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Faszination Sonnenfinsternis: Ein Thüringer Hobby-Astronom auf der Suche nach dem besonderen Kick

Mit seinem Smart-Teleskop will Knut Schäffner aus Sömmerda das Jahrhundertereignis festhalten

Teleskop, Spezial-T-Shirt: Knut Schäffner, hier im Agroturismo Son Pont in Puigpunyent, ist für die Sonnenfinsternis auf Mallorca ausgerüstet.

Teleskop, Spezial-T-Shirt: Knut Schäffner, hier im Agroturismo Son Pont in Puigpunyent, ist für die Sonnenfinsternis auf Mallorca ausgerüstet. / Yvonne Späne

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Dass Knut Schäffner ein Mallorca-Besucher der besonderen Art ist, lässt sich an einem kleinen, weißen Apparat erkennen. Der erinnert mit seinem futuristischen Design inklusive einem schwenkbaren Arm an eine Mischung aus Science-Fiction-Utensil und modernem Küchengerät. Minimalistisches Design mit abgerundeten Ecken, gerade mal 24 Zentimeter hoch, 14 Millimeter breit, 8 Zentimeter tief und 1,65 Kilo schwer, das Ganze auf ein Carbon-Stativ montiert. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die wahren Qualitäten des “Seestar S30 pro”, so die genaue Produktbezeichnung.

Dahinter steckt ein sogenanntes Smart-Teleskop, mit dem man tief ins Weltall schauen und das Gesehene auch gleich auf Fotos festhalten lassen kann. Dazu gehört auch das Ereignis, für das der 55-Jährige diese Woche aus Thüringen auf die Balearen-Insel gereist ist. Die Rede ist von der totalen Sonnenfinsternis am Mittwoch (12.8.), die Mallorca wie auch andere spanische Regionen elektrisiert, oder wahlweise wegen der damit verbundenen Restriktionen der Inselregierung nervt. Bei Knut Schäffer ist logischerweise Ersteres der Fall. Damit befindet er sich im selben Boot mit vielen anderen Eklipsen-Fans, die in diesen Tagen die Insel bevölkern. Und doch gibt es einen Unterschied.

Mini-Sternwarte im heimischen Garten

„Ich bin semiprofessioneller Hobby-Astronom”, charakterisiert sich der Mann mit den kurzen grauen Haaren selbst. Hobby deshalb, weil der Thüringer von Haus aus 3d Messtechniker beziehungsweise Qualitätsmanager bei einer Firma ist, die Drucker herstellt. In seiner Eigenschaft als Vizeleiter der Qualitätssicherung betreue er auch Messequipment der Firma Zeiss, einem Spezialisten für optische Produkte. Von daher gebe es eine Nähe zur Astronomie, sagt Schäffner lachend.

Ein Blick ins Universum, veröffentlich von Knut Schäffner auf seiner Webseite.

Ein Blick ins Universum, veröffentlich von Knut Schäffner auf seiner Webseite. / Knut Schäffner

Seit 40 Jahren lässt ihn diese Leidenschaft fürs Extraterrestrische nicht mehr los. Verbunden mit einer Menge Zeit, Aufwand und wohl auch Geld, die er in sein wissenschaftliches Hobby investiert hat. Etwa für eine private Mini-Sternwarte, die er im Garten seines Hauses in Sömmerda eingerichtet hat, einer 19.000-Einwohnerstadt in der Nähe der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Ein Bausatz „Made in Poland“ mit Dreimeter-Kuppel und einem sogenannten „13 Astrographen”, sprich einem Teleskop mit 13 Zoll-Öffnung, das besonders für die Astrofotografie entwickelt wurde. Was er damit anstellt? „Ich versuche, große galaktische Nebel tief zu belichten, um meinen Mitmenschen zu zeigen, was es am Himmel alles so gibt.” Damit versuche er, deren Faszination an der Astronomie zu entfachen. Oft gelinge das erstaunlich gut.

Zusammenarbeit mit Ranga Yogeshwar

Nicht die einzige Sternenbeobachtungsstation, die er im Laufe seines Lebens betrieben hat. Das hängt damit zusammen, dass Schäffner vor einigen Jahren als Berater für eine Firma fungierte, die auf die Herstellung von hochpräzisen astronomischen Teleskopen beziehungsweise besonderen Direktantrieben spezialisiert ist. Auf einer Astromesse in Essen habe man eine neue Montierung präsentiert. Das erregte seinerzeit wiederum die Aufmerksamkeit eines prominenten Besuchers. Sein Name Ranga Yogeshwar, seines Zeichens Wissenschaftsjournalist und Moderator von TV-Formaten wie „Quarks und Co” oder „W wie Wissen”.

"Windows to the universe" nennt Knut Schäffner seine Webseite, auf der er faszinierende Fotos vom All veröffentlicht.

"Windows to the universe" nennt Knut Schäffner seine Webseite, auf der er faszinierende Fotos vom All veröffentlicht. / Knut Schäffner

Der von der Technik begeisterte Yogeshwar habe vorgeschlagen, eine „Sternwarte auf Malle” zu bauen mit eben diesem Gerät. Dazu kam es jedoch nicht. Stattdessen landeten Schäffner und Yogeshwar in Südfrankreich, wo sie in Verclause, einem Dorf in der Provence, eine bestehende Sternenwarte übernahmen. Verclause deshalb, weil die Region eine sehr geringe Lichtverschmutzung aufweist und daher ein idealer Standort von automatischen und Remote-Sternwarten ist, so genannt, weil diese aus der Ferne via Internet bedient werden können. Von 2010 bis 2017 habe man die Einrichtung betrieben und dann aber wieder aufgegeben, erzählt Schäffner. Die Bekanntheit des Wissenschaftsjournalisten, verbunden mit seinen sonstigen Verpflichtungen seien zu zeitaufwendig geworden.

Versteht sich von selbst, dass dies Schäffners Passion für die Astronomie keinen Abbruch tat. Wie tief er sich mit der Materie beschäftigt, zeigt allein ein Blick auf seine Webseite (www.large-galaxie.de), auf der der Thüringer faszinierende Beispiele seiner Astrophotographie zeigt, wie man sie beispielsweise auch von Weltraumteleskopen wie Hubble kennt. Und auch in Spanien war er bereits in Sachen Sternenbeobachtung unterwegs – etwa auf Teneriffa, wo er im Teide-Nationalpark das dortige Observatorium besuchte.

"Eine lebensumwandelnde Erfahrung"

Nun also die totale Sonnenfinsternis auf Mallorca. Auch das ein Phänomen, das den Thüringer immer wieder fasziniert. Und das er nicht zum ersten Mal erlebt. Vor 27 Jahren wurde Schäffner Zeuge des Himmelsspektakels, als er im Jahr 1999 zusammen mit seiner Frau nach Ungarn reiste und dort eine SoFi erlebte. “Eine lebensumwandelnde Erfahrung”, schwärmt er noch heute davon.

In seinem Garten im thüringschen Sömmerda hat Knut Schäffner eine eigene kleine Sternwarte.

In seinem Garten im thüringschen Sömmerda hat Knut Schäffner eine eigene kleine Sternwarte. / Armin Burghardt/Funke Medien Thüringen

Warum ihn die Eklipse 2026 - übrigens in Begleitung seines 25-jährigen Sohns Philipp - nach Mallorca gezogen hat? Ihn interessiere besonders, diese Sonnenfinsternis mit der neuen Technik aufzunehmen, sagt er. “Und da sie so tief am Horizont stattfindet und dann im Meer untergeht, ist das besonders einmalig.” Erleben will er sie in Port des Canonge an der Westküste, wohin er am Mittwochmorgen bereits in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen ist. Logistisch übrigens kein besonderer Aufwand. Das Seestar S30 pro mit seiner Brennweite von 160Millimeter bei einem Objektivdurchmesser von 30 Millimeter könne zwar mit großen Teleskopen mithalten, passe aber in eine kleine Tasche und damit auch ins Handgepäck. Er habe es immer auf Reisen dabei oder benutze es in den dunklen Ecken Deutschlands.

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