Nach der Gewalt bei der Tourismusdemo auf Mallorca: Nationalpolizei fordert Ausweitung der Ermittlungen
Die Polizei auf Mallorca beantragt die Aufnahme weiterer Beschuldigter in das Verfahren zu den Ausschreitungen

Am Ende der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. / Manu Mielniezuk
Die Nationalpolizei auf Mallorca hat den zuständigen Ermittlungsrichter in Palma gebeten, im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach der großen Demonstration gegen die Folgen des Massentourismus am 26. Juli weitere Personen als Beschuldigte in das Verfahren aufzunehmen.
Bislang wird in dem Verfahren, das bei Ermittlungsgericht Nummer 12 in Palma geführt wird, nur gegen einen Mann kubanischer Herkunft ermittelt. Er war wegen Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen worden, nachdem er einen eingesetzten Polizisten angegriffen und verletzt haben soll. Vor Gericht machte er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und kam anschließend auf freien Fuß. Die Ermittlungen laufen weiter.
Umfangreichen Bericht vorgelegt
Die Polizei hat dem Gericht nun einen umfangreichen Bericht vorgelegt, in dem sie ihr Vorgehen bei den späteren Einsätzen gegen Demonstranten mit dem gewaltsamen Verhalten einzelner Personen in der Menge begründet. Grundlage sind unter anderem Fotos und Videoaufnahmen, teilweise von Polizeidrohnen, die den Verlauf der Demonstration dokumentieren. Nach dem Plan der Veranstalter sollte die Kundgebung nach der Verlesung des Manifests in Ses Voltes enden.
Dort kam es schließlich zu den Spannungen, die die bis dahin friedlich verlaufene Demonstration überschatteten. Die Polizei wollte den Zugang zu Ses Voltes auf maximal 1.500 Personen begrenzen. Als zahlreiche Teilnehmer feststellten, dass sie den Abschlussbereich der Kundgebung nicht mehr betreten konnten, verschärfte sich die Atmosphäre. Es kam zu Auseinandersetzungen mit den Beamten und schließlich zu Polizeieinsätzen mit Schlagstöcken.
25 Verletzte
Das Vorgehen löste heftige Kritik aus. Insgesamt wurden 25 Menschen verletzt, darunter ein Fotojournalist, der über die Demonstration berichtete. 15 Verletzte benötigten medizinische Behandlung. Zwei Personen erlitten Kopfverletzungen und mussten genäht werden; einer der Betroffenen lag nach Angaben der Organisationen Alerta Solidària und Menys Turisme, Més Vida wegen einer Hirnblutung 48 Stunden im Krankenhaus. Die 25 Verletzten bereiten gemeinsame Anzeigen vor. Menys Turisme, Més Vida spricht von mehr als 70.000 Teilnehmern an der Demonstration, die Polizei von 25.000.
Auch fünf Polizisten wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt. Der nun beim Gericht eingereichte Polizeibericht enthält unter anderem Aufnahmen einer jungen Frau, die mit einer etwa drei Meter langen Fahnenstange auf Beamte eingeschlagen haben soll, sowie eines vermummten jungen Mannes, der eine Wasserflasche in Richtung der Polizei wirft. Auf weiteren Bildern sind fliegende Gegenstände zu sehen. Zudem dokumentierten die Ermittler zwei Steine und einen Nagel, die nach ihrer Darstellung aus der Menge geworfen worden sein sollen.

Diese Gegenstände flogen nach Angaben der Nationalpolizei auf die Einsatzkräfte. / DM
Gezielt gewaltsam gehandelt
Nach Angaben der Polizei geriet zunächst eine kleinere Gruppe von Beamten am Zugang zu Ses Voltes in Bedrängnis, nachdem Demonstranten Absperrgitter beiseitegeschoben hatten. Kollegen mussten ihnen einen Weg bis zur Avinguda Antoni Maura freimachen. Später sei eine weitere Gruppe von Polizisten zwischen Demonstranten auf dem Weg zwischen Stadtmauer und See im Parc de la Mar eingeschlossen worden.
Schließlich konzentrierten sich die Einsatzkräfte an der Avinguda Antoni Maura, wo sie von mehreren Teilnehmern beschimpft worden seien. Die Einsatzleitung vertritt die Auffassung, dass einzelne Personen in der Menge gezielt gewaltsam handelten. Deshalb fordert die Polizei nun, die Ermittlungen auf weitere Beteiligte auszuweiten.
Die Demonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus war bereits im Vorfeld von heftigen Kontroversen begleitet worden. Für Aufsehen sorgten zum einen ein von den Organisatoren veröffentlichtes Handbuch mit Vorschlägen für Aktionen gegen die Touristifizierung, darunter das Besprühen von Fassaden oder das Beschädigen von Schlössern touristischer Betriebe, zum anderen die Festnahme zweier junger Aktivistinnen, denen Sachbeschädigungen an fünf Immobilienbüros in Santa Maria vorgeworfen wurden.
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