Nach Flut-Katastrophe: Balearen-Regierung macht in letzter Sekunde Rückzieher beim Baurecht in Hochwassergebieten
Eigentlich wollte die Regierung am Dienstag ein Gesetz verabschieden, das eine große Fläche in Überschwemmungsgebieten als bebaubar deklarieren sollte

Eine Karte der Hochwassergebiete in Palma und Umgebung. / Terraferida
Nach der Flutkatastrophe in Valencia macht die Balearen-Regierung einen Rückzieher beim Baurecht. Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" am Freitag (8.11.) berichtet, will das Govern ein Dekret wieder in Kraft treten lassen, das den Bau von Immobilien in Überschwemmungsgebieten verbietet. Bei der Parlamentssitzung am kommenden Dienstag war eigentlich die Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes zur Legalisierung von Schwarzbauten geplant.
Regierung wollte Dekret kippen
Dies sah eigentlich vor, ein 2020 verabschiedetes Dekret der linken Vorgängerregierung zum Verbot von Wohnhäusern in Hochwassergebieten zu kippen. Damit wäre eine nicht unbedeutende Fläche in Risikozonen zu Bauland erklärt worden. Wie umfangreich die Zone ist, machen frühere Daten der inzwischen aufgelösten Umweltschutzgruppe Terraferida deutlich: So würde dies auf 570 Parzellen zutreffen, die vor allem in Campos (287), Palma (98) und Sa Pobla (64) liegen.
Mallorcas größter Umweltschutzverbad GOB warnte, bei einem extremen Starkregen wie dem Ende Oktober in Valencia würde ein Drittel der Gemeinde Campos von den Wassermassen verschlungen werden – ausgerechnet die Heimatgemeinde der balearischen Ministerpräsidentin Marga Prohens.

Redaktion DM
Nun folgt nicht nur der Rückzieher, sondern sogar eine Ausweitung der Restriktionen. So will die Regierung auch noch den Bau von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Ärztezentren und Altersheimen in solchen Gegenden verbieten. Die Regierung erhofft sich durch die Maßnahme eine möglichst breite Zustimmung für ihr Schwarzbauten-Gesetz.
"Menschen sind sich der Risiken nicht bewusst"
Kurz nach dem verheerenden Unwetter in Valencia erklärte der Universitätsprofessor Joan Estrany, der sich auf die Risikoanalyse von Naturkatastrophen spezialisiert hat, dass eine systematische Erfassung der Überschwemmungsrisiken für weite Teile der Insel noch gar nicht vorliege.
Tatsächlich gebe es derzeit nur die Daten für Palma und Marratxí. "In den beiden Gemeinden leben rund 130.000 Menschen in Gebieten, in denen es bei ergiebigen Regenfällen zu Hochwasser kommen kann", so Estrany. Tatsächlich seien sich aber die wenigsten dieser Menschen der Risiken bewusst. /pss
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