Stinkende Müllberge in der Gemeinde Llucmajor: Was läuft alles schief in der beliebten Mallorca-Gemeinde?
Der Abfall stapelt sich häufig fast mannshoch in den Straßen. Warum ist das so, warum klappt es auch an anderen Stellen in der Gemeinde nicht richtig - und was plant die Bürgermeisterin jetzt?

So sieht es in Llucmajor immer wieder mal aus, wenn die Müllabfuhr nicht funktioniert. / Llibertat Llucmajor
Die gute Nachricht für alle Einwohner von Llucmajor vorweg: Die Müllabfuhr in der Gemeinde hat ihren für die Zeit ab Donnerstag (26.3.) geplanten Streik abgesagt. Die Bewohner des Kernortes und der Urbanisationen an der Küste hatten schon wieder mit dem Schlimmsten gerechnet, also überquellenden Containern, Müllbergen daneben und dem damit verbundenen Gestank und Ungeziefer.
Doch die Gewerkschaftsvertreter konnten sich am Dienstag (24.3.) mit den Repräsentanten des Unternehmens FCC vor dem balearischen Schiedsgericht Tamib darauf einigen, dass der Konzessionär ab sofort das Gehalt gemäß dem Tarifvertrag für die Branche zahlt. Bisher war das nicht der Fall.
Neuausschreibung beschlossen
Ob damit das Grundproblem gelöst ist – nämlich dass Llucmajor regelmäßig in Müllbergen versinkt –, ist allerdings unklar. Dafür müsste sich wohl noch einiges mehr ändern in der flächenmäßig größten Gemeinde der Insel.
Ein erster Schritt wurde am Donnerstag (19.3.) im Gemeinderat mit den Stimmen der Regierungsparteien PP und Vox gemacht: Die Gemeinderegierung verabschiedete die Bedingungen für eine neue Ausschreibung der Abfallentsorgung. Die alte Konzession war bereits im Mai 2025 ausgelaufen und seitdem mehrfach behelfsmäßig verlängert worden.
Diese Änderungen sind vorgesehen
Das neue Modell sieht Änderungen im Sammelsystem vor. Dazu gehören die Einführung der Haustürabholung in den Urbanisationen an der Küste sowie Container, die sich in Orten wie Arenal und anderen Wohngebieten nur per Karte oder Schlüssel öffnen lassen und somit nur registrierten Nutzern zugänglich sind.

Noch mehr Müll in Llucmajor. / Llibertat Llucmajor
Das Auftragsvolumen beläuft sich auf mehr als 53 Millionen Euro, die vorgesehene Laufzeit auf acht Jahre. Der neue Konzessionär könnte wohl frühestens 2027 mit der Arbeit beginnen. Die Opposition bezweifelt, dass das System funktioniert. Speziell Urlauber seien bei dieser Art des Müllmanagements außen vor, kritisierten mehrere Politiker.
Hat die Bürgermeisterin ihren Laden nicht im Griff?
Zuletzt kam es wiederholt zu mancherorts beinahe mannshohen Ansammlungen von Abfallbergen. Das für die Abfallentsorgung zuständige Unternehmen FCC nimmt seine Aufgabe offensichtlich nicht ganz ernst. Was allerdings nicht allein die Verantwortung des Unternehmens ist – sagen zumindest oppositionelle Politiker aus dem Gemeinderat. Bürgermeisterin Xisca Lascolas (konservative Volkspartei PP) habe den Laden nicht im Griff.
Wobei das Müllchaos in der Gemeinde schon viel länger andauert. Nach Meinung der Opposition ist das Kind bereits Anfang 2015 in den Brunnen gefallen. Die damals regierende PP schrieb die Abfallentsorgung neu aus, mit zahlreichen Schwächen, wie Alexandro Gaffar der MZ berichtet, der für die Lokalpartei Llibertat Llucmajor im Gemeinderat sitzt. „Die Sanktionen waren damals viel zu harmlos, wenn der Vertrag missachtet wurde. Und so wurde dann mal eine Woche der Müll nicht entsorgt, dann mal zwei und dann mal vier Wochen in Folge.“
Chaos bei der vorherigen Konzession
Hinzu kam, dass es für die verschiedenen Abfallarten sowie die Straßenreinigung mehrere Konzessionäre gab. Das habe schnell zu einem unübersichtlichen Chaos geführt. Nicht geholfen habe auch, so ergänzt im Gespräch mit der MZ Jaume Oliver, der Spitzenkandidat der Sozialisten, dass die Bedingungen für die Ausschreibung keinerlei Gehaltserhöhung für die folgenden zehn Jahre vorgesehen habe.
Das habe zu großem Unmut bei den Beschäftigten gesorgt, zwischenzeitlich habe Bürgermeisterin Lascolas eine Gehaltserhöhung aus der Gemeindekasse zahlen wollen. „Das geht allerdings nicht einfach so“, sagt Jaume Oliver.
Stau bei Baugenehmigungen
Und das Müllproblem ist nicht das einzige, mit dem sich die Bürgermeisterin herumschlagen muss. Die Opposition, aber auch die Bürger, werfen ihr auch in anderen Bereichen Unfähigkeit vor. Beispiel Wartezeit für Baugenehmigungen. Es war in der Vergangenheit keine Seltenheit, dass man in der Gemeinde bis zu drei Jahre auf eine Baugenehmigung warten musste.
Alexandro Gaffar macht dafür unter anderem die schwerfällige Art der Politik verantwortlich. „Das Rathaus agiert immer noch so, als befänden wir uns Mitte der 2010er-Jahre. Aber die Bevölkerung in Llucmajor ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich gewachsen.“
Viel zu wenige Mitarbeiter im Rathaus
Über lange Zeit gab es im Rathaus lediglich einen Gemeindearchitekten und einen Bauingenieur. Das habe sich erst vor Kurzem geändert, weil sich die Gemeinderegierung endlich dazu habe durchringen können, auch Stellen auszuschreiben für Architekten, die die erste Prüfung von drei vorgeschriebenen bestanden haben.
„Jemanden zu finden, der alle drei Runden besteht, ist fast unmöglich“, sagt Alexandro Gaffar. So gebe es nun ein paar neue Mitarbeiter im Rathaus, allerdings seien die Wartelisten so lang, dass auch sie nicht mit dem Abarbeiten hinterherkommen.
Was tun mit den 50 Millionen Euro auf dem Konto?
Gaffar und sein Oppositionskollege Jaume Oliver kritisieren, dass in Llucmajor die Bereitschaft fehle, grundlegende Dinge zu ändern. „Und besonders schwerwiegend ist angesichts von allem, was nicht funktioniert, dass die Gemeinde 50 Millionen Euro auf der Bank hat – und nichts für die Verbesserung der Infrastruktur ausgibt“, schimpft Oliver. In vielen Urbanisationen seien Gehwege und Straßen in schlechtem Zustand, Investitionen täten dringend Not.
Bürgermeisterin Xisca Lascolas ruft die MZ kurz vor der Ratssitzung am Mittwochabend an. Die Vorwürfe der Opposition lässt sie im Gespräch von sich abperlen. Die Ausschreibung der neuen Konzession für die Abfallentsorgung habe sich hingezogen? „Früher waren die Bedingungen nicht fertig, da konnten wir nichts machen.“ Das neue System der Haustürabholung des Mülls überfordert die Urlauber? „Wir erfinden das Rad ja nicht neu, diese Abholung funktioniert an anderen Orten der Insel längst.“
Die Lizenzen dauern zu lange? „Wir haben das Personal innerhalb von kurzer Zeit verdoppelt, aber bis sich das in Ergebnissen widerspiegelt, dauert es natürlich.“ Und der Vorwurf, man wisse nicht, was man mit den 50 Millionen Euro Überschuss anfangen soll? „Wir werden einige Projekte starten, neue Beleuchtung oder neu asphaltierte Straßen. Für Personal darf dieses Geld ohnehin nicht ausgegeben werden.“
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