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Wohnmobilbewohner können aufatmen: Doch kein Camper-Verbot in Palma

Nach monatelangen Protesten wurden die Betroffenen von der Politik erhört

Ein Heim auf knappen Quadratmetern:

Ein Heim auf knappen Quadratmetern: / Bernardo Arzayus

Der Druck der Betroffenen, die seit Monaten auf Mallorca protestierten und die von der Stadt Palma vorgeschlagenen Regelungen kritisieren, hat etwas gebracht: Palmas Bürgermeister Jaime Martínez hat seine neuen Benimmregeln bearbeitet. Das angekündigte Verbot, im Wohnwagen schlafen zu können, wurde gestrichen.

Ein Stein vom Herzen gefallen

Die Unsicherheit unter den Menschen, die in solchen Fahrzeugen leben, war enorm: Die Zukunft von Familien mit Kindern, von Menschen ohne Einkommen und sogar von Kranken, die in Wohnwagen leben, stand auf dem Spiel. Zwar hatten die Asociación de Caravaning Oasis (ACO) und die Plataforma Autocaravanas Autónoma (PACA) Mitte März eine geplante Protestaktion gegen die Benimmregeln abgesagt, da die Stadt angeblich die umstrittensten Punkte zurückziehen würde – doch eine offizielle Stellungnahme des Rathauses blieb damals aus. Beide Organisationen hatten zu diesem Zeitpunkt per Videokonferenz mit hochrangigen Vertretern der Stadt gesprochen.

Endgültige Bestätigung

Erst am Mittwoch (9.4.) jedoch wurde endgültig bestätigt, dass die Regelungen in Bezug auf die Wohnmobile gestrichen werden. Künftig dürfen Menschen weiterhin in einem Wohnmobil leben – solange das Gefährt nicht länger als zehn Tage am selben Ort bleibt, keine Möbel auf die Straße gestellt werden und kein Lärm verursacht wird.

Am rande von Palma gibt es Wohnmobilsiedlungen wo dutzende Farhzeuge stehen

Am Rande von Palma gibt es Wohnmobilsiedlungen wo dutzende Farhzeuge stehen / Bernardo Arzayus

"Wir tun es, weil wir keine andere Wahl haben“

Jean Paul Gallo, ein junger Kolumbianer, der seit zwei Jahren in Palma lebt, hat in einem Wohnmobil im Stadtteil Son Güells einen Zufluchtsort gefunden – ein Zuhause, das ihm der Immobilienmarkt verwehrt. Zusammen mit seiner Partnerin bewohnt er einen Raum von kaum fünf Quadratmetern – nicht aus freien Stücken, sondern aus Notwendigkeit. Vor einiger Zeit wurde Gallo Opfer eines Betrugs: Eine Frau versprach ihm gegen 500 Euro die Vermietung eines Zimmers, das er nie beziehen konnte. Dieses Erlebnis zwang ihn dazu, nach Alternativen zu suchen angesichts der horrenden Preise auf der Insel.

Jean Paul Gallo vor seiner Heimat auf vier Rädern

Jean Paul Gallo vor seiner Heimat auf vier Rädern / Bernardo Arzayus

„Es ist wirklich beruhigend – vorher war es so, dass man auf die Schwächsten noch zusätzlich eingetreten hat“, erklärt Gallo. Die Mietpreise in Palma liegen zwischen 1.200 und 1.500 Euro für eine Wohnung und zwischen 400 und 800 Euro für ein einfaches Zimmer – unerschwinglich für Menschen, die wie er vom Mindestlohn leben. „Ich arbeite jeden Tag. Wir leben nicht in einem Wohnmobil, weil wir das wollen oder weil es ein Luxus ist. Wir tun es, weil wir keine andere Wahl haben“, sagt er. Das Zusammenleben mit Fremden sei für ihn keine Option: „Man weiß nie, mit wem man zusammenlebt – und das ist kompliziert.“

„Ich könnte in einer Wohnung leben“

Im Stadtteil Ciudad Jardín lebt Irene Olasagasti mit ihrem Hund in einem Wohnmobil – in ihrem Fall ist es jedoch eine bewusste Entscheidung und keine Notlage. „Ich könnte in einer Wohnung leben“, sagt sie selbstbewusst. Die Entscheidung des Rathauses begrüßt sie: „Ich finde es vernünftig, dass es nicht verabschiedet wurde.“

Irene Olasagasti lebt freiwillig im Wohnmobil

Irene Olasagasti lebt freiwillig im Wohnmobil / Bernardo Arzayus

Für Olasagasti lässt sich das Problem nicht mit Regelungen lösen, die rechtlich nicht haltbar sind. „Es ergab keinen Sinn, sie sprachen von Verkehrsregeln, die sie gar nicht ändern konnten“, erklärt sie. Trotzdem ist sie nicht völlig zufrieden: „Man sollte sich um die kümmern, die sich nicht an die Regeln halten – denn die schaden denen, die es richtig machen.“

„Wir sehen, dass unsere Arbeit etwas bewirkt hat“

Javier Fuster, Präsident der Asociación de Caravaning Oasis (ACO) und in diesem Fall auch Sprecher der Plataforma Autocaravanas Autónoma (PACA), zeigt sich nach der Entscheidung des Rathauses sehr zufrieden. „Wir sehen, dass unsere Arbeit etwas bewirkt hat“, sagt er stolz – als Vertreter all jener, die in beiden Organisationen für die Rechte der Wohnmobilbewohner gekämpft haben.

Fusters Erleichterung gilt vor allem den besonders verletzlichen Personen, für die das Wohnmobil zur Rettungsinsel in einem unzugänglichen Immobilienmarkt geworden ist. „Jetzt kümmert sich das Rathaus um die Menschen in Wohnmobilen, die sich in einer schwierigen Lage befinden“, freut er sich. „Es ist nicht sinnvoll, jemanden zu bestrafen, der sich keine Wohnung leisten kann – das ist nicht die richtige Art, zu helfen“, erklärt er.

Gleichzeitig begrüßt Fuster aber auch, dass gegen den Missbrauch von Wohnmobilen vorgegangen wird – etwa gegen abgestellte Anhänger, die monatelang im öffentlichen Raum stehen oder illegal zu Ferienunterkünften umfunktioniert werden, besonders in Küstenregionen. „Es ist richtig, dass solche Praktiken sanktioniert und untersagt werden“, sagt er mit Blick auf leichte Anhänger, die ohne Zulassung oder Versicherung abgestellt sind und die Zehn-Tage-Regelung nicht einhalten. /slr

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