Trotz Überfüllung der Stadt: Rathaus Palma räumt Urlauber-Terrassen noch mehr Raum ein

An der Plaça Drassanes, Banc de s'Oli und Sa Llotja dürfen nun noch mehr Gäste im Freien sitzen. Viel Kritik an der Entscheidung

Außentische an der Plaça Banc de s'Oli in Palma.

Außentische an der Plaça Banc de s'Oli in Palma. / Guillem Bosch

Das Rathaus von Palma hat eine Reihe von Verordnungen verabschiedet, um die Bewirtung im Freien auf den Terrassen von Cafés und Restaurants neu zu regeln. An einigen öffentlichen Plätzen, die viel von Urlaubern frequentiert werden, können nun noch mehr Gäste draußen sitzen: So kommt auf der Plaça Drassanes in der Altstadt zu den bislang acht genehmigten Terrassen eine weitere hinzu. Auch erlaubt die Stadt weitere Tische und Stühle an der Plaça Banc de s'Oli hinter der Plaça Major.

Die Entscheidung steht nach Ansicht von Kritikern im Widerspruch zu vorherigen Ankündigungen des Bürgermeisters Jaime Martínez, der Überfüllung der Stadt durch Urlauber mit einer ganzen Reihe von neuen Auflagen zu begegnen. Wie auch die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens hatte der Politiker der konservativen Volkspartei erst kürzlich eine 180-Grad-Kehrtwende in Sachen Tourismuspolitik vollzogen. Dem Urlauberandrang sollen nun eigentlich Grenzen gesetzt werden

Platz vor der Seehandelsbörse wird mit Tischen zugestellt

Der dritte Platz, an dem die Terrassen mehr Raum hinzugewinnen, ist die Plaça de la Llotja, die ohnehin schon als Hotspot in Sachen Lärm und Konflikten mit den Anwohnern gilt. In diesem Fall wird es zwar keine neuen Terrassen geben, aber die sechs, die bereits in Betrieb sind, werden erweitert. Insgesamt erhöht sich die von ihnen eingenommene Fläche von 136 auf 189 Quadratmeter, wobei eine Terrasse von 31,45 auf 47,50 Quadratmeter vergrößert werden soll.

Mehr Platz für Terrassen auch an der Plaça de la Llotja.

Mehr Platz für Terrassen auch an der Plaça de la Llotja. / Guillem Bosch

Die am Donnerstagmorgen (13.6.) in Kraft getretenen Änderungen haben auch Auswirkungen auf die Terrassen der Straßen Nuredduna, Born und Rambla, der Plaça de Cort und der Avinguda Bartomeu Riutort (Can Pastilla). In diesen Fällen geht es jedoch nicht um eine Ausweitung, sondern um Änderungen bei der Aufstellung von Stühlen und Tischen. Bei der Fußgängerzone von Nuredduna etwa sollen die Terrassenreihen auf beiden Seiten um jeweils etwa zwei Meter in die Mitte rücken.

Kritik von Més und Nachbarschaftsvereinen

Der Vorstoß ist laut Quellen aus dem Stadtrat ein Versuch, die Beziehungen zu den Gastronomen zu verbessern, die von der Vorgängerregierung Einschränkungen auferlegt bekommen hatten. Prompt kam denn auch Kritik an den Zugeständnissen vonseiten der Opposition. Die Sprecherin von Més per Palma, Neus Truyol, erklärte: "Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die PP Palma verkauft. Auf dem Platz Banc de s'Oli zum Beispiel haben wir intensiv mit Gastronomen und Nachbarn gearbeitet, um die Anzahl der Terrassen zu begrenzen, und jetzt sehen wir dabei zu, wie die Regierung eine weitere erlaubt."

Auch die Reaktionen vonseiten der Anwohner ließen nicht lange auf sich warten. "Ich bin empört und fühle mich ohnmächtig, weil sie wollen, dass die Plätze nur für die Touristen da sind", so Maribel Alcázar, die Vorsitzende der Nachbarschaftsvereine von Palma. Sie fordern ein dringendes Treffen mit Bürgermeister Jaime Martínez und wollen ihn dazu bewegen, die Beschlüsse rückgängig zu machen. Die Entscheidung des Stadtrats sei gefällt worden, ohne die Hauptbetroffenen, also die Anwohner, zu konsultieren. Von den Dekreten hätten die Vereine erst über die Presse erfahren.

Anwohner wollen ihre Ruhe

Die Nachbarn weisen auf den Lärm hin, der von den Terrassen ausgeht, insbesondere nachts. "Wir fordern schon seit Jahren, dass der Ausbau dieser Flächen gestoppt wird. Wir Anwohner haben den Lärm satt, es reicht, wir wollen hier in Ruhe leben", sagte Lluïsa Coves, Vertreterin der Vereinigung Banc de s'Oli.

Die Restaurants würden sich im Übrigen nicht an die Schließzeiten oder die Anzahl der auf den Terrassen erlaubten Tische halten, kritisierte der Nachbarschaftsvertreter Andreu Juan: "Es fehlt an Kontrollen, sie machen, was sie wollen, und das beeinträchtigt die Ruhe der Anwohner." Man wundere sich, dass auf der einen Seite große Sorge über die Auswüchse des Massentourismus herrsche, und auf der anderen Seite nun solche Dekrete verabschiedet würden, die "einige wenige begünstigen."

Regierung distanziert sich

Die Balearen-Regierung distanziert sich derweil von der Genehmigung weiterer Terrassen. Regierungssprecher Antoni Costa versicherte, dass diese Entscheidung "nichts mit den Debatten über das Tourismusmodell der Inseln zu tun" habe. "Es besteht kein Zweifel, dass es sich um spezifische Genehmigungen handelt, die in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften erteilt werden, und wir müssen das als relativ normal ansehen", betonte Costa. /bro

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