Dienstwagen systematisch privat genutzt: Schwere Vorwürfe gegen den Vizepräsidenten des Inselrats auf Mallorca
Pedro Bestard von der rechtsextremen Partei Vox soll zwei Autos des Inselrats für private Zwecke und Parteiveranstaltungen zweckentfremdet haben

Pedro Bestard steht wegen einer offensichtlich etwas großzügigeren Auslegung des Begriffs "Dienstwagen" in der Schusslinie. / B. Ramon
Eine Dienstwagenaffäre erschüttert den Inselrat von Mallorca. Laut Recherchen der Zeitung "Última Hora" hat der Vizepräsident der Inselinstitution, Pedro Bestard von der rechtsextremen Partei Vox, systematisch Dienstwagen für private Zwecke sowie für Veranstaltungen seiner Partei genutzt. Beides ist gemäß den Statuten nicht vorgesehen. Das Blatt stellte über mehrere Monate hinweg Verstöße von Bestard gegen die Richtlinien für Dienstwagen fest.
So sind zwei Autos des Inselrats, ein Subaru und ein Dacia, immer wieder vor dem privaten Anwesen von Bestard, der auch stellvertretender Bürgermeister von Marratxí ist, geparkt gewesen. Beide Fahrzeuge trugen nicht den eigentlich vorgeschriebenen Schriftzug des Inselrats. Im Falle des Subaru soll der Schriftzug zunächst angebracht worden und später wieder entfernt worden sein, der Dacia soll ihn noch nie getragen haben.
Auto auf Social-Media-Post von Vox zu sehen
Der Dacia wird laut Informationen der Zeitung seit mindestens einem Jahr entgegen der Vorschriften verwendet, da die ersten Fotos des Autos vor Bestards Anwesen von Mai 2025 stammen. Der Subaru ist Ende April auf einem Foto einer Vox-Werbeveranstaltung in Marratxí zu sehen gewesen, das die Partei selbst in den sozialen Medien veröffentlichte.
In internen Sitzungen soll bereits zur Sprache gekommen sein, dass in dem von Bestard geleiteten Dezernat des Inselrats immer wieder Autos für dienstliche Fahrten fehlen. Der Politiker wehrte sich auf die Anschuldigungen mit der Erklärung: "Ich nutze sie (die Autos, Anm. d. Red) ausschließlich für offizielle Anlässe, niemals für Privatangelegenheiten."
Für die Nutzung von Dienstwagen gibt es beim Inselrat klare Regeln. Parteiveranstaltungen damit zu besuchen oder die Autos mehrere Tage lang über Nacht vor dem eigenen Haus abzustellen, wie bei Bestard offensichtlich geschehen, verletzt diese Regeln deutlich.
Més fordert Rücktritt des Vizepräsidenten
Am Tag des Bekanntwerdens der Nachricht am Sonntag (3.5.) gab es deutliche Reaktionen von den anderen politischen Parteien. So forderte die linksregionalistische Partei Més per Mallorca den Rücktritt von Bestard. Die Verstöße seien "extrem schwerwiegend". Dass der offizielle Schriftzug des Inselrats auf den Autos nicht zu sehen ist, ist für Més ein "klarer Versuch, etwas zu verbergen und somit der öffentlichen Kontrolle zu entziehen". Més stellte in Aussicht, im Inselrat weitere Erklärungen einzufordern.
Die Sprecherin der Més-Fraktion im Inselrat, Catalina Inés Perelló forderte Inselratspräsident Llorenç Galmés zum Handeln auf: "Wenn Bestard nicht heute zurücktritt, haben Sie die politische Pflicht, ihn seines Amtes zu entheben", sagte Perelló. Auch die Sozialisten kritisierten Bestard heftig und sprachen von einem "sehr schweren Vorfall", der "nicht hinnehmbar" sei.
Vox-Sprecherin verteidigt Bestard
Am Montag reagierte dann die Fraktionssprecherin von Vox im Balearen-Parlament, Manuela Cañadas, bissig bis beleidigt auf die Vorwürfe und eilte Bestard zu Hilfe. Cañadas sprach von „Demagogie und Populismus“ anderer Parteien und verteidigte sowohl die institutionelle Agenda des Politikers als auch den „effizienten“ Einsatz öffentlicher Mittel.
Bestard verfüge, so Cañadas, über einen „strengen institutionellen Terminkalender“, der ihn dazu verpflichte, täglich „Hunderte von Kilometern“ zurückzulegen, um Messen, Veranstaltungen, Einweihungen und Sitzungen in seinen Zuständigkeitsbereichen zu besuchen. Sie betonte, dass er zwar über einen Dienstwagen mit Chauffeur verfüge, diesen aber „praktisch nur bei einzelnen Terminen in Palma nutze, wo es keine Parkplätze gibt“.
"Wirtschaftliche Effizienz"
Der Vizepräsident setzt die verfügbaren Fahrzeuge laut Cañadas unter praktischen Gesichtspunkten und mit "wirtschaftlicher Effizienz" ein– insbesondere im Hinblick auf seinen Wohnort Marratxí und die regelmäßigen Fahrten in Gegenden wie Manacor oder Alcúdia. „Er wird kaum erst nach Palma fahren, dort das Auto beim Inselrat abstellen und dann wieder zurückfahren, nur um die Kosten für die Bürger durch zusätzlichen Benzinverbrauch zu erhöhen“, so die Fraktionssprecherin.
Abonnieren, um zu lesen
- Unfall im Porsche-Oldtimer auf Mallorca: Schwedischer Hamburger-Prinz erliegt Verletzungen
- Wer ist Wilhelm Bergfors, der nach einem Autounfall auf Mallorca starb?
- Habe meine geheimen Wege, auf denen ich keinen Urlaubern begegne': Mallorca-Schauspielerin Christine Neubauer ganz privat im MZ-Interview
- Urlaub auf Mallorca ohne Schickimicki: Diese Strandbar im Norden ist noch richtig bodenständig
- Keine wie diese gesehen': Schlange verschreckt Badegäste an beliebtem Strand auf Mallorca
- Auswanderin aus Hamburg auf Mallorca vermisst: Wer hat Anna W. gesehen?
- Kommt nach dem Balconing das 'Muring'? Ballermann-Urlauber verletzt sich bei Mauer-Sprung - und empört die Mallorquiner
- Sohn von Mango-Gründer festgenommen: Hat Jonathan Andic seinen Vater getötet?