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Wie der Vater von Italiens Wahlsiegerin Giorgia Meloni auf Mallorca politisch versagte

Der Erzeuger von Italiens rechtsextremer Wahlsiegerin mischte auf der Insel politisch mit - und war doch so anders als seine Tochter

Giorgia Meloni, Vorsitzende der rechtsradikalen Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens), macht das Siegeszeichen in der Wahlkampfzentrale ihrer Partei. Italien hat am Sonntag, 25.09.2022, ein neues Parlament gewählt. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – das mag in vielen Fällen stimmen. Doch nicht immer ähneln Kinder in ihren Ansichten den Eltern, manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. So, wie bei Giorgia Meloni und ihrem Vater Francesco Meloni. Zugegeben: Die Vorsitzende der rechtsradikalen italienischen Partei "Fratelli d’Italia", die bei den Parlamentswahlen am Sonntag (25.9.) zur meistgewählten Partei Italiens aufschwung, ist an Politik mindestens ebenso interessiert wie ihr Erzeuger. Doch dessen politische Karriere scheiterte schon vor Jahren auf Mallorca – und statt rechtsradikaler und erzkonservativer vertrat er einst kommunistische Ideale.

Es war der Zusammenschluss "Ciudadanos en Blanco" – mehr Bürgerplattform als herkömmliche Partei und in keinem Zusammenhang mit den heute etablierten liberalen "Ciudadanos" – mit dem Francesco Meloni gleich zwei Mal bei Regionalwahlen auf Mallorca kandidierte: Ein Mal im Jahr 2007, als die Gruppe weder im Balearen-Parlament noch im Inselrat ein Mandat erhielt, und dann noch ein Mal im Jahr 2011, als die Aktivisten zwar mehr Zuspruch bekamen als vier Jahre zuvor, jedoch immer noch nicht genug, um selbst einziehen zu können. Ihr Ziel: Eine Reform des Wahlrechts und die Etablierung der berechenbaren Blankostimme bei politischen Abstimmungen. Seitdem zerstreute sich die Bürgerplattform und Francesco Meloni zog sich zurück. Erfolg sieht anders aus.

Seit Jahren Funkstille

Nun muss man dazu sagen, dass seine Tochter, die voraussichtlich Italiens erste Regierungschefin wird, kein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hatte, oder besser gesagt: In den letzten Jahrzehnten vor seinem Tod vor zwei Jahren herrschte komplette Funkstille zwischen den beiden.

Doch es wäre falsch, zu behaupten, dass Francesco Meloni, den in Spanien viele nur „Franco“ nannten, seine Tochter nicht in ihrer politischen Linie geprägt hätte. Vielmehr scheint die rechte Politikerin ihre Ideologie auf der Ablehnung dessen aufzubauen, was ihr Vater für sie verkörperte – wie die 45-Jährige in ihrer Biografie auch mehr oder weniger offen zugibt. Nur wegen dem, was ihr Vater ihr angetan habe, habe sie sich zu einer Kämpfernatur entwickelt, und gerade weil ihr eine heile Familie fehlte, nachdem Francesco seine Frau und die beiden Töchter verließ, als Giorgia noch ein Kleinkind war, setze sie sich nun umso mehr für das traditionelle Familienbild ein – und gegen das Recht von Homosexuellen oder Alleinstehenden, ein Kind zu adoptieren.

In den Fußstapfen der Mutter

Es war in den 80er Jahren, als Francesco Meloni seiner Familie in Rom den Rücken zukehrte und mit einer neuen Lebensgefährtin auf die Kanaren zog. Während ihrer Kindheit besuchte Giorgia ihren Vater regelmäßig in den Sommerferien. Nach einem Streit 1989 brach die damals Elfjährige dann den Kontakt ab – und vergab ihrem Vater nie, dass er die Familie hatte sitzenlassen. Selbst, als Francesco Meloni vor zwei Jahren nach längerem Krankheitsprozess an Leukämie starb, nahm die Italienerin keinen Kontakt zu ihm auf. „Ich fühlte weder Hass noch Schmerz. Ich fühlte gar nichts, als wäre eine Figur aus dem Fernsehen gestorben“, so Meloni später in einem Interview.

Wann genau Francesco Meloni von den Kanaren nach Mallorca kam, ist nicht bekannt. Nur, dass der Kommunist und Atheist für vieles stand, was seine Tochter heute rundheraus ablehnt. Wie klar – und rechtsextrem – ihre politischen Ansichten sind, brachte die ehemalige Journalistin nicht zuletzt im Juni bei einer Veranstaltung der spanischen Partei Vox in Andalusien zum Ausdruck – und sorgte damit europaweit für Aufsehen. Immerhin ihre Mutter Anna Paratore steht Giorgia politisch nah: Sie war im neofaschistischen Movimento Sociale Italiano tätig. Ist also doch was dran, an dem Apfel und dem Stamm.

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