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Unbequemer Mahner gegen das Tourismusmodell auf Mallorca und die Wohnungsnot: Aktivist Manel Domènech stirbt mit 72 Jahren

Der ausgebildete Lehrer engagierte sich unter anderem in der Kommunistischen Partei und der Lehrerversammlung

Manel Domènech mit seinem Markenzeichen, dem weißen Vollbart.

Manel Domènech mit seinem Markenzeichen, dem weißen Vollbart. / B. Ramon

Einer der engagiertesten Aktivisten gegen das Modell des Massentourismus, gegen Wohnungsnot, aber auch gegen den Faschismus auf Mallorca, ist tot. Manel Domènech, der stets einen langen weißen Vollbart und oft einen Hut trug, ist in der Nacht auf den 1. Mai im Alter von 72 Jahren in Palma gestorben. Mit seinem Tod verliert Mallorca auch eine der letzten unabhängigen Stimmen des politischen Widerstands. Denn Domènech war vieles: Lehrer, Kämpfer, Dissident – vor allem aber jemand, der nie bereit war, seine Überzeugungen gegen Bequemlichkeit oder politische Karrieren einzutauschen.

Geboren 1953 in Palma, verbrachte er über 40 Jahre als Lehrer im öffentlichen Schuldienst. Parallel dazu engagierte er sich früh politisch – zunächst als Spitzenkandidat der Kommunistischen Partei Spaniens bei den Kommunalwahlen 1983, später in der PCPE (Partido Comunista de los Pueblos de España). Ende der 1980er-Jahre kehrte Domènech der Parteipolitik den Rücken, ohne aber seine Ideale aufzugeben. In den Folgejahren blieb er anderweitig engagiert: sei es in der Lehrervereinigung Assemblea de Docents oder als Mitstreiter gegen Massentourismus, Wohnraumnot und die Entfremdung der Insel von ihren ursprünglichen Bewohnern.

Auch der Plattform "Ciutat per a qui l'habita" gegen die Ferienvermietung gehörte Domènech an.

Auch der Plattform "Ciutat per a qui l'habita" gegen die Ferienvermietung gehörte Domènech an. / DM

Keine Kompromisse mit einer "Pseudo-Linken"

Bei den Kommunalwahlen 2019 kandidierte er für „Crida per Palma“, eine linksalternative Bewegung mit radikalem Programm. Dazu zählte unter anderem: ein vollständiges Verbot von Ferienwohnungen, keine neuen Hotels, und das klare Bekenntnis zum wirtschaftlichen Rückbau – dem „Decreixement“. Dass er damit aneckte, war Teil des Plans. Manel Domènech stand nie für Kompromisse mit einer „Pseudo-Linken“, wie er es formulierte. Er glaubte an echten Wandel, nicht an kosmetische Korrekturen.

Sein scharfer Blick auf die Insel und ihre Abhängigkeit vom Massentourismus war seiner Zeit voraus. Schon Jahre vor der Corona-Pandemie warnte er vor den Gefahren einer wirtschaftlichen Monokultur: „Wie lange haben wir Vorräte, wenn ein paar Terroristen Mallorca lahmlegen?“ fragte er 2017 – und forderte, was heute viele wieder gerne sähen: Autonomie, Vielfalt und Schutz des Eigenen.

Protest nicht als Event, sondern als moralisches Gebot

Dabei war Domènech nie nur der Mahner. Er war auch ein Mensch mit trockenem Humor, der sein eigenes Äußeres mit einem Achselzucken kommentierte: „Ich bin halt ein bisschen nachlässig.“ Und doch war er stets da, in der ersten Reihe – oft allein, wenn es sonst niemand mehr wagte, die Stimme zu erheben. Für ihn war Protest kein Event, sondern ein moralisches Gebot.

Der Tod von Manel Domènech markiert mehr als das Ende eines Lebens. Er steht für das Verstummen einer Haltung, die unbequem, aber notwendig war. Für viele galt er als der „letzte Mallorquiner“ – nicht im ethnischen, sondern im kulturellen Sinne: als jemand, der seine Insel nicht an Hotelketten, leere Symbole oder politische Beliebigkeit verkaufen wollte. Mit seinem Weggang stellt sich eine drängende Frage: Wo sind die jungen Mallorquiner, die den Mut haben, unbequem zu bleiben? /jk

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