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Ob im Luxushotel oder auf den Felsen am Meer: Colònia de Sant Jordi verwandelt sich eine große Eclipsen-Community

Zahlreiche Besucher am Küstenstreifen und die Gäste des Iberostar Es Trenc genießen gemeinsam das Jahrhundertereignis

Entspanntes Warten auf die Totalität: Vincent Prezioso aus New York hat seinen Trip nach Mallorca von langer Hand vorbereitet.

Entspanntes Warten auf die Totalität: Vincent Prezioso aus New York hat seinen Trip nach Mallorca von langer Hand vorbereitet. / Yvonne Späne

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Zum Abschluss noch eine Feuershow auf der Terrasse des Hotels "Iberostar Selection Es Trenc" mit wild herumwirbelnden Rädern und Stichflammen, die meterhoch in den Nachthimmel schießen, begleitet vom Geruch nach Benzin und Rauch und dem Applaus der umstehenden Zuschauer.

Das wahre Spektakel an diesem Abend ist da längst vorbei, der Hauptdarsteller am Horizont auf der anderen Seite der Erdkugel verschwunden. Aber sicherlich noch in den Köpfen derjenigen, die es staunend, gebannt, mit verzückten Ah- und Oh-Rufen verfolgt hatten. Und das obwohl es gänzlich unaufgeregt, ohne jegliche inszenierte Showelemente ausgekommen ist.

Ausgebucht für die Sonnenfinsternis

Colònia de Sant Jordi gehörte am Mittwochabend zu den Hotspots auf Mallorca, an denen sich die totale Sonnenfinsternis besonders gut beobachten ließ. Kein Wunder also, dass auch die Fünfsterne-Herberge in der Nähe des Naturstrands Es Trenc wie viele andere günstig gelegene Hotels die Gunst der Stunde genutzt und ein besonderes Paket für Eclipse-affine Gäste zusammengestellt hatte.

Zum Beispiel in der Toplage des Hauses für die vier eigens so genannten "Sea View Eclipse Sutiten" ein Arrangement inklusive Zehn-Gang-Menü, Massage mit ätherischen Ölen, eine Flasche Premium Champagner und ein exklusives Schmuckstück einer mallorquinischen Marke, um das Wichtigste zu nennen. Mit Erfolg, die Aussicht auf einen Eclipsen-Logenplatz war so attraktiv, dass man an den Tagen um die Sonnenfinsternis herum ausgebucht war. Rund 260 Gäste seien es aktuell, hieß es im Hotel. Und das, nachdem die Auslastung zuvor bei zwischen 70 und 80 Prozent gelegen habe.

Andrang für einen Logenplatz

Einige Gäste waren von weither angereist. Etwa Vincent Prezioso, der mit seiner Frau aus New York eingeflogen war. "Astronomie ist ein Hobby von mir seit Kindheit an", sagte der Mann, während er entspannt und schon mit Schutzbrille vor den Augen im Liegestuhl am Hotelpool auf die Stunde X wartete.

Bereits im Jahr 2004 habe er in den USA eine totale Sonnenfinsternis gesehen und dieses Erlebnis wiederholen wollen. Daher habe er auch genau recherchiert, wo sich die diesjährige Eclipse am besten beobachten ließe. Die Wahl fiel auf Mallorca, wo er vorher noch nie gewesen und wohin er via Madrid gereist sei.

Preziosos Landsmann, der aus Arizona stammende Richard Johnston, ist ebenfalls extra für das Naturphänomen auf die Insel gekommen. Ausgestattet mit einer neuwertig aussehenden Nikon-Kamera nebst Teleobjektiv und einem aufmontierten Filter wollte er den großen Moment von der Dachterrasse des elfstöckigen Gebäudes, das auf der Spitze einer Landzunge thront, ablichten.

Auch er ist ein ausgesprochener Eclipse-Jäger, seit er 1992 in Costa Rica das Himmelsereignis zum ersten Mal erlebt hatte. Und eigentlich habe er an die Westküste Mallorcas gewollt, aber da habe er nichts mehr bekommen. Nun habe er sich fünf Tage in Colònia de Sant Jordi eingemietet.

Michael Hoinkis und Natascha Helmrich haben ihre Sonnenfinsternis-Reise ein Jahr im Voraus gebucht.

Michael Hoinkis und Natascha Helmrich haben ihre Sonnenfinsternis-Reise ein Jahr im Voraus gebucht. / Klaus Späne

Michael Hoinkis und Natascha Helmrich kamen aus der Nähe von Würzburg für die Sonnenfinsternis nach Mallorca. Eine gezielte Aktion, die von langer Hand vorbereitet war. "Wir haben den Ort sehr genau mithilfe einer App ausgesucht", berichtete Hoinkis, der von Beruf Pilot ist. Die Reise habe man dann vor einem Jahr gebucht. Auch die Wahl der noblen Unterkunft an der Südküste der Insel war alles andere als Zufall - Helmrich ist Reiseverkehrskauffrau mit eigenem Reisebüro. "Wir sind gut vorbereitet", sagte Michael Hoinkis.

Eine gute Entscheidung angesichts des Ansturms, der am Mittwoch herrschte. Schon bei der Anfahrt auf Colònia de Sant Jordi gab es dichtes Gedränge auf den Seitenstreifen der Straße und auf den Parkplätzen vor und in dem kleinen Küstenort. Dennoch ging zu diesem Zeitpunkt es auf den Straßen selbst noch recht entspannt zu.

Ausblick in erster Meereslinie. Dichtes Gedränge herrscht auf den Felsen an der Küste.

Ausblick in erster Meereslinie. Dichtes Gedränge herrscht auf den Felsen an der Küste. / Yvonne Späne

Die Guardia Civil hatte zwar eine Kontrollstelle kurz vor dem Ort eingerichtet, ließ die Fahrzeuge aber ungestört passieren. Innerhalb des Dortfes hatte das Rathaus den Sicherheits- und Notfalldienst verstärkt, hieß es von der Behörde. Es seien neun Beamte der Ortspolizei und vier Einsatzkräfte des Zivilschutzes Protección Civil im Dienst gewesen.

Ein magischer Moment, als die Sonne nach der Totallität langsam untergeht.

Ein magischer Moment, als die Sonne nach der Totalität langsam untergeht. / Yvonne Späne

Je mehr es Richtung Abend ging, desto mehr füllte sich die Felsküste und die Strandpromenade des 2860-Seelen-Ortes mit Menschen, die die Eclipse beobachten wollten. Auch der Strand von Es Trenc war mit zahlreichen Besuchern gefüllt, und im Meer davor drängten sich die Boote, die vor Anker lagen, dicht an dicht.

Von der familiären Atmosphäre zur ehrfürchtigen Stille

Bei all dem Zustrom herrschte überall eine ausgesprochene friedliche, teils familiäre Atmosphäre, geprägt von der großen Erwartungsfreude, die geradezu mit den Händen greifbar war. Stative wurden aufgestellt, Kameras in Position gebracht. Auch auf den Balkonen und den Terrassen des Iberostar Es Trenc.

Als sich dann um 19.38 Uhr der Mond langsam vor die Sonne schob und es immer dunkler wurde, breitete sich eine ehrfürchtige Stille aus. Diese wich begeisterten Ausrufen, als schließlich um 20.31 die Totalität einsetzte und nur noch die Korona der Sonne zu sehen war. Colònia de Sant Jordi, egal ob im Luxushotel untergebracht oder einfach an der Küste stehend, wuchs zu einer großen Eclipsen-Community zusammen.

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