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Was macht eigentlich die Protestbewegung gegen den Massentourismus in der Winterpause?

Die Initiative „Menys turisme, més vida“ hat sich nach den großen Demos im Sommer etwas eingeigelt. Nächste Saison soll es weitergehen. Kritik am Runden Tisch der Regierung

Zehntausende protestierten im Juli in Palma gegen die Folgen des Massentourismus.

Zehntausende protestierten im Juli in Palma gegen die Folgen des Massentourismus. / TOMÀS MOYÀ/EUROPA PRESS

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Wie beschäftigt sich eigentlich die Protestbewegung gegen den Massentourismus „Menys turisme, més vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben), wenn keine Massen von Urlaubern mehr auf der Insel sind? Die Plattform, die im Sommer auf Mallorca zwei Großdemonstrationen auf die Beine gestellt hat, die zweite mit mehreren Zehntausend Teilnehmern, tritt derzeit kaum in Erscheinung. Die zahlreichen Organisationen, die die Bürgerbewegung mit Leben gefüllt haben, planen im Herbst und Winter keine größeren Aktionen.

Marga Ramis von der Umweltschutzorganisation GOB, eine der Hauptverantwortlichen der Initiative, will von Winterschlaf dennoch nichts wissen. „Wir arbeiten gerade vielmehr hinter den Kulissen, etwa in Sachen Koordination mit den anderen Inseln und anderen Autonomen Gemeinschaften in Spanien, die dieselben Herausforderungen haben wie wir.“ Und da sei auch noch die aus ihrer Sicht sehr ernüchternde Erfahrung bei der Teilnahme an den von der Regierung einberufenen Arbeitsgruppen.

Neue Aktionen fürs Frühjahr in Planung

Es sei richtig, dass einige der Ortsgruppen, die sich im Sommer gegründet hatten und eigene Aktionen auf die Beine stellten, seit September nicht mehr zusammengekommen seien, andere wiederum seien aber weiterhin recht aktiv. „So etwa hat die Ortsgruppe Artà bereits mehrere Versammlungen abgehalten und beispielsweise eine Infografik für die Bevölkerung entworfen, mit deren Hilfe die Bewohner der Insel feststellen können, welche Häuser und Wohnungen in ihrer Umgebung illegal als Ferienimmobilien vermietet werden“, erzählt Marga Ramis.

Marga Ramis, eine der Organisatorinnen.

Marga Ramis, eine der Organisatorinnen der Protestbewegung. / DM

Konkrete Planungen für eine weitere Großkundgebung gebe es momentan nicht, allerdings sei zum Beginn der kommenden Saison mit einer „potenten Aktion“ zu rechnen. Wann das der Fall sein soll und was genau den Initiatoren vorschwebt, will Marga Ramis noch nicht konkretisieren. „Das hängt auch davon ab, was wir bei den Versammlungen beschließen.“ Mit der Mobilisierung der Mallorquiner und anderen Inselbewohner im vergangenen Sommer war Ramis äußerst zufrieden. „Wir wollen aber, dass zur nächsten Saison noch mehr Leute auf die Straße gehen.“

Wie kann der Wandel aussehen?

Dabei sei das kein Selbstzweck. Vielmehr gehe es der Bewegung vorrangig darum, auszuloten, inwiefern die massive Mobilisierung der Menschen auf Mallorca tatsächlich zu einem Wandel des Tourismusmodells führen kann. Die Runden Tische für mehr Nachhaltigkeit, die die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens unter dem Druck der Straße einberufen hat, sind aus Sicht von Ramis eine einzige Enttäuschung. „Beim GOB denken wir gerade darüber nach, uns aus den Arbeitsgruppen zu verabschieden.

Aus unserer Sicht dienen die Versammlungen lediglich dazu, politische Entscheidungen zu legitimieren.“ Ramis spielt dabei unter anderem auf das Gesetz zum Bürokratieabbau an, das nicht nur die nachträgliche Legalisierung von illegal errichteten Häusern auf dem Land ermöglicht, sondern auch den Fortbestand von Schwarzbauten in Überschwemmungsgebieten begünstigen dürfte.

Arbeitsgruppen eine "Zeitverschwendung"

Und die GOB-Vorsitzende ist bei Weitem nicht die Einzige, die ihren Frust über die Initiative der Balearen-Regierung zum Ausdruck bringt. Jaume Garau, einer der Köpfe des Zusammenschlusses Fòrum de la Societat Civil nimmt ebenfalls kein Blatt vor den Mund: „Diese Treffen führen zu gar nichts. Wir werden Ende November darüber abstimmen, ob wir uns aus den Arbeitsgruppen verabschieden“, sagt er der MZ.

Jaume Garau von der Bürgerinitiative Palma XXI bei der Vorstellung der Ergebnisse des Kongresses.

Jaume Garau von der Bürgerinitiative Palma XXI. / Palma XXI

Die wichtigste Forderung des Forums sei eine unabhängige Expertenkommission, die Ziele für die insgesamt zwölf einberufenen Arbeitsgruppen definiert und den Fortgang überwacht. „So wie das momentan läuft, ist das eine Zeitverschwendung. Es gibt keinerlei Transparenz. Jeder trägt seine Position vor, die aber auch in den Papieren nachlesbar ist. Zu einer Diskussion kommt es gar nicht erst. Und Experten gibt es keine.“

Eigenständig mit Tourismusbranche getroffen

Er habe nicht das Gefühl, dass die Landesregierung das Thema ernst nehme, mehrfach wurden Treffen abgesagt. „Wir hinken dem Zeitplan hinterher“, sagt Garau. Produktiver seien da die Treffen mit Vertretern der Tourismusbranche gewesen. „Wir haben bereits mit der Hoteliersvereinigung FEHM, mit den Riu-Hotels und auch der Tui gesprochen.“ Er habe das Gefühl, dass man in der Analyse gar nicht so weit auseinanderliege.

„Selbst die Hoteliers wollen das Modell ändern und Gästebetten reduzieren, etwa in in die Jahre gekommenen Hotels oder in der Ferienvermietung.“ Allein: Die Landesregierung scheine nicht dazu bereit, das Wirtschaftsmodell der Inseln tatsächlich zu ändern – trotz zahlreicher Beteuerungen der Ministerpräsidentin Marga Prohens in diese Richtung. Hinzu komme, dass auch Tourismusminister Jaume Bauzà persönliches Engagement vermissen lasse. „Die Landesregierung weiß gar nicht, welches Ziel sie am Ende verfolgt“, kritisiert Garau.

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