17. September 2018
17.09.2018

50 Jahre Höhle von Vallgornera: Wunderschön, nicht zugänglich und in Gefahr

Vor 50 Jahren wurde das Höhlensystem Cova des Pas de Vallgornera bei Llucmajor entdeckt, 80 Kilometer sind bisher erforscht. Ein Streit verhindert das weitere Vorgehen

17.09.2018 | 01:00
Einige Säle sind nur tauchend zu erreichen.

Die Drachenhöhlen (Coves del Drach) in Porto Cristo kennt so gut wie jeder, der schon einmal etwas von Mallorca gehört hat. Der Name der mit Abstand größten und beeindruckendsten Höhle der Insel, die Cova des Pas de Vallgornera in der Gemeinde Llucmajor, ist dagegen nicht in aller Munde. Das liegt daran, dass sie nur mit einer offiziellen Anmeldung besichtigt werden kann. Dafür musste man sich auf eine Warteliste des balearischen Umweltministeriums eintragen. Doch selbst der komplizierte Weg ist noch schwieriger geworden.

Eine entsprechende Anfrage der MZ wurde abgelehnt. „Der Zutritt ist derzeit nur zu wissenschaftlichen Zwecken gestattet", teilte das Ministerium mit. Ausgerechnet im 50. Jubiläumsjahr der Höhlen-Entdeckung herrscht nach einem Streit Eiszeit zwischen Ministerium und dem balearischen Höhlenforscherverband FBE, der bislang Besuchergruppen durch einen Teil der Höhlen geführt hat.

„Man wirft mir vor, dass ich mich an Führungen bereichert habe", sagt Guillem Mulet, Präsident vom FBE. Dabei habe er sich nur an eine mündliche Abmachung gehalten, die auf einem Vertrag beruht, den er im Jahr 2010 mit der damaligen Balearen-Regierung geschlossen hatte. Damals wurde er beauftragt, Kontrollen und Untersuchungen in der Höhle durchzuführen. Der Jahresvertrag war mit 57.000 Euro dotiert. Einer der Unterpunkte wies den Betrag von 3.000 Euro für touristische Führungen aus, die im ersten Jahr aufgrund der wenigen Besuche – pro Monat durfte nur eine Tour mit sechs Personen gemacht werden – nicht vollständig aufgebraucht worden war.

Nach Ablauf des Vertrages forderte Mulet ein neues Abkommen, wurde nach seinen Aussagen vom damaligen Zuständigen des Umweltministeriums, dem heutigen Umweltminister Vicenç Vidal, hingehalten. „Irgendwann war das Geld für die Führungen alle und wir hatten die mündliche Abmachung mit ihm, dass Besucher einen kleinen Unkostenbeitrag leisten müssen." Dabei habe es sich laut Mulet um 10 bis 15 Euro pro Person gehandelt, 50 Euro bekam der Führer. „Wir hatten eine Warteliste von anderthalb Jahren."

Und das wurde ausgenutzt. Ein französischer Reiseanbieter reservierte einige der begehrten Plätze, um sie teuer weiterzuverkaufen. Guillem Mulet wurde damit in Verbindung gebracht und von anderen Höhlenforschern, mit denen er nach seinen Angaben schon zuvor zerstritten war, angezeigt. Die Anzeige blieb aber ohne Folgen. Nach dem Ärger wechselte die Regierung, und das Bündnis der Linksparteien wollte von dem mündlichen Abkommen nichts mehr wissen. Eine Nachfrage der MZ beim Umweltministerium blieb unbeantwortet. „Unter der aktuellen Regierung bekommen wir nur selten eine Autorisierung und diese dann auch nur nach Monaten", klagt Mulet. „Vor Kurzem kam eine Absage für eine Anfrage aus dem Jahr 2016, obwohl der betreffende Zeitraum längst vorbei war. Wann ich das nächste Mal in die Höhle darf, weiß ich hingegen nicht." Früher hatte Mulet einen eigenen Schlüssel zum versperrten Eingang und konnte Vallgornera erkunden, wann er wollte. Dadurch waren auch längere Touren möglich, bei denen Forscher in der Höhle geschlafen haben. „Heute dürfen wir grundsätzlich höchstens elf Stunden rein. Da wir vier Stunden brauchen, um zu den entlegensten Stellen zu kommen, bleibt kaum Zeit, um nach neuen Wegen zu suchen." Den Schlüssel habe das Umweltministerium einkassiert. „Sie beschuldigten mich, ich würde überall hinpinkeln und die Höhle zerstören", so Mulet.

Dabei, so ein Vorwurf von Umweltschützern, gelangen schon seit Jahren Abwässer aus den Sickergruben der Urbanisation Vallgornera in die Höhle. Über eine neue Kanalisation in den Siedlungen Vallgornera, Es Pas und Cala Pi wird seit Jahren debattiert, nachdem 2008 die Europäische Union eine Kanalisationspflicht eingeführt hat.

Die konservative Vorgänger-Regierung auf den Balearen habe sich herzlich wenig darum gekümmert, so Jaume Tomàs (MÉS), Gemeinderat von Llucmajor. „Bis zum Regierungswechsel 2015 wurde immer wieder ein Aufschub beantragt." Erst danach habe das Rathaus eine Lösung des Problems gesucht. Zusammen mit dem balearischen Umweltministerium wurde eine Studie beim spanischen Geologieinstitut IGME beantragt. Diese hat vom Bau einer Kanalisation abgeraten, da in der Gegend von Es Pas erhöhte Einsturzgefahr bestünde. „Entweder wird dennoch eine Kanalisation gebaut, was technisch schwierig und teuer wird. Oder die Gemeinde Llucmajor beantragt beim Inselrat eine Aufhebung der Kanalisationspflicht. Letzteres haben wir im Frühjahr 2018 getan und wir warten noch auf eine Antwort." Sollte diese positiv ausfallen, müssten die Eigentümer die Sickergruben erneuern und besser abdichten.

„Alles Lügen", sagt Guillem Mulet. Die vorherige Regierung hätte sich sehr wohl gekümmert. Mulet selbst war nach eigenen Angaben an einem Projekt zum Bau einer neuen Kanalisation beteiligt gewesen. Es scheiterte am Geld. „Das Rathaus hat Fördergelder bei der EU angefragt. Diese Bitte wurde abgelehnt." Auch an der IGME-Studie zweifelt Mulet. Sie sei „wissenschaftlicher Unfug" und „gefälscht". „Das Umweltministerium wollte, dass die Studie negativ ausfällt, damit man die Kanalisation nicht bauen muss." Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, hat Mulet im Juni 2017 das Rathaus von Llucmajor und das Umweltministerium wegen wissentlicher Umweltverschmutzung bei der Guardia Civil angezeigt. „Es handelt sich dabei nicht um eine Bagatelle, sondern einem Vergehen, das strafrechtlich verfolgt wird", so Mulet. Um nachzuweisen, dass der Bau einer Kanalisation möglich ist, hat er in Zusammenarbeit mit Anwohnerverbänden vor wenigen Monaten ein Experiment durchgeführt. „Wir haben mit einer 20 Tonnen schweren Baumaschine ein zwei Meter tiefes und 80 Zentimeter breites Loch in Es Pas gegraben. Ich stand an der entsprechenden Stelle mit einem Vibrationsmessgerät in der Höhle. Ich habe den Lärm der Maschine gehört, aber das Messgerät hat nicht die kleinste Vibration aufgezeichnet."

Die Abwässer zerstörten das, was die Höhle auszeichnet. „Da sie drei Millionen Jahre geschlossen war, wurde sie von Dreck verschont. Das Wasser ist kristallklar, die Tropfsteine einzigartig. Die Höhle Coves del Drach sei zwar auch beeindruckend. „Vallgornera ist aber tausendmal schöner."

80 Kilometer Höhle in drei Stockwerken


Wären die Gänge von Vallgornera geradlinig, würde sich die Höhle von Llucmajor bis nach Pollença erstrecken. Da sie aber verwinkelt ist und sich die Gänge in verschiedenen Höhen befinden, ist die Höhle lediglich auf einer Fläche von reichlich fünf Quadratkilometern anzusiedeln. Es gebe drei Stockwerke, so Guillem Mulet. Das mittlere Geschoss ist auf der Höhe des Meeresspiegels. Etwa zehn Meter darüber liegt der erste Stock. Zwischen Höhlendecke und Erdoberfläche liegen immer mindestens 20 Meter. In die Tiefe geht es vom mittleren Stockwerk acht Meter hinab.

„Diese Säle kann man nur tauchend erreichen." Etwa 20 Kilometer der bislang kartografierten Höhle liegen unter Wasser. Guillem Mulet schätzt, dass die Höhle bei einer vollständigen Erschließung über 100 Kilometer misst. Zum Vergleich: Das „Riesending" in Bayern, Deutschlands größte Höhle, misst gerade mal ein Fünftel davon.

Guillem Mulet war Ende der 90er-Jahre zum ersten Mal in der Höhle unter der gleichnamigen Siedlung Vallgornera. Bis zur Jahrtausendwende waren lediglich sechs Kilometer Gänge bekannt. „In vielen Sälen gab es aber Luftzüge. Daher war uns klar, dass es irgendwo weitergehen muss." 2004 war er bei den großen Entdeckungen dabei.

Speläologen suchten die Gänge und Säle ab und fanden immer neue Wege. Weitere 70 Kilometer Höhle wurden so erschlossen. Die meisten Gänge gehen vom „Saal ohne Namen" ab. „Das ist der größte Saal, der so groß wie zwei Fußballfelder ist." Was es noch zu entdecken gibt, bleibt jedoch vorerst hinter verschlossenen Türen. Der Eingang war am 26. April 1968 bei Bauarbeiten entdeckt worden, ein damals gegrabener Schacht dient seitdem als Zugang.

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