Nach der Entführung von Maduro: Was Venezolaner auf Mallorca jetzt denken
Auch auf Mallorca hält die Festnahme des Diktators die Venezolaner in Atem – viele hatte die Lage in ihrem Land nach Europa emigrieren lassen

Bei einer Kundgebung am Sonntag (4.1.) feierten Venezolaner und Vertreter der Volkspartei PP in Palma gemeinsam die Festnahme Maduros. / FOTO: PP
In diesen Tagen schaut die Welt nach Venezuela. Trumps Militäraktion und die Festnahme von Präsident Nicolás Maduro rufen international Freude und Bestürzung, Sorge und Hoffnung hervor. Auch auf Mallorca, wo sich in den vergangenen Jahren viele Venezolaner angesiedelt haben, sind die Gefühle gemischt.
Einer von ihnen ist José Joel García Guerrero. Eigentlich will er in seiner Heimat leben. Dass er Venezuela 2020 verlassen und sich stattdessen auf Mallorca ein neues Leben aufgebaut hat, sei allein den Umständen geschuldet, berichtet er: politische Unterdrückung, wirtschaftliche Abgründe. „Ich habe dort bis zum letzten Moment gekämpft, um über die Runden zu kommen, aber es war einfach nicht mehr tragbar“, so der 45-Jährige, der in seiner Heimat einen Spirituosen- und Lebensmittelvertrieb hatte. „Erst, als mir fast nichts mehr blieb und das Geschäft bankrott ging, entschied ich mich, nach Spanien zu kommen.“
Sorgt für seine Familie von Malloca aus
Ein Schritt, den er nicht bereut. „Ich schicke meiner Familie in Venezuela regelmäßig Geld. Meine Mutter braucht allein 250 Euro im Monat für Medikamente. Der Mindestlohn dort liegt aber bei drei Euro – und das, obwohl die Lebensmittelkosten dort ebenso hoch sind wie hier auf Mallorca“, berichtet García, der sich auf Mallorca zunächst mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt und jetzt in einem Restaurant arbeitet. Die erste Freude über die News aus Caracas sei schnell abgeebbt. „Dass Maduro weg ist, ist ein erster Schritt. Aber er bedeutet nicht automatisch, dass sich etwas ändern wird – vor allem dann nicht, wenn die gleiche Regierung an der Macht bleibt.“ Mittelfristig werde er daher auf jeden Fall nicht zurückkehren. „Meine Mutter zählt auf mich, sie braucht meine finanzielle Unterstützung.“
Abwarten und beobachten, das will auch Estefanía. Der 36-jährigen Venezolanerin ging es ähnlich wie García, als sie am Samstagmorgen (3.1.) von Maduros Festnahme hörte. Erst Fassungslosigkeit, dann große Freude, dann die Ungewissheit darüber, wie es weitergeht. „Ich bin jetzt in einem ständigen Alarmzustand“, sagt die Zahnärztin, die seit vier Jahren auf Mallorca lebt. Hier hat sie sich ein neues Leben aufgebaut. Zurück in die Heimat will sie nicht, zumindest vorerst nicht. Zu unklar sei die Lage. „Ich hoffe, dass eine Phase der Verhandlungen eröffnet wird und es am Ende zu einem demokratischen Übergang kommt“, wünscht sich die Venezolanerin.
Freudentränen in den Augen
Auch bei Hans Bacher, einem 85-jährigen Deutsch-Venezolaner, läuft derzeit den ganzen Tag über der Fernseher. Er habe Freudentränen in den Augen gehabt, als er von Maduros Festnahme erfuhr, sagt er. Bacher kam als Kind von Deutschland nach Südamerika und wuchs in Caracas auf. 1990 verließen er und seine Frau Gisela das Land an Bord eines Segelboots. Das Paar reiste mehrere Jahre über die Weltmeere und kam 1993 zum ersten Mal nach Mallorca. 15 Jahre später ließen sie sich endgültig auf der Insel nieder. Damals habe es in ihrer neuen Heimat kaum Venezolaner gegeben, „heute findet man sie ja an jeder Ecke“, sagt der 85-Jährige.
Auch er glaubt nicht, dass es sofort eine grundlegende Veränderung in Venezuela geben wird. „Politische und gesellschaftliche Umbrüche vollziehen sich nie von einem Tag auf den anderen.“ Er kann gut verstehen, dass einige Venezolaner nun darüber nachdenken, in ihre Heimat zurückzukehren. „In der Praxis wird das aber kaum passieren, da sich viele hier ein Leben aufgebaut haben“, glaubt der 85-Jährige. Auch die Bachers sind tief in der mallorquinischen Kultur verwurzelt. Sie hätten sich damit abgefunden, auf der Insel zu bleiben – und zwar für immer. „Ich habe hier schon meinen Grabstein reserviert.“
Freunde und Sorge zugleich
Anspannung, Freude und Ungewissheit – sie sind auch auf der Demo zu spüren, die die venezolanische Community am Sonntag (4.1.) spontan in Palma auf die Beine gestellt hat. Einhellig brachten die Teilnehmer auf dem Borne ihre Freude über Maduros Festnahme zum Ausdruck – forderten aber gleichzeitig auch einen friedlichen Weg hin zur Demokratie unter der Führung des Oppositionspolitikers Edmundo González, der bei den letzten Wahlen die meisten Stimmen erhalten hatte und von Trump nun übergangen wird.
Mitten unter den Demonstranten: eine Abordnung der balearischen konservativen Regierungspartei PP. „Wir haben uns angeschlossen, weil wir den Wunsch der Venezolaner darüber teilen, dass die Festnahme Maduros das Ende der Diktatkur in Venezuela bedeutet“, so PP-Sprecher Sebastià Sagreras.
Er fährt damit dieselbe Linie wie seine Parteigenossin, die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens. Bereits am Samstag (3.1.) hatte sie sich positiv zu dem US-Militäreinsatz in Venezuela geäußert. Sie hoffe, dass die Aktion „das Ende der kriminellen Diktatur“ bedeute, die den Venezolanerinnen und Venezolanern „ihre Rechte und Freiheiten“ genommen hat, so Prohens über ihren X-Account.
Ganz anders bewerten die Verantwortlichen der linksgrünen Regionalpartei Més per Mallorca Trumps Militärschlag. Sie verurteilten die „illegale militärische Aggression der Vereinigten Staaten gegen Venezuela“ am Samstag und forderten die „uneingeschränkte Einhaltung des Völkerrechts“, insbesondere des Rechts auf die Souveränität der Staaten.
"Lage verbessert und nicht verschlechtert"
Derweil tut sich Mallorcas Tourismussektor schwer damit, die Lage einzuschätzen. „Unmittelbare Auswirkungen gibt es nicht. Wir werden sehen, was in Zukunft passiert. Es deutet eher darauf hin, dass sich die Lage verbessert und nicht verschlechtert“, heißt es seitens der Hotelkette Melià – der einzigen mallorquinischen Hotelkette, die in Venezuela Hotels betreibt. Auch der Verband der Hotelketten der Balearen hielt sich zunächst mit Beurteilungen zurück. Nur so viel: Es zeichne sich nicht ab, dass die Vorfälle Auswirkungen auf die Region haben werden.
Dabei sind die mallorquinischen Investitionen in der Karibik erheblich. Die Krise könnte leicht auf Kuba – „wo der Tourismus ohnehin am Boden liegt“, so heißt es –, vielleicht sogar auf Kolumbien übergreifen. „Falls es zu einem zweiten Angriff durch Trump käme, würden alle Alarmglocken schrillen“, glaubt der Vorsitzende des Unternehmerverbands der Reisebüros der Balearen (Aviba), Pedro Fiol. Gestärkt aus der Krise hervorgehen könnte freilich die Dominikanische Republik, sagen Hoteliers — ein Land, in dem zahlreiche mallorquinische Ketten präsent sind.
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