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Nichts geht mehr: Deutsches Konsulat schließt Urne für die Bundestagswahl

Bei vielen Mallorca-Deutschen kamen die Unterlagen entweder erst kurz vor knapp oder noch gar nicht an

Markus Schmitz (hier mit Hund Carlos) konnte kurz vor 12 Uhr noch seine Stimme abgeben.

Markus Schmitz (hier mit Hund Carlos) konnte kurz vor 12 Uhr noch seine Stimme abgeben. / Nele Bendgens

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Es war ein Wettlauf gegen die Zeit für viele wahlwillige deutsche Mallorca-Residenten und -Langzeiturlauber: Am Dienstag (18.2.) um 12 Uhr hat der deutsche Konsul Wolfgang Engstler die Wahlurne für geschlossen erklärt: In den Tagen zuvor hatten die Wählerinnen und Wähler ihre Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl am Sonntag (23.2.) hier einwerfen können. Der Inhalt wird nun einem Kurierdienst übergeben, der die Briefe nach Deutschland schafft. Für so manchen kam die Deadline allerdings zu früh: Sie hatten ihre Unterlagen noch nicht einmal erhalten.

Im Konsulat berichteten drei Frauen, dass ihre Stimmzettel aus Deutschland erst am Montag (17.2.) bei ihnen in der Post waren. Dementsprechend schnell mussten sie ihre Stimme abgeben und wieder ins Konsulat fahren, um den Brief abzugeben. Bei anderen kam der Brief erst am Dienstagmittag an, sodass der Abgabeschluss im Konsulat nicht mehr in Frage kam. Familienangehörige oder Freunde, die zu Besuch auf Mallorca sind und rechtzeitig wieder zurückfahren, wurden daher ebenfalls als Kurier eingesetzt.

Und schließlich bleibt noch, so man die Wahlunterlagen erhalten hat, der reguläre Postweg. Die Wahlumschläge müssen vor 18 Uhr am Sonntag in der zuställigen Stelle in Deutschland ankommen. Das ist sportlich, aber durchaus möglich - der Postweg zwischen Mallorca und Deutschland kann mitunter nur drei Tage betragen.

Über die ganze Insel gefahren

Die Fristen waren diesmal so knapp, weil die Bundestagswahlen vorgezogen worden waren. Die endgültigen Wahllisten waren erst Ende Januar fertig und wurden in den meisten Gemeinden erst ab dem 4. Februar verschickt. So war kaum damit zu rechnen, dass sie vor dem 11. Februar auf der Insel eintreffen würden. In manchen Gemeinden verzögerte sich allerdings der Versand oder die Post wurde unzuverlässig zugestellt, denn teilweise kamen bei Familien, in denen beide Partner im selben Wahlamt ihre Unterlagen bestellt hatten, ein Brief an und der andere nicht.

Eigens aus Can Picafort war der deutsche Unternehmer Markus Schmitz zum Konsulat gefahren, um von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Ich finde, man darf sich hinterher nur beschweren, wenn man auch mit abgestimmt hat", sagt er der MZ. Er habe den vermeintlich sichereren Weg über das Konsulat gewählt, weil er der Post nicht zutraue, dass die Unterlagen rechtzeitig in seinem Wahlamt eintreffen, erklärt der Teilzeit-Resident, der sich seine Stimmzettel direkt ins Konsulat schicken ließ. Auch bei ihm war es ein Fotofinish: Erst am Dienstagvormittag kamen die Unterlagen an, woraufhin Schmitz telefonisch verständigt wurde. So konnte er noch rechtzeitig kurz vor 12 Uhr aus dem Norden herfahren und abstimmen.

Gewählt habe er rein nach Sympathie der Personen. "Meine Erststimme hat ein Student bekommen. Der hat tendenziell noch am wenigsten Geld. Notare oder Steuerberater haben es nicht nötig, im Bundestag zu sitzen und noch mehr zu kassieren", sagt Schmitz.

Der deutsche Konsul Wolfgang Engstler zieht nach der Stimmabgabe eine erste positive Bilanz. Der MZ teilt er in einer kurzen Nachricht mit, dass rund 500 Wahlberechtigte ihren Stimmzettel im Konsulat abgegeben haben.

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