Gewalt gegen Frauen auf Mallorca: Das Programm VioGén schützt derzeit mehr als 4.300 Frauen vor Männern
VioGén bietet Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt auf den Balearen einen festen Ansprechpartner bei der Polizei zur regelmäßigen Kontaktaufnahme und Festlegung von Schutzmaßnahmen

Immer am 25. November gehen Frauen auf Mallorca gegen häusliche Gewalt auf die Straße. / Manu Mielniezuk
Die geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen reißt auf Mallorca nicht ab – im Sommer nimmt sie sogar zu. Im Schutzsystem VioGén werden auf den Balearen derzeit 47 minderjährige Mädchen und junge Frauen unter 18 Jahren betreut, die von ihren Partnern oder Expartnern misshandelt wurden.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums mit Stand 31. Juli 2026 weisen 36 dieser Fälle niedriges Risiko auf, zehn ein mittleres und einer ein hohes Risiko; Fälle mit extremem Risiko gibt es in dieser Altersgruppe nicht.
Hinzu kommen drei weitere Fälle unter Beobachtung und 73 inzwischen inaktive Vorgänge. Insgesamt sind damit 123 Fälle mit 120 minderjährigen Opfern im System erfasst. Mehr als die Hälfte davon ist derzeit deaktiviert und erfordert keine direkte polizeiliche Überwachung.
Mehr als 4.300 Fälle derzeit aktiv
Besonders verletzlich ist auch die Gruppe der Frauen über 65 Jahre. Hier gibt es auf den Balearen 85 aktive Fälle, davon 67 mit niedrigem und 18 mit mittlerem Risiko. Weitere sechs Fälle werden beobachtet, 2.144 sind inaktiv. Insgesamt waren 2.149 Frauen dieser Altersgruppe bislang im spezialisierten Schutzprogramm erfasst.

Gewalt gegen die eigene Partnerin – auch auf Mallorca kommt das in vielen Haushalten vor. / SOMMER/DPA
Aktuell gibt es auf den Inseln mehr als 4.300 aktive VioGén-Fälle. In 2.053 davon haben die betroffenen Frauen minderjährige Kinder zu versorgen. In 68 Fällen gelten auch die Kinder selbst als gefährdet, davon 63 mit mittlerem und fünf mit hohem Risiko.
Ständige polizeiliche Überwachung
676 Fälle werden als besonders relevant eingestuft. Dabei handelt es sich um Konstellationen, bei denen die Polizei aufgrund bestimmter Risikofaktoren eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit schwerster oder tödlicher Gewalt sieht. 622 dieser Fälle gelten als mittleres Risiko, 52 als hohes und zwei als extremes Risiko. Die beiden betroffenen Frauen benötigen nach Angaben des Innenministeriums eine ständige polizeiliche Überwachung.
Von insgesamt 4.306 aktiven Fällen auf den Balearen sind 3.472 mit niedrigem Risiko eingestuft, 779 mit mittlerem, 53 mit hohem und zwei mit extremem Risiko. Weitere 391 Fälle werden beobachtet, 36.288 sind inaktiv. Insgesamt umfasst das VioGén-System auf den Balearen 35.350 Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt.
Fester Ansprechpartner bei der Polizei
Das Programm bündelt Informationen über die betroffene Frau, den Partner oder Expartner sowie gegebenenfalls minderjährige Kinder. Auf Grundlage einer polizeilichen Risikobewertung durch Nationalpolizei, Guardia Civil oder Lokalpolizei werden Schutzmaßnahmen festgelegt. In der Regel erhält die Betroffene einen festen Ansprechpartner bei der Polizei, der regelmäßig Kontakt hält.
Wie wichtig diese Betreuung sein kann, zeigte zuletzt ein Fall in Manacor. Dort stellte sich ein Mann bei Gericht und erklärte, er suche seit zehn Tagen nach seiner Exfrau, um sie zu töten. Gegen ihn bestand seit dem 2. August ein Kontaktverbot. Die Frau war bereits im VioGén-System erfasst und zwei Tage zuvor von der Polizei kontaktiert worden. Nach der erneuten Warnung konnte sie ausfindig gemacht werden und befand sich in Sicherheit.
Der Mann wurde festgenommen, in einem Schnellverfahren wegen Verstoßes gegen eine gerichtliche Schutzmaßnahme und wegen Drohungen zu zehn Monaten Haft verurteilt und anschließend inhaftiert. Er ist vorbestraft und hatte bereits eine langjährige Haftstrafe wegen eines Tötungsdelikts in einer Gemeinde in Girona verbüßt; dieser frühere Fall stand jedoch nicht im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt.
Abonnieren, um zu lesen
- Warum Mallorquiner mit mir 'aus Respekt' Spanisch sprechen, obwohl ich ihre Sprache kann
- Mitten in der Hochsaison: Gastronomie baut vermehrt Jobs ab
- Sie tun nichts': Sóller macht seinem Ärger um Verkehrschaos Luft - und sieht einen klaren Schuldigen
- Langzeitprognose: So wird das Wetter im Herbst auf Mallorca
- Kind im Speiseraums des Hotels fotografiert: Gericht spricht deutschen Mallorca-Urlauber frei
- Neue Parkfläche eröffnet: 150 zusätzliche Stellplätze in Port d’Andratx
- Schweizer Urlauber verliert beim Baden auf Mallorca fast sein Leben
- MZ vor Ort: So bunt ist der Wochenmarkt in Alcúdia