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Grundstück für überteuerten Preis gekauft: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bürgermeister auf Mallorca

Der Ortsvorsteher der Gemeinde Selva soll einen dubiosen Deal mit einem Parteifreund eingegangen sein

Im Fokus der Ermittlungen: Selvas Bürgermeister Joan Rotger.

Im Fokus der Ermittlungen: Selvas Bürgermeister Joan Rotger. / DM

Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca ermittelt gegen den konservativen Bürgermeister der Gemeinde Selva, Joan Rotger, und seinen Parteifreund Antoni Ferragut, der derzeit im Inselrat im Finanzdezernat angestellt ist. Der Vorwurf: Klüngel beim Kauf eines Grundstücks in Selvas Nachbargemeinde Caimari.

Darum geht es in dem Fall

Das zweifelhafte Geschäft ereignete sich im Jahr 2020. Die Gemeinde Selva stand vor der Herausforderung, den ethnologischen Park verlegen zu müssen. Dabei handelt es sich um eine Art völkerkundlichen Themenpark, auf dem man unter anderem historische Bauten am Fuße der Tramuntana erkunden kann. Auf dem bisherigen Grundstück sollte eine neue Schule entstehen.

Die Gemeinde machte eine Ausschreibung für den Kauf eines Grundstücks, das sich bestenfalls in der Nähe des bisherigen Standorts befinde. Als Kaufpreis wurden maximal 9,79 Euro pro Quadratmeter ausgeschrieben. Der ausgelobte Preis entsprach einem Gutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte. Die Ausschreibung fand keine Bewerber. In der von der Opposition im Gemeinderat eingereichten Klage gegen die Transaktion heißt es, die Verwaltung habe den Preis absichtlich niedrig angesetzt. Dies habe mögliche Verkäufer abgeschreckt.

Da die erste Ausschreibung gescheitert war, leitete die Gemeinde ein zweites Kaufverfahren ein. Diesmal für einen Direktkauf. Schnell fand sich ein Grundstück. Es handelte sich um ein 7.258 Quadratmeter großes Gelände, das an den bisherigen ethnologischen Park angrenzt. Es war im Besitz von Antoni Ferragut, zu dem Zeitpunkt Sekretär im Rathaus Selva und persönlicher Freund von Bürgermeister Joan Rotger. Dieser zeigte sich bereit, das Grundstück zu veräußern – für 279.085 Euro, also zu einem Quadratmeterpreis von 38,45 Euro.

Nicht das erste Mal

Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Rotger versucht habe, das Grundstück zu kaufen, heißt es in der Klage. Bereits 2016 habe es einen Versuch gegeben. Dass der Deal damals nicht zustande kam, lag daran, dass der Bürgermeister zwischenzeitlich mittels eines Misstrauensvotums des Amtes enthoben wurde. Die Opposition wirft dem konservativen Politiker vor, sich bei der Suche nach einer Alternative für den ethnologischen Park allein auf das Grundstück Ferraguts konzentriert zu haben und dabei andere Angebote ignoriert zu haben.

Übrigens: Heute, fünf Jahre nach dem Kauf, befindet sich der Völkerkunde-Park immer noch dort, wo er vorher war. /pss

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