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Drogen nach Algerien, Migranten nach Spanien: Polizei zerschlägt brutales Schleusernetzwerk – auch Festnahmen auf Mallorca

Die kriminelle Struktur operierte mit klar gegliederten Hierarchien in mehreren spanischen Regionen und hatte internationale Verbindungen

Im Video: Guardia Civil nimmt international agierendes Schleusernetzwerk hoch

Guardia Civil

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Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Beamte der Guardia Civil und der Nationalpolizei haben mit Unterstützung von Europol sowie Ermittlern aus Frankreich, Portugal und Polen ein international agierendes Schleusernetzwerk zerschlagen. Nach Angaben der Behörden handelt es sich um eine der komplexesten, aktivsten und gefährlichsten transnationalen kriminellen Strukturen, die bislang im Mittelmeerraum im Menschenschmuggel über den Seeweg aktiv gewesen sein sollen. In der abschließenden Phase der Operation, an der mehr als 180 Beamte beteiligt waren, wurden insgesamt 78 Personen festgenommen – zwei davon auf Mallorca.

Das Netzwerk setzte Hochgeschwindigkeitsboote für ein lukratives Geschäft in beide Richtungen des Mittelmeers ein: Von Spanien aus wurden Drogen nach Algerien gebracht, auf dem Rückweg Migranten an die spanischen Küsten geschleust. Seit Beginn der Ermittlungen im Jahr 2023 konnten die Behörden 64 solcher Fahrten dokumentieren. Dabei soll die Organisation mehr als 2.000 Migranten nach Spanien gebracht und damit Einnahmen von mehr als 24 Millionen Euro erzielt haben.

So arbeitete das Netzwerk

Nach Angaben der Guardia Civil verfügte die Organisation über klar gegliederte und hierarchisch aufgebaute Strukturen in Andalusien, Murcia, der Autonomen Gemeinschaft Valencia und auf den Balearen. Darüber hinaus unterhielt sie operative Verbindungen nach Frankreich, Portugal, Italien und Polen.

An der Spitze stand den Ermittlungen zufolge ein Anführer, der Planung, Koordination, Überwachung und Finanzierung der kriminellen Aktivitäten verantwortete. Er soll erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt, Waffen und Betäubungsmittel geliefert und die Verteilung der Drogen in verschiedene nordafrikanische Länder gesteuert haben, in denen synthetische Drogen wie MDM , bekannt als Ecstasy oder Molly, stark nachgefragt werden.

Die Organisation war in drei Ebenen gegliedert. Die Führungsebene übernahm die strategische Leitung und die Kontrolle der Operationen. Darunter standen Bootsführer, Transporteure und Verantwortliche für die operativen Mittel. Eine dritte Ebene umfasste unter anderem Helfer, Anwerber, Lieferanten, Wachpersonal, Logistiker, Treibstoffversorger, Finanzverwalter und Strohleute.

Millionenwerte auf dem Wasser

Das Netzwerk verfügte über eine umfangreiche und hoch spezialisierte Infrastruktur. Dazu gehörten Hochgeschwindigkeitsboote mit leistungsstarken Motoren, Transport- und Überwachungsfahrzeuge, konspirative Wohnungen, verschlüsselte Kommunikationssysteme, Satellitentelefone, GPS-Geräte und Satellitenantennen. Hinzu kam ein länderübergreifendes Logistiknetz.

Im Verlauf der Ermittlungen wurden 18 Boote mit jeweils drei oder vier Motoren beschlagnahmt. Sie waren mehr als acht Meter lang, einige bis zu 14 Meter. Ihr Gesamtwert soll deutlich über fünf Millionen Euro liegen.

Bis zu 12.000 Euro pro Migrant

Für die Beförderung eines Migranten verlangte das Netzwerk den Ermittlern zufolge bis zu 12.000 Euro. Bei einzelnen Fahrten befanden sich bis zu 50 Menschen an Bord. Die Überfahrten waren äußerst gefährlich. Die Migranten wurden dicht gedrängt und mit hoher Geschwindigkeit über das Meer gebracht, teilweise bei starkem Wellengang und ohne Beleuchtung. Zwar verfügten die Boote über technisch hochentwickelte Navigationssysteme, doch hatten die Insassen in den meisten Fällen keine Rettungswesten. Mitunter wurden sie sogar festgebunden, damit sie während der Fahrt nicht ins Wasser fielen.

Auch innerhalb der Organisation herrschte laut den Ermittlern ein Klima der Gewalt. Das interne Kontrollsystem basierte auf Einschüchterung, Drohungen, Nötigung und körperlicher Gewalt. Davon waren sowohl Mitglieder des Netzwerks als auch die transportierten Migranten betroffen. Die Ermittler fanden wiederholt Hinweise auf Vergeltungsmaßnahmen, Abrechnungen, Entführungen, Übergriffe und Morddrohungen.

Durchsuchungen und Festnahmen

Im Zuge der Operation wurden 17 Immobilien in Almería, Murcia, Cartagena und Alicante durchsucht. Dabei stellten die Ermittler 26.675 Euro Bargeld, 15.000 MDMA-Tabletten, 61 Kilogramm Haschisch, 500 Gramm Kokain, 40 Gramm Methamphetamin, einen Revolver vom Kaliber 38, eine täuschend echt aussehende Maschinenpistole, Munition, vier Fahrzeuge, 725 Liter Benzin, Satellitenantennen, Geolokalisierungsgeräte sowie weiteres Spezialmaterial sicher.

Darüber hinaus wurden Vermögenswerte der Organisation vorsorglich eingefroren, darunter Bankkonten, Immobilien und Fahrzeuge mehrerer mutmaßlicher Führungspersonen. Die Festnahmen erfolgten in Almería (36), Murcia (13), Alicante (11), Ibiza (6), Cartagena (2), Mallorca (2), Palencia (2) sowie in Huelva, Córdoba, A Coruña, Sevilla, Lugo und Algerien mit jeweils einer Festnahme.

Den Beschuldigten werden unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Menschenschmuggel, Drogenhandel, Handel mit Waffen, Munition und Sprengstoffen, illegale Lagerung und Beförderung von Flüssigtreibstoff, Einbruchsdiebstahl, Bedrohung, Erpressung, Freiheitsberaubung, Schmuggel und Geldwäsche vorgeworfen.

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