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"Viele Fincas kämpfen ums Überleben": Warum der Inselrat an einem neuen Gesetz für die Serra de Tramuntana sitzt

Das Gesetz will mehr Nutzungen in Herrenhäusern erlauben und sieht Zugangsbeschränkungen für den Tourismus oder bei Sportveranstaltungen vor

Die Serra de Tramuntana soll ein neues Gesetz zur Bewirtschaftung bekommen.

Die Serra de Tramuntana soll ein neues Gesetz zur Bewirtschaftung bekommen. / Mallorca Balloons

Noch ist das neue Gesetz für den Schutz und die Bewirtschaftung des Tramuntana-Gebirges auf Mallorca im Entstehen. Einige Aspekte der Ley de la Serra de Tramuntana sind allerdings in den zurückliegenden Tagen bereits aus dem Gesetzentwurf an die Öffentlichkeit gelangt. Das "Diario de Mallorca" hat mit dem Präsidialamtsdezernenten des Inselrats, Antoni Fuster, über die aktuellen Überlegungen gesprochen. Wir veröffentlichen das gekürzte Gespräch.

Wie würde ich einem Bewohner eines Dorfes in der Serra oder jemandem, der dort arbeitet oder am Wochenende seinen Gemüsegarten bestellt, erklären, warum dieses neue Gesetz wichtig ist?

Es richtet sich genau an diese Menschen. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn die Serra heute als Kulturlandschaft gilt, dann dank der Arbeit von Generationen, die sie gemeinsam mit der Natur gepflegt und geformt haben. Wenn sie Kulturlandschaft bleiben soll, müssen diejenigen, die dort leben und arbeiten, weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Das Gesetz erkennt diese Realität an und gibt ihnen Gewicht.

Welche Orte waren ursprünglich nicht Teil des von der Unesco anerkannten Gebiets und werden nun einbezogen?

Bei der Anerkennung als Welterbe wurden einige historisch mit der Serra verbundene Gebiete nicht berücksichtigt. Es geht um Landgüter und Siedlungen in Gemeinden wie Andratx, Pollença, Selva, Campanet, Sóller, Bunyola oder Mancor de la Vall. Wir erweitern den Geltungsbereich und stellen mehr Territorium unter Schutz. Diese Zonen können künftig zudem Fördermittel für den Erhalt der Kulturlandschaft beantragen.

Antoni Fuster.

Antoni Fuster. / Guillem Bosch

Sie sagten, der Schutz dürfe die Serra nicht in ein unantastbares Museum verwandeln. Viele Eigentümer klagen über zu strenge Auflagen.

Nicht nur Eigentümer, auch Genossenschaften und andere Akteure, die dort leben und arbeiten. Alle sind sich einig: Die Serra braucht aktive Bewirtschaftung. Wenn wir sie nicht gestalten, verlieren wir genau das, was die Unesco 2011 anerkannt hat. Wäre sie über Jahrhunderte ein unberührbares Museum gewesen, gäbe es weder die Terrassenfelder noch die historischen Landgüter. Es ist eine Kulturlandschaft, weil Natur und Mensch hier interagieren. Und diese Wechselwirkung soll fortbestehen.

Historische Landgüter, die possessions, dürfen neue Nutzungen aufnehmen – etwa Kongresse oder Konzerte –, solange nicht dafür angebaut werden muss. Ist das nötig, um Verfall zu verhindern?

Ja. Die Landwirtschaft ist heute weniger rentabel als früher, viele Fincas kämpfen ums Überleben. Wir müssen Anreize schaffen, damit sie wirtschaftlich tragfähig bleiben – unter klaren Bedingungen und ohne zusätzliche Bebauung. Ohne Perspektive droht Aufgabe und Verfall. Das Gesetz schafft dafür einen rechtlichen Rahmen, der im Anhörungsverfahren noch verbessert werden kann.

Das Gesetz will den Massentourismus in ein nachhaltiges Modell überführen und sieht Zugangsbeschränkungen bei Überlastung vor. Wo konkret?

Der Ansatz ist umfassend für die gesamte Serra. Wir folgen den Empfehlungen der Unesco: Der Tourismus soll sich stärker in die Landschaft einfügen. Einschränkungen sind punktuell möglich, wenn ein denkmalgeschütztes Element gefährdet ist. Der Verwaltungsrat erhält Mitspracherecht bei der touristischen Planung, um den Erhalt dessen zu sichern, was 2011 anerkannt wurde.

Auch Zugänge für Jagdaktivitäten können eingeschränkt werden. Was bedeutet das?

Das Gesetz stärkt den Verwaltungsrat der Serra als zentrale Verwaltungsinstanz. Die Jagd ist eine traditionelle Praxis und bleibt erlaubt, viele Reviere sind privat. Ziel ist es, traditionelle Formen zu fördern und mit anderen Nutzungen zu vereinbaren. Manchmal bedeutet das, bestimmte Aktivitäten zeitlich zu begrenzen – ebenso wie Sportveranstaltungen, deren Zahl künftig reguliert werden kann.

Eigentümer dürfen Wege auf ihrem Grundstück verlegen, ohne die Nutzung einzuschränken. Was heißt das konkret?

Es geht darum, das Eigentumsrecht – das die Landschaft über Jahrhunderte erhalten hat – mit dem öffentlichen Zugang in Einklang zu bringen. Wer den Zugang ermöglicht, soll bevorzugt Fördermittel erhalten. Es geht um einen fairen Ausgleich, damit die Bevölkerung die Serra genießen kann, ohne die Bewohner zu beeinträchtigen.

Bei jedem Grundstück die Erlaubnis einholen?

Für Wanderer könnte sich durch das neue Gesetz einiges ändern. So sieht der Gesetzentwurf nach Medienberichten vor, dass Ausflügler von jedem Grundstückseigentümer künftig die Erlaubnis einholen müssen, wenn ihr Wanderweg über private Fincas führt. Das ist in den meisten Fällen gegeben: Mehr als 90 Prozent der Serra de Tramuntana befinden sich in Privatbesitz. Der Vorschlag sieht vor, eine schriftliche Erlaubnis in Papierform oder in digitaler Form einzuholen, die dann vorgelegt werden muss. Beispiele dafür gibt es im Gebirge bereits: Der Inselrat möchte sich bei der Ausarbeitung des Prozedere ein Beispiel an der Muntanya de Voltor in der Gemeinde Valldemossa nehmen. Dort besteht seit Jahren eine Obergrenze für Besucher, die zwischen 20 und 40 pro Tag schwankt. Das Problem für Wanderer könnte in Zukunft darin bestehen, sich in Bürokratie zu verheddern, weil viele Wanderwege über mehrere Grundstücke führen und daher mehrere Genehmigungen für einen Wanderausflug notwendig wären.

Viele Anwohner klagen über illegale Motorradrennen am Wochenende. Wie hilft das Gesetz?

Der Verwaltungsrat wird ein verbindliches, interinstitutionelles Organ sein. Bislang haben sich die Behörden gegenseitig die Verantwortung zugeschoben. Damit ist Schluss. Künftig können etwa Zusammenkünfte von mehr als zehn Fahrzeugen oder 50 Motorrädern genehmigt oder untersagt werden. Außerdem wird das Befahren unbefestigter Wege mit Motorfahrzeugen und Quads verboten – eine langjährige Forderung der Anwohner.

Warum soll bei grober Fahrlässigkeit künftig für Rettungseinsätze bezahlt werden?

Wandern ist populärer geworden, was positiv ist. Rettungen sind immer gewährleistet. Vorgesehen ist lediglich, bei offensichtlicher Fahrlässigkeit Kosten zu erheben – etwa wenn bei roter Unwetterwarnung jemand mit der Familie in den Torrent de Pareis geht. Es geht nicht um Einnahmen, sondern auch um den Schutz der Rettungskräfte.

Die Sozialisten kritisiert die lange Dauer des Verfahrens.

Wir sind mit dem Prozess sehr zufrieden. Es gab eine öffentliche Konsultation und Treffen mit Anwohnern, Verbänden und Betroffenen. Viele Beiträge wurden eingearbeitet. Nun läuft die Einspruchsfrist bis 15. April. Wir wollen das Gesetz im Sommer im Inselrat verabschieden und noch in dieser Legislaturperiode durchs Parlament bringen. Belehrungen von jenen, die ihren Entwurf kurz vor den Wahlen 2023 beschlossen haben, akzeptiere ich nicht.

Ist die Finanzierung gesichert?

Die Serra darf kein unantastbares Museum sein, wenn wir sie bewahren wollen. Sie ist der Garten Mallorcas und muss aktiv gepflegt werden. Deshalb sichern wir eine stabile Finanzierung über die Steuer für nachhaltigen Tourismus und eine Budgetpriorität für den Verwaltungsrat.

Welche Sanktionen sind vorgesehen?

Es gibt leichte, schwere und sehr schwere Verstöße. Zu den schwersten zählen etwa das Verursachen von Waldbränden oder Umweltschäden durch illegale Einleitungen. Das Gesetz umfasst auch Maßnahmen zur Waldpflege und zur Verringerung des Brandrisikos sowie Initiativen im Bereich Wasser, etwa die Wiederherstellung traditioneller Bewässerungssysteme. Ohne Wasser kein Leben – und ohne aktive Bewirtschaftung kein Erhalt.

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