Halb arbeiten, doppelt kassieren: Heftige Vorwürfe gegen bekannte Politikerin auf Mallorca
Die Fraktionssprecherin der konservativen PP im Inselrat, Núria Riera, hat zwei Jobs. Ihre Beamtenstelle nimmt sie offenbar nicht so ernst

Hat derzeit nicht viel zu lachen: Núria Riera. / B. Ramon
Einen Vollzeitjob mit einer weiteren 75-prozentigen Arbeitsstelle zu kombinieren ist keine leichte Aufgabe. Woche für Woche knapp 80 Arbeitsstunden zu schultern, dürfte auch das emsigste Bienchen vor größere körperliche und organisatorische Herausforderungen stellen. Die mallorquinische Politikerin Núria Riera hat es trotzdem probiert. Neben ihrer Arbeit als Fraktionssprecherin der konservativen Volkspartei PP im Inselrat übt sie weiterhin ihren Beamtenjob bei der Generaldirektion für Öffentliche Verwaltung aus. Mit beiden Jobs kommt sie auf ein stattliches Gehalt: 130.000 Euro landen jährlich auf ihrem Konto - knapp doppelt soviel wie Ministerpräsidentin Marga Prohens für ihren Posten kassiert.
Doch nun kommt heraus: Zumindest ihren Beamtenjob geht Núria Riera eher lässig an. Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, hat die Politikerin in gleich mehreren Fällen parteipolitische Aufgaben während ihrer Arbeitszeit in der Behörde wahrgenommen – ohne aber diese Abwesenheiten wie vorgeschrieben anzumelden oder gar auszustempeln. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 konnten der Politikerin 14 Gelegenheiten nachgewiesen werden, bei denen sie andere Aufgaben während ihrer Arbeitszeit ausführte. Dabei handelte es sich unter anderem um Pressekonferenzen oder Teilnahmen an Radiotalkshows. Insgesamt sollen 25 Fälle belegt sein.
Pressekonferenz während der Krankschreibung
Doch nicht nur das: Bei einer Gelegenheit, am 25. Juni 2025, hielt sie eine Pressekonferenz ab, um Bilanz über das erste Jahr der Legislaturperiode zu ziehen. Bei ihrer Arbeit in der Verwaltung war sie an jenem Tag krankgeschrieben. Zudem soll sie – auch inklusive ihrer unerlaubten Abwesenheiten im Büro – ihr Arbeitssoll nicht erfüllt haben. Im Januar 2024 etwa arbeitete sie nur 81 der vorgeschriebenen 165 Stunden. Im Monat darauf leistete sie nur 116,5 der vorgesehenen 157,5 Stunden. Noch dramatischer wurde es zur Jahresmitte hin. Im Mai erschien sie lediglich für 59,5 von 165 Stunden im Büro. Im Juni waren es sogar nur 49 (von 150). Das generöse Beamtengehalt wurde derweil weiter ausgezahlt.
Das bringt die PP, die unter der Führung von Marga Prohens das korrupte Image der Vergangenheit abzustreifen versucht, in Bedrängnis. Nach Bekanntwerden der unerlaubten Abwesenheiten stellte sich die Partei noch hinter die Fraktionssprecherin. Präsidialamtsministerin Antònia Maria Estarellas, in deren Zuständigkeitsbereich die Generaldirektion für Öffentliche Verwaltung fällt, erklärte am Mittwoch (12.2.), es habe "keinerlei Unregelmäßigkeiten" gegeben.
Parteikollegen sind not amused
Doch zum Ende der Woche hin wendete sich das Blatt. Der Sprecher der Balearen-Regierung, Antoni Costa, kündigte am Freitag eine interne Untersuchung an. "Solche Nachrichten haben alles andere als einen positiven Effekt auf das Ansehen der öffentlichen Verwaltung", sagte er sichtlich zerknirscht. Die Balearen-Regierung muss sich die Frage gefallen lassen, warum das Verhalten Rieras monatelang nicht überprüft wurde. Dass erst nach Bekanntwerden der Meldung gehandelt wird, wirft kein gutes Licht auf die internen Kontrollmechanismen.
Und auch in der eigenen Partei rumort es. Unter der Voraussetzung, nicht namentlich genannt zu werden, machen einige Parteioberen im "Diario de Mallorca" ihren Ärger Luft. "Was sie da macht, ist unverschämt", erklärt ein hochrangiger Vertreter einer Gemeinde. Er erklärte aber auch, die ganze Aufregung sei von Heuchelei geprägt: "Seit Jahren wussten alle in der Partei was sie macht und wieviel sie verdient." Ein Kollege aus Palma bezeichnet das Verhalten der Parteifreundin derweil als "verdammte Schande".
Das sagt die Politikerin
Núria Riera selbst gab sich vergangene Woche eher schmallippig. Sie erklärte, seit über zehn Jahren ihre Beamtentätigkeit mit öffentlichen Aufgaben kombiniert zu haben. Niemals habe es Klagen über ihre Arbeit in der Behörde gegeben. Zudem könne sie ihre Arbeit für den Inselrat "rund um die Uhr und auch am Wochenende" ausführen. Deshalb gebe es keinerlei Zeitkonflikte. Am Montagmorgen (17.2.) erklärte sie bei der Plattform X, sie stehe für eine Überprüfung ihrer Arbeit zur Verfügung.
Die Opposition forderte Ministerpräsidentin Marga Prohens auf, entschieden und unverzüglich zu handeln. "Was schulden Sie Núria Riera, das 130.000 Euro jährlich wert ist?", fragte der Partei-Chef der linken Partei Més per Mallorca, Lluís Apesteguia, in einer Stellungnahme. Apesteguia drückte den Verdacht aus, dass die Regierung seit längerem über das Verhalten Rieras im Bilde war.
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