17. Juli 2008
17.07.2008

Mallorcas Frühgeschichte: Dorf aus dem ersten Jahrtausend in Calvià freigelegt

17.07.2008 | 02:00
ýMan findet immer wieder etwas." Studenten unterstützen die Archäologen bei den Arbeiten am Berg Puig de Sa Morisca in der Gemeinde Calvià.

Auf dem Bergkamm des Puig de Sa Morisca mit seinem weiten Ausblick über die Bucht von Santa Ponça durchbricht das gleichmäßige Klopfgeräusch von kleinen Spitzhacken auf trockenes Erdreich die Stille. Auf dem Boden knieende Studenten sammeln die gelockerte Erde in Behältern und sieben sie auf der Suche nach Fundstücken wie jahrtausendealte Keramikscher­ben oder Knochenreste durch. Mit Sonnencreme, Handschuhen und Kopfbedeckung geschützt vergehen so ganze Vormittage für Magdalena (28) und Cati (21).

Die beiden Geschichtsstudentinnen hält die Spannung bei der Stange. „Man findet immer wieder etwas", sagt Magdalena und hält eine Scherbe in die Luft. „Jetzt sieht das nach gar nichts aus, aber wenn man das erst mal im Labor säubert, kommen vielleicht Bemalungen zum Vorschein." Der Top-Fund der Truppe in den vergangenen Tagen: ein prähistorischer Mahlstein für Getreide.



Mühsam und langsam kommen sie voran, doch es geht darum, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Die Forscher wollen die Reste einer Siedlung aus der Frühgeschichte Mallorcas, der Talayot-Kultur, freilegen und - soweit möglich - das Leben der Menschen dort im 9. bis 2. Jahrhundert vor Christus nachzeichnen. Damals sollen 40.000 bis 70.000 Menschen auf der Insel gelebt haben.



An der Ausgrabung in Calvià wird bereits seit 1997 immer wieder gearbeitet. Zwei Talayot-Türme und Überreste der arabischen Bevölkerung, die sich später dort ansiedelte, wurden bereits ausgegraben und untersucht. In diesem Sommer wollen die Archäologen einen weiteren Turm freilegen und das bislang noch nicht genau geortete Verbindungsstück der Begrenzungsmauer der talayotischen Siedlung ausgraben.



„Wir gehen davon aus, dass die Türme mit der Mauer eine Art Verteidigungseinrichtung waren. Von hier aus kann man die ganze Bucht überblicken und ankommende feindliche Schiffe frühzeitig erkennen", erläutert Emili García, einer der archäologischen Leiter der Ausgrabung. Einer der Türme sei nach bisherigen Erkenntnissen sogar später wieder von den Arabern als Wachturm genutzt worden. Auch im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) sei von dort aus geschossen worden. In den Jahren 2003 und 2004 wurde wenige Kilometer von dem Talayot-Dorf entfernt die Kult- und Begräbnisstätte „El Túmulo de Son Ferrer" ausgegraben. Die Forscher glauben, dass es sich dabei um den Friedhof der Siedlung handelt. „Wir haben Hinweise gefunden, dass dort Rituale stattgefunden haben, zum Beispiel Asche von Pflanzen, die Halluzinationen hervorrufen", sagt García.



Mehr als von der prähistorischen Zeit wissen die Historiker vom Leben der Mauren auf diesem Berg. „Vermutlich war es die erste arabische Siedlung, die von dem Eroberer Jaume I. bei seiner Ankunft 1229 eingenommen wurde", sagt García. Die Wissenschaftler fanden ein Bronzeabzeichen, das vermutlich einem katalanischen Soldaten gehörte, Asche der Dachbalken, Keramikgegenstände und ein kleines Messer im Eingang des Hauses. Offenbar gab es einen Kampf, oder die maurischen Bewohner verließen fluchtartig ihr Zuhause.



García und seine Kollegen hoffen, bald auch noch mehr über die Talayot-Zeit zu erfahren. „Es gibt noch viel zu entdecken. Man braucht nur Geduld", sagt der Archäologe.

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