09. Juli 2018
09.07.2018

Rafael Nadal kann noch viel mehr als Tennis spielen

Der Tennis-Weltranglistenerste gehört zu den erfolgreichsten Sportlern aller Zeiten. Das drückt sich auch in einem auf 300 Millionen Euro geschätzten Vermögen aus - und einem beträchtlichen Einfluss auf Mallorca

09.07.2018 | 01:00
Ein Denkmal für die lebende Tennislegende von Manacor: das Museum von Rafael Nadal sowie die Rafa Nadal Academy.

Wenn Rafael Nadal gerade in Wimbledon aufschlägt, ist es möglich, dass der aktuell Erste der Tennis-Weltrangliste aus Manacor dort am Ende seinen 18. Grand-Slam-Titel holt. Seinen Ruhm würde das ebenso vergrößern wie sein Vermögen: Das Preisgeld beträgt zwei Millionen englische Pfund (knapp 2,3 Millionen Euro).

Insgesamt hat der Spieler aus Manacor in seiner Karriere schätzungsweise bereits mehr als 100 Millionen Euro eingespielt. Damit belegt er auf der Forbes-Liste der reichsten Sportler der Welt Platz 33. In Spanien war er hinter Formel-1-Pilot Fernando Alonso im Jahr 2017 der bestbezahlte Sportler. Nadal strich gut zehn Millionen Euro an Preisgeld ein, Alonso verdiente bei ­McLaren laut dem Fachmagazin „The Drive" 38 Millionen Euro im Jahr. Die Finanzzeitschrift „Forbes" schätzt Nadals Gesamtvermögen auf rund 300 Millionen Euro.

Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass das Vermögen von Nadal unmöglich nur von seinen Triumphen auf Hartplatz, Gras und vor allem Sand herrührt. Der Tennisspieler weiß seinen Ruhm auch anderweitig zu Geld zu machen und sein Vermögen gut zu investieren. „Wobei es nicht unbedingt Rafael Nadal ist, der sich um die Geschäfte kümmert, sondern eher seine Familie und sein Umfeld", sagt Miquel Oliver. Der Politiker der links-regionalistischen Partei Més per Mallorca gehört in der Heimatstadt der Nadals zu einer Gruppe von Menschen, die die Geschäftstätigkeiten der begüterten Familie nicht nur wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Miquel Oliver war im Jahr 2015 zwar nur viereinhalb Monate Bürgermeister von Manacor, doch in dieser Zeit hat er hautnah mitbekommen, welche Macht die Nadals in ihrer Heimat besitzen – und wie wenig anfechtbar sie sich fühlen.

Am sichtbarsten wurde das erst unlängst, als es die Familie schaffte, das balearische Wohnungsgesetz um eine Novellierung zu erweitern, die es seiner Rafa Nadal Academy erlaubt, Hotelzimmer an Urlauber zu vermieten. Davon war im ursprünglichen Nutzungsplan nie die Rede gewesen. Die Tennis-Akademie mit angehängtem Sportmuseum außerhalb der Stadtgrenzen von Manacor ist für junge Talente gedacht, die sich dort für 56.000 Euro im Jahr ausbilden lassen können. Die Gästezimmer waren ursprünglich nur für die Nachwuchs-Tennisspieler und gelegentliche Besuche der jeweiligen Familien vorgesehen.

Miquel Oliver sollte, wie er der MZ erzählt, für die Nadals damals bei dem damaligen Tourismusminister Biel Barceló (ebenfalls Més per Mallorca) ein gutes Wort für das Hotel-Projekt in der Academy einlegen. „Die Familie bat mich, doch mal beim Ministerium nachzuhorchen", sagt Oliver. Er habe abgelehnt.

Letztendlich schafften es die Nadals dann doch, die Academy umzuwidmen und gleich noch die Lizenz für eine deutliche Erweiterung der Anlagen von aktuell 47.500 Quadratmeter auf 73.000 Quadratmeter zu erhalten. Und das mit einer Gesetzesänderung, die ihnen unter anderem eine, wie Miquel Oliver sagt, rund zweieinhalbjährige Phase der Genehmigung erspart. Neben einem Umweltverträglichkeitsgutachten sowie drei Prozent Steuern, die der Gemeinde zugutegekommen wären.

Der Gesetzeszusatz, der tatsächlich die Bezeichnung enmienda Nadal – also Nadal-Novellierung – trägt, kam denn auch reichlich nebulös zustande. Wie die MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" aufdeckte, tingelten Angehörige von Rafael Nadal offenbar ab dem Jahr 2015 von einer politischen Institution zur nächsten, bis sie Unterstützer für ihr Vorhaben fanden. Weil sich die Balearen-Regierung unter Führung der Sozialistin Francina Armengol offenbar dabei schämte, die Novellierung selbst zu veranlassen, fragte die Regierung diskret bei der Oppositionspartei PP nach, ob die das nicht übernehmen könnte. Die PP war einverstanden – unter der Voraussetzung, dass man die Novellierung nicht selbst ­schreiben musste. Das übernahm das Ministerium für Raumordnung.

„Stadtplanung à la carte", schimpften die Koalitionspartner von Més und die Protestpartei Podemos. Die Umweltschutzorganisation Gob will das Gesetz vor dem Verfassungsgericht anfechten. „Damit hat Nadal viele Menschen enttäuscht", heißt es von den Umweltschützern.

Und das bereits zum zweiten Mal. Schon beim Bau seiner Rafa Nadal Academy ist wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Es war 2012, als die konservative Regierung Bauzá eilig ein Gesetz erließ, das es mit Verweis auf das „Allgemeininteresse" Nadal erlaubte, auf damals noch nicht zur Bebauung freigegebenen Grundstücken seine Academy zu errichten. „Das Projekt hat einen indiskutablen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region um Manacor, die Insel selbst sowie alle Balearen-Inseln", rechtfertigte die Familie Nadal damals die Eile.

Wer von der Familie Genaueres zu ihren Geschäften außerhalb des Tennisplatzes erfahren will, stößt auf eine Mauer des Schweigens. Am Rande des WTA-Damenturniers in Santa Ponça auf das Thema angesprochen, steht der Onkel und langjährige Trainer des Tennisstars, Toni Nadal, von seinem Stuhl auf und bekommt nur leise heraus: „Dazu möchte ich nichts sagen." Auch von Seiten der Rafa Nadal Academy gibt es keine Stellungnahme. Eine Mail mit Fragen bleibt unbeantwortet.

Markenbotschafter und Immobilien

Das Geschäftsmodell von Rafael Nadal stützt sich neben dem Tennis vor allem auf zwei weitere Grundpfeiler: seine Marke Rafa Nadal sowie seine Investitionen in Hotels und Restaurants. Laut der spanischen Zeitung „El País" bestand Rafael Nadal von Anfang an darauf, dass sein Vater Sebastián die Geschäfte beaufsichtigen sollte. Sebastián Nadal, der in Manacor die Immobilienfirma Aspemir mit rund drei Millionen Euro Umsatz im Jahr besitzt, hat dazu in Manacor rund zehn Gesellschaften angemeldet.

Das meiste Geld verdient Nadal mit seiner eigenen Marke Rafa Nadal. Sein Konterfei leiht er großen internationalen Marken wie Nike, Telefónica – der zum Konzern gehörende Mobilfunkanbieter Movistar sponsert die Academy –, Kia, Tommy Hilfiger und Nestlé. Auch für die beiden spanischen Unternehmen Mapfre, einen Versicherungskonzern, sowie die Bank Banco Sabadell ist Nadal Markenbotschafter.

Seit 2014 ist Rafael Nadal auch im Immobiliengeschäft aktiv. Wie die Zeitung „El País" schreibt, trat er als Bauträger zweier großer Luxus-Hotelkomplexe auf der Karibik-Insel Cozumel auf, die zu Mexiko gehört. Die beiden Resorts Secrets Aura Cozumel und Sunscape Sabor vereinen insgesamt 500 Zimmer.

Auf den Balearen hat Nadal laut „El País" einen mächtigen Geschäftspartner: Dabei handelt es sich um Abel Matutes Prats, Sohn des ehemaligen spanischen Außenministers. 25 Millionen Euro sollen sich Nadal und Matutes Prats ein Gebäude in Madrid haben kosten lassen, das in einer der besten Gegenden der Hauptstadt steht. Nach einer kompletten Renovierung richteten sie elf Wohnungen in dem 1895 errichteten Gebäude ein, die alle zu Preisen zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Quadratmeter verkauft wurden.

Gemeinsam mit Matutes Prats sowie mit NBA-Star Pau Gasol, Fußballer Cristiano Ronaldo und Musiker Enrique Iglesias betreibt der manacorí darüber hinaus die Restaurantkette Tatel. Das Nobellokal hat bisher Dependancen in Miami, Madrid und auf Ibiza. Dort geht essen, wer sich etwas Gutes tun will: So kann man sich beispielsweise zur Vorspeise einen warmen Hummercocktail für 46 Euro ­schmecken lassen. Danach kann man ein Wagyu-Rib-Eye-Steak für 90 Euro bestellen und dazu vielleicht noch einen 2011er Château Pétrus ­Merlot für exakt 4.705 Euro die ­Flasche süffeln.

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