27. November 2014
27.11.2014
40 Años

Hotels auf Mallorca in der Metamorphose

In dieser Nebensaison investiert, saniert und modernisiert die Branche besonders eifrig. Vor allem an der Playa de Palma ist eine Menge in Bewegung

04.12.2014 | 12:07
Das Garonda wandelt sich: Hoteldirektor Manuel Tigre (li.) und Marketingchef Miguel Amengual vor der Metallkonstruktion

Das Büro von Manuel Tigre gibt es nicht mehr. Dort, hinter der Rezeption, wo der Direktor des Hotels Mac Garonda bislang die Geschäfte führte, sind derzeit die Bauarbeiter am Werk. Es entsteht ein Spa: Anstelle von Büro- werden hier in Zukunft Liegestühle ihren Platz haben, auf denen es sich die Urlauber gut gehen lassen sollen. Das Büro des Direktors zieht in den hinteren Teil des Hotels. Im Vorgarten wird gerade ein Pool ausgehoben, im Foyer liegen ausrangierte Spülkästen und Waschbecken aus den Zimmern, die nicht mehr gebraucht werden.

Die Stammgäste unter den Urlaubern werden zweimal schauen müssen, um ihr Hotel wiederzuerkennen, wenn sie im kommenden Sommer anreisen: Das Haus an der Playa de Palma wird derzeit für knapp 5,5 Millionen Euro saniert und modernisiert. Es wächst ein Stockwerk nach oben, die Zimmer mit Meerblick erweitern sich zu Suiten, die Zahl der Sterne steigt von vier auf fünf. „Wir müssen unseren Gästen mehr bieten", sagt Hoteldirektor Tigre, „der Markt verlangt danach".

Das Garonda steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Hotels auf Mallorca, die in diesem Winter einer Frischzellenkur unterzogen werden. Daneben sind auch einige Neubauprojekte am Start. Wie viel Geld die Hoteliers in diesem Winterhalbjahr in die Hand nehmen, rechnet gerade der Branchenverband FEHM aus. Eine Vorstellung geben aber bereits die Zahlen, die für die gesamten Balearen im Umlauf sind: Insgesamt sollen mehr als 500 Millionen Euro investiert werden, davon allein 400 in größere Projekte. Zum Vergleich: In der vergangenen Wintersaison waren es rund 250 Millionen Euro.

Gerade an der Playa de Palma sei der Aufholbedarf enorm, sagt Xisco Fullana, Marketingleiter der Hotelkette Hipotels, die gerade mit dem Bau zweier Luxushotels begonnen hat – nirgendwo auf der Insel sei derzeit so viel in Bewegung wie an der Playa. Das Potenzial sei riesig, der Standort zwischen Flug­hafen und Palma nicht zu toppen.

Der Zeitpunkt ist ideal: Die Geschäfte der Mallorca-Hotels in den vergangenen Jahren liefen gut, die Insel vermeldete neue Besucher­rekorde, die Gewinne wollen investiert werden. Die Banken geben, wenn zum Teil auch zögerlich, wieder Kredite. Aber auch Reise­veranstalter helfen bei der Finanzierung, erklärt Kurt Weber, Direktor der Hotelmarke allsun (alltours), die nach drei Neuerwerbungen bis zum Sommer 2015 mit 15 Hotels auf Mallorca vertreten sein wird.

Gerade Vier-Sterne-Hotels seien gefragt, so Weber. Wer sein Drei-Sterne-Haus um den fehlenden Stern aufstocke, könne im Schnitt 20 bis 25 Prozent höhere Preise verlangen. Als Erfolgsbeispiel nennt Weber das Hotel Amàrac in Cala Millor, das man im vergangenen Winter saniert habe. „Es war unser bestgebuchtes Hotel des Jahres." Dabei habe man kaum Werbung gemacht: Viele Urlauber hätten die Baustelle gesehen und seien von alleine auf das Haus aufmerksam geworden.

Dass die Rechnung aufgeht, dafür sorgt aber auch der Gesetzgeber: Die balearische Landesregierung hat die Klassifizierung für die Sternevergabe neu definiert, ein Tourismusrahmengesetz den Hoteliers auf den Leib geschneidert und mit einem im Sommer 2013 vorab per Gesetzes­erlass verabschiedeten Masterplan für die Playa de Palma höhere Renditen ermöglicht. Das heißt zum Beispiel, dass den Hoteliers ein zusätzliches Stockwerk genehmigt wird, wenn sie im Gegenzug in Qualität investieren.

Wie das konkret aussieht, zeigt die Sanierung des Garonda. Auf der Terrasse im ersten Stock sind bereits die Stahlpfeiler montiert, auf denen die künftigen Junior-Suiten ruhen. Die Zimmer mit Meerblick werden allesamt nach vorne verlängert, die Fläche wächst jeweils auf das Dreifache, 33 Quadratmeter plus zwölf Quadratmeter Terrasse. Bei den Zimmern mit Gartenblick auf der anderen Seite dagegen sind die Zwischenwände gefallen, um sie zu einer großen Suite zusammenzulegen. Dass die Zimmerzahl insgesamt von 133 auf 149 steigt, liegt am zusätzlichen fünften Stockwerk, das aufgesattelt wird.

Das gesamte Gebäude durchläuft eine Metamorphose: Der Haupteingang wird von der Seiten- in die Hauptstraße verlegt, wo der neue Vorgarten mitsamt Fahrradgarage groß herauskommen soll. Den massiven Tresen der Rezeption ersetzen Empfangstische, um so das Foyer aufzulockern. Neue Zugänge führen direkt an den Strand und auf die Terrasse, ein Tapas-Restaurant soll den Nerv der Zeit treffen. „Da gibt es dann keine belegten Brötchen, sondern Spezialitäten wie in Nordspanien."

Der Anteil der Stammkunden liegt bei rund 40 Prozent – sie wurden mit einer Informationsstrategie vor Ort und online auf die Änderungen vorbereitet. Schließlich gelten auch neue Tarife: Die Preise steigen im Schnitt um 20 Prozent, was aber vor allem an den neuen Junior-Suiten liege, so Tigre. „Manche Zimmer verteuern sich nur um fünf bis sieben Prozent". Je nach Saisonverlauf könnten sich die Investitionen dann in rund fünf Jahren amortisiert haben.

Die Sanierung ist nicht nur ein finanzieller Aufwand, sondern auch eine logistische Herausforderung. Am 24. Oktober reisten die letzten Urlauber der Saison ab, am Tag darauf rückten die Arbeiter an. Die Winterpause wird wegen der Sanierung verlängert, statt wie sonst im Februar oder März geht es erst im Mai wieder los. Und spätestens dann kann auch Tigre wieder sein Büro beziehen.

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