Ministerpräsidentin Prohens entlässt Wohnungsministerin Marta Vidal aus ihrem Amt
Die Menorquinerin stand seit Beginn des Regierungswechsels in der Kritik. Nachfolger wird José Luis Mateo

Marta Vidal im Balearen-Parlament. / Miquel A. Borràs/Efe
Ein Jahr ist vorbei, seit die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens (konservative Volkspartei PP) auf Mallorca und den Nachbarinseln das Ruder von der Linksregierung übernommen hat, und jetzt steht der erste gewichtige Wechsel in einem der zentralen Ministerien an.
Prohens wird am Donnerstag (18.7.) die Wohnungsministerin Marta Vidal aus ihrem Amt entlassen. Das berichten übereinstimmend zahlreiche Medien auf Mallorca. Nachfolger soll demnach der frühere Leiter der Hotelfachschule auf der Insel, José Luis Mateo, werden.
Von Beginn an umstritten
Zwar betont Marta Vidal, familiäre Gründe hätten den Ausschlag für ihre Ablösung an der Spitze des Ministeriums gegeben, doch die Menorquinerin war von Beginn an auch eine der umstrittensten Ministerinnen im Kabinett von Prohens. Unmittelbar nach ihrem Amtsantritt fuhr Vidal harte Angriffe gegen die abgewählte Linksregierung wegen eines Projekts für Sozialwohnungen in Palmas Viertel Nou Llevant.
Vidal warf ihren Vorgängern im Ministerium vor, in einer Hauruck-Aktion kurz vor dem Machtwechsel noch 88 Wohnungen in einem Neubau gekauft zu haben, deren Preis allerdings deutlich zu hoch gelegen habe. Es habe "substanzielle Unregelmäßigkeiten" gegeben, so Vidal bei einer Pressekonferenz. Sie übergab die Unterlagen der Staatsanwaltschaft.
Keine einzige Sozialwohnung übergeben
Diese ermittelte, konnte aber keine Unregelmäßigkeiten feststellen. Das Image von Marta Vidal war angekratzt, auch innerhalb der eigenen Regierung. Dort nahm man ihr offenbar den eiligen Aktionismus gegen die Linksregierung ein wenig übel, auch wenn Ministerpräsidentin Prohens sie nach außen deckte.
Zumal Vidal es im folgenden Jahr der konservativen Regierung nicht schaffte, auch nur eine Sozialwohnung auf den Inseln ihren künftigen Bewohnern zu übergeben. Und dabei ist die Wohnungsnot ohne Zweifel die größte Herausforderung ihres Ministeriums, wenn nicht der gesamten Inselpolitik. Darüber hinaus verantwortet das Ministerium auch die Mobilitätspolitik - angesichts der Überfüllung auf den Straßen von Mallorca ebenfalls ein wichtiges Thema.
Viel Zeit für die Familie
Auf wenig Verständnis innerhalb der Regierung stieß auch, dass Vidal sich immer wieder längere Zeit auf Menorca aufhielt und so den Schaltzentralen der Macht auf Mallorca fern war. Selbst bei offiziellen Veranstaltungen ließ sie sich mit dem Hinweis entschuldigen, sie sei familiär eingespannt.
Und nicht zuletzt stand Vidal in der Kritik, weil sie bis sechs Monate nach Amtsantritt als Verwalterin zweier Immobiliengesellschaften auftrat. Das ist mit dem Ethik-Codex des balearischen Parlaments unvereinbar. Dort ist eine exklusive Widmung für das politische Amt vorgesehen. Eine der Gesellschaften taucht auch in den sogenannten Paradise Papers auf, eine Liste von Unternehmen mit Sitz in Steueroasen.
Marga Prohens reagiert
Bei einer Pressekonferenz am Mittag nahm Vidal zu ihrem Rücktritt Stellung und erklärte, sie habe bereits vor Monaten Ministerpräsidentin Marga Prohens ihre Schwierigkeiten mitgeteilt, Privates und Berufliches unter einen Hut zu bekommen.
Und auch Prohens selbst erklärte, sie habe sich aus ihrer Perspektive als Mutter häufig mit Vidal ausgetauscht. "Man muss höchsten Respekt vor den persönlichen Umständen jedes einzelnen haben", sagte Prohens.
Vidal habe in nur einem Jahr einen "radikalen Wandel" bei der Wohnungspolitik hinbekommen und zahlreiche wichtige Weichenstellungen vorgenommen, so wie etwa das Zusammenspiel zwischen öffentlicher Hand und privaten Bauträgern wieder zu fördern. Marta Vidal habe "absoluten Sachverstand" für ihren Arbeitsbereich gehabt und hätte ihre Arbeit "perfekt weitermachen können".
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