30. April 2009
30.04.2009
40 Años
Report

Schulen auf Mallorca - Die Qual der Schulwahl

05.02.2009 | 01:00
Schüler der Privatschule Luis Vives in Palma schreiben einen Mathematik-Test.

Viele deutsche Familien auf Mallorca sind mit den staatlichen Schulen unzufrieden. Hauptkritikpunkt: Unterrichtet wird dort hauptsächlich auf Katalanisch. Auf die Weltsprachen Spanisch und Englisch würde zu wenig Wert gelegt. Mallorca-Deutsche vermissen zudem häufig eine Förderung der Muttersprache ihrer Kinder. Daher entscheiden sich viele Eltern für eine private Alternative zum öffentlichen Bildungsangebot. Wer diesen Weg für seine Kinder einschlägt, hat nun auf der Insel die Qual der Wahl. Neben den beiden deutschen Privatschulen in Palma und Santa Ponça gibt es mehrere englische und spanische Einrichtungen. Welche die richtige ist, hängt von den persönlichen Bedürfnissen jeder Familie ab.

"Als wir nach Mallorca kamen, war nicht klar, ob wir eventuell nach einer Zeit wieder zurück oder in ein ganz anderes Land gehen würden", erzählt Susi Benedikt. Die Österreicherin suchte daher für ihren heute 14 Jahre alten Sohn Andreas die nach dem britischen Bildungssystem arbeitende Privatschule The Academy in Marratxí aus. "Ich dachte mir, Englisch kann er auf alle Fälle überall brauchen, aber was mach ich in einem anderen Land mit Katalanisch?" Mittlerweile haben sich Mutter und Sohn zwar fest auf Mallorca verwurzelt, doch mit der englischen Schule ist sie auch weiterhin höchst zufrieden. "Persönlichkeitsbildung wird dort sehr wichtig genommen, und es wird stark auf gutes Benehmen geachtet." Speziell die Achtung der Formen kommt der Wienerin an den staatlichen Schulen zu kurz. "Da heißt es dann ?eh, profe´ mit Kaugummi im Mund und gegrüßt wird auch nicht ordentlich."

Außerdem würde im öffentlichen System noch stark auf Auswendiglernen gesetzt. "Die Kinder dort werden auch vollgeschüttet mit Hausaufgaben. Da sitzen sie dann bis spät in die Nacht. Teenager werden dadurch noch aggressiver und rebellischer." Benedikt hat den Vergleich täglich zu Hause. Sie lebt in einer Patchworkfamilie mit ihrem mallorquinischen Lebenspartner, dessen 16 Jahre alte Tochter eine staatliche Schule in Palma besucht. Trotz ihrer Begeisterung für die britische Schulbildung, befürchtet Benedikt künftig Probleme. "Andreas spricht nicht sehr gut Katalanisch. Wenn er auf Mallorca bleibt, könnte sich das vielleicht einmal rächen."

Um dieses Defizit zu umgehen, aber dennoch Deutsch und Englisch angemessen zu fördern, hat die gebürtige Stuttgarterin Nicola Bittler für ihren acht Jahre alten Sohn Titus die spanische Privatschule San Cayetano in Palma ausgewählt. Damit hat sie, davon ist sie überzeugt, die beste Balance zwischen Insel-Integration und Weltgewandtheit erreicht. In der vom Orden der Theatiner geleiteten Einrichtung wird im Gegensatz zu den staatlichen Schulen auf Mallorca hauptsächlich auf Spanisch unterrichtet. Daneben werden aber auch mehrere Fächer in katalanischer und englischer Sprache gegeben.

Eine deutsche oder englische Schule kam für Bittler dagegen nicht in Frage. "Wir leben ja hier und nicht in Deutschland oder England", sagt die Mutter. Der Preis für die optimale Bildung ihres Sohnes ist hoch - nicht nur finanzieller Art. Die Familie gab ihr idyllisches Landhaus mit Pool in Lloret de Vistalegre auf und zog in das 45 Kilometer entfernte Palma. Denn zuvor waren Mutter und Sohn täglich zwei bis drei Stunden zwischen Wohn- und Schulort unterwegs. "Wir haben zum Teil im Auto zu Abend gegessen, damit Titus noch Zeit für die Hausaufgaben hatte und pünktlich ins Bett kam. Außerdem konnte er in seiner Freizeit seine Schulfreunde nicht treffen."

Das Problem des langen Anfahrtsweges und eines weit verstreuten Freundeskreises kennen auch viele Eltern mit Kindern an den beiden deutschen Schulen. Auch dort stammen die Schüler aus den verschiedensten Ecken der Insel. Wer sich etwa für den Eurocampus in Palma entscheidet, sucht oft nach einer klaren Orientierung im Sprachenwirrwarr und natürlich den Anschluss an die Heimat. Sandra Süß (Name geändert) schulte ihren Sohn im Eurocampus ein. Der sensible Achtjährige war zuvor auf einer spanischen Privatschule, war aber von der täglichen Konfrontation mit vier Sprachen überfordert. "Er konnte außerdem keine Sprache richtig. In dem deutschen Umfeld fühlt er sich viel wohler, und seine Noten sind auch besser geworden."

Egal, welche Privatschule - wer die Alternative zum staatlichen System wählt, muss auf alle Fälle mit mehreren hundert Euro Schulgebühren rechnen. Wer dieses Geld nicht aufbringen kann, dem bleibt als Ausweg ein colegio concertado. Bei den staatlich anerkannten Schulen, wie etwa La Purísima in Palma, handelt es sich meist um Einrichtungen von katholischen Orden, die starken Wert auf die Vermittlung christlicher Grundsätze legen. Meist wird auch deutlich stärker Spanisch als Unterrichtssprache benutzt als in den colegios públicos.

Das Problem: Dort einen Platz zu bekommen, ist oft sehr schwierig. Den staatlich finanzierten Ordensschulen werden zwar die Schüler eigentlich nach dem jeweiligen Sprengel zugeteilt, doch sind sie so beliebt, dass bildungsbewusste Eltern Tricks anwenden, um ihr Kind dort hinein zu bekommen. Familien melden sich etwa bei Verwandten oder Freunden im Einzugsgebiet der auserwählten Einrichtung an, um im staatlich angewandten Punktesystem zur Zuteilung der Schule nach oben zu rutschen oder lassen persönliche Kontakte spielen.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

- Eurocampus bietet ab sofort mittlere Reife an

- Neun Schulen mit gutem Ruf

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