan weiter. "Wohnungsnot können wir verstehen, aber auch da sind die Deutschen nicht schuld." Die Einheimischen vor Ort akzeptierten Florijan und seinen Laden, führt der Gastronom in seinem Text aus. "Wir haben sehr viele Spanier als Kunden und dafür sind wir sehr dankbar", so der Deutsche. Auf die MZ-Anfrage, wo genau das Graffiti aufgetaucht sei, antwortete Florijan zunächst nicht.
"Absolut dagegen"
Zahlreiche Beiträge unter dem Post teilen die Bestürzung und Wut des Auswanderers. Auch bei vielen anderen Deutschen scheint die Pauschalisierung und die Ablehnung auf Unverständnis zu stoßen. Einige schickten dem Gastronomen Worte der Aufmunterung. "Nimm es dir nicht so zu Herzen, es gibt auf der ganzen Welt Idioten", so einer der Antwort-Kommentare.
Auch im zuständigen Rathaus von Capdepera zeigte man sich, von der MZ auf die Geschehnisse angesprochen, betroffen. "Wir verurteilen jede Art von Vandalismus gegen jegliches Kollektiv und jegliche Nationalität. Wir sind absolut dagegen und es gefällt uns nicht, dass so etwas passiert", so der für Bürgersicherheit zuständige Ratsherr, Manuel Alberto Filgueiras (PP).
Nicht das erste Mal
Die Vorfälle in Cala Ratjada und Costa dels Pins reihen sich ein in eine Vielzahl von touristenfeindlichen oder ausländerfeindlichen Schmierereien auf Mallorca. Immer wieder tauchen auf der ganzen Insel Slogans wie "tourists go home" auf. Auch dass sich die Ablehnung direkt gegen Deutsche handelt, ist nicht neu: Im vergangenen Sommer sorgten zahlreiche Graffitis und Aufkleber auf Autos und Geschäften in Santanyí für Wirbel, bei denen ebenfalls der Slogan "Deutsche raus" dominierte. Der jüngste Vorfall ereignete sich in Santa Maria del Camí. Die zwei mutmaßlichen Täterinnen, die fünf Filialen von Immobilienagenturen mit Graffiti verunstaltet haben sollen, wurden kürzlich von Beamten der Guardia Civil festgenommen.
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