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Wahlen in den USA: Für wen stimmen die US-Amerikaner auf Mallorca ab?

Die MZ hat mit drei Residenten auf der Insel gesprochen

Donald Trump wünscht sich eine zweite Amtszeit als Präsident.  | FOTO: ALEX BRANDON

Donald Trump wünscht sich eine zweite Amtszeit als Präsident. | FOTO: ALEX BRANDON

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Ralf Petzold

Ralf Petzold

46.261 US-Amerikaner leben laut dem spanischen Statistikinstitut INE in Spanien (Stand Januar 2023). „Wie viele es auf Mallorca sind, lässt sich nicht bestimmen. Viele US-Amerikaner haben eine doppelte Staatsbürgerschaft“, sagt eine Sprecherin des US-Konsulats in Palma. Auf der INE-Seite für die Balearen gibt es nicht mal die USA als Auswahlmöglichkeit. Die Mallorca-Auswanderer können per Briefwahl abstimmen. „Die ist in jedem Bundesstaat aber anders geregelt. Manche erlauben die Wahl per E-Mail oder Fax, das geht dann auch auf den letzten Drücker“, sagt die Konsulatssprecherin.

„Es steht außer Frage, dass ich wählen werde. Aber auf keinen Fall Mr. T.“, sagt Diana Miller, die weder mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung erscheinen noch den von Trump aussprechen mag. Seit 40 Jahren lebt die New Yorkerin in Europa. Erst in Deutschland, später auf Mallorca. Sie ist mehr als glücklich darüber, dass die Demokraten mit Kamala Harris eine vergleichbar junge Kandidatin und zudem eine Frau aufgestellt haben. „Es war ziemlich offensichtlich, dass es Joe Biden vom Alter her nicht mehr packt. Ich denke, die Partei fand eine gute Lösung, um die Ablösung respektvoll über die Bühne zu bringen. Ich bete dafür, dass Harris gewinnt.

Miller hofft, dass Harris für die einfachen Leute eintritt. Was man von „Mr. T.“ nicht erwarten könne. „Es gibt viele Idioten, die ihm folgen. Manche Leute finden es cool, dumm zu sein und nicht denken zu müssen.“ Trumps Trumpfkarte sei die Wirtschaft. „Die Leute denken, dass sie mit ihm als Präsidenten zu Reichtum kommen.“

Wenige Wähler entscheiden über den Ausgang der Wahl

Dani Rotstein sieht die Chancen beider Kandidaten ziemlich ausgeglichen. „Ich finde unser Wahlsystem enttäuschend. Es sind wenige Staaten – und wenige Wähler dort –, die die Wahl entscheiden“, sagt der jüdische Filmemacher. Die sogenannten Swing States sind die Staaten in den USA, in denen nicht traditionell eine der beiden Parteien gewählt wird. „Die Vorurteile gegen Republikaner oder Demokraten sind ein weiteres Problem.“

Dani Rotstein.

Dani Rotstein. / Nele Bendgens

Rotstein bekennt sich ebenfalls zu Harris. „Trump spaltet einfach zu sehr die Nation. Entweder man liebt oder man hasst ihn. Einige Experten meinen, dass seine Wahl für Israel besser wäre. Daran glaube ich nicht.“ Zudem seien die Risiken zu groß, die eine Wahl des Republikaners mit sich bringen würde. „Wer Trump wählt, entscheidet sich zudem gegen die Rechte der Frau. Abtreibung wird vermutlich landesweit für illegal erklärt.“

Dass der Wirtschaftsmagnat und Ex-Präsident nach seinen Fehltritten der vergangenen Jahre überhaupt eine Chance hat, liegt für den Mallorca-Auswanderer im Menschenbild vieler US-Amerikaner. „Ich weiß nicht, ob wir schon bereit für eine Frau als Präsidentin sind. Und dann auch noch eine Afroamerikanerin. Viele Leute sehnen sich nach dem starken, weißen Anführer.“ Zudem sei der politische Wille seiner Landsleute wie ein Pendel. „Nachdem es stark in eine Richtung ausgeschlagen hat, geht es straff in die andere Richtung.“

"Noch nie so gespalten wie jetzt"

Drew Aaron, Gründer der Vermögensverwaltung Lionsgate Capital und der Galerie Gallery Red, meint, dass die USA nach einer Veränderung verlangen. „Unser Land war in diesem Jahrhundert noch nie so gespalten wie jetzt. Wir brauchen jemanden, der das Land wieder vereinen kann.“ Wer das für ihn ist, will er nicht verraten. „Aber ich denke, man kann es zwischen den Zeilen lesen.“ In den Swing States würden die jungen und unentschlossenen Wähler eine entscheidende Rolle spielen. Kamala Harris liegt bei diesen wohl vorne. Sie wird von vielen Prominenten unterstützt, darunter Superstar Taylor Swift. „Die ‚Swifties‘, wie ihre Anhänger genannt werden, stellen Millionen von Wählern dar. Wir haben 2020 gesehen, dass schon eine knappe Anzahl an Stimmen die Wahl entscheiden kann“, sagt Drew Aaron, der seit fast sieben Jahren auf Mallorca lebt.

Trump kann sich auf Elon Musk und andere Wirtschaftsführer verlassen, aber Aaron merkt an, dass der Rückhalt der Demokraten gewachsen ist. „Junge Menschen wollen gehört werden. Sie fordern bezahlbaren Wohnraum und Bildungschancen. Sie sehnen sich nach Sicherheit und Stabilität. Das sind Dinge, die Trump wohl weniger bieten kann.“

Drew Aaron will mit seinen Galerien und Läden ein facettenreiches Künstlerviertel schaffen.

Drew Aaron will mit seinen Galerien und Läden ein facettenreiches Künstlerviertel schaffen. / Foto: Julio Feroz

Der Waffenbesitz ist ein großes Thema in den USA. „Viele Menschen möchten nicht darüber reden, aber Schulschießereien sind eine Realität“, sagt Aaron. Migration und der Umgang mit Drogensüchtigen sind ebenfalls kontroverse Aspekte. „In den vergangenen 30 Jahren gab es nie so viele Drogentote wie jetzt.“

Was spricht für Trump? „Er hat bessere diplomatische Beziehungen zu den komplexeren Ländern als Harris. Zum Beispiel zu Nordkorea, China oder Russland. Er verspricht, den Krieg in der Ukraine sofort zu beenden. Wobei das wohl nur schwer zu realisieren ist.“ Allerdings könnten Konflikte selbst in den USA entstehen. Trump verliert nicht gern. „Ich denke nicht, dass ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte“, sagt Aaron. Es werde sicherlich einige Unruhen geben, falls er nicht gewinnt, besonders in den Staaten mit vielen Trump-Anhängern. „Aber das sollte sich nach ein paar Monaten beruhigen, und die neue Regierung könnte ihre Arbeit aufnehmen“, so Aaron.

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