"Habe mein Französisch und Deutsch aufgefrischt": Ex-Balearen-Premier Bauzá verabschiedet sich aus aktiver Politik
Der Politiker saß zuletzt für die liberalen Ciudadanos im EU-Parlament

José Ramón Bauzá. / privat
Der frühere balearische Ministerpräsident José Ramón Bauzá verabschiedet sich aus der aktiven Politik - wieder einmal. Zum Ende seines fünfjährigen Mandats als EU-Parlamentarier, das er für die im Untergang begriffene rechtsliberale Partei Ciudadanos wahrnahm, schickte er Abschiedsgrüße durch die sozialen Netzwerke: "Es war eine aufregende Zeit, ich habe unglaubliche Fachleute getroffen, ich hatte ein großartiges Team, ich habe viel gelernt, ich bin gereist und ich habe mein Französisch und Deutsch aufgefrischt.... Ich hatte die beste Zeit meines Lebens!"
Bauzá war bei den jetzigen Europawahlen nicht mehr angetreten. Damit geht eine recht turbulente politische Laufbahn zu Ende. Der Politiker aus der Gemeinde Marratxí auf Mallorca machte ursprünglich in der konservativen Volkspartei (PP) Karriere, zunächst als Kommunalpolitiker in seiner Gemeinde, wo er auch eine Apotheke besitzt. Er wurde Gemeinderat, dann 2005 Bürgermeister.
Karriere in Marratxí
Von dort gelang ihm der Sprung an die Spitze der Balearen-PP, die ihn für die Regionalwahlen 2011 zum Spitzenkandidaten aufstellte. Zwar holte Bauzá eine absolute Mehrheit für die PP, fuhr aber vier Jahre später das schlechte Ergebnis der Partei auf den Balearen überhaupt ein. Grund war die radikale Sparpolitik seiner Regierung nach der Wirtschaftskrise, vor allem aber der Konflikt in der Sprachpolitik. Sie war Auslöser für die bislang größte Demonstration auf den Inseln, auf der die Menschen gegen die Zurückdrängung des Katalanischen protestierten.
Nach der Wahlschlappe wechselte Bauzá als Senator in die zweite Kammer des spanischen Parlaments nach Madrid. Der Sprung nach Brüssel gelang ihm, nachdem er aus der Volkspartei ausgetreten und zu den Ciudadanos übergewechselt war, als diese gerade auf der Erfolgswelle schwammen.

José Ramón Bauzá war von 2011 bis 2015 Präsident der Autonomen Gemeinschaft der Balearen / BERNAL REVERT
Skandale als EU-Parlamentarier
Als EU-Parlamentarer machte er dann aber weniger durch seine Politik, als durch Skandale auf sich aufmerksam. Zum einen wurden Vorwürfe laut, wonach er einen Mitarbeiter in seinem Büro gemobbt haben soll. Zum anderen wurde dem Politiker vorgeworfen, dass er im Austausch für Reisen und andere Vergünstigungen Werbung für Katar gemacht habe. Bauzá war Vorsitzender der Freundschaftsgruppe der EU mit dem Emirat. Die Gruppe wurde nach Bekanntwerden der Anschuldigungen ausgesetzt.
In seinen politischen Abschiedsworten bezeichnet der Politiker seine Zeit als Europaabgeordneter als „die perfekte Krönung eines sehr intensiven Lebens im öffentlichen Dienst“, aus dem er „viele Freunde“ und gelegentlich auch „Feinde“ mitgenommen habe.
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