23. Juni 2019
23.06.2019

Diese Autos sind auf Mallorca unterwegs

An kaum einem Ort in Europa gibt es so viele Autos pro Einwohner wie auf der Insel. Wir haben uns die Statistiken einmal genauer angesehen

23.06.2019 | 01:00
Diese Autos sind auf Mallorca unterwegs

Dass es auf den Straßen auf Mallorca immer voller wird, ist kein subjektiver Eindruck. Jedes Jahr steigt die Zahl der Autos, Lastwagen und Motorräder – und das stärker als die Zahl der Einwohner. Dazu kommen vor allem im Sommer noch Zehntausende von Mietwagen. Die MZ hat sich auf die Suche nach Zahlen und Fakten über den Fuhrpark der Insel gemacht.

Wie viele Fahrzeuge gibt es auf Mallorca?

Ende 2018 fuhren auf den Straßen Mallorcas 788.506 Autos, Motorräder, Lastwagen, Busse und sonstige Fahrzeuge mit Motor. Mit Abstand die größte Gruppe darunter waren die Pkw mit 570.949 Autos. Auf allen Balearen-Inseln gab es laut den Zahlen des balearischen Statistik-Instituts Ibestat vergangenes Jahr 1.030.478 Fahrzeuge.

Hört sich viel an, und ist auch viel. Schaut man sich nämlich die Fahrzeugdichte pro Einwohner an, sind die Balearen spanienweit mit Abstand führend. Ende März gab es auf den Inseln 913 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner – fast ein Fahrzeug pro Einwohner. Auf die Pkw bezogen sind das 640 Autos pro 1.000 Einwohner. Damit führen die Inseln nicht nur die Statistik in Spanien an. Europaweit kommt laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2016 nur Luxemburg mit 662 Autos auf eine höhere Fahrzeugdichte. In Deutschland sind es 555 Autos pro 1.000 Einwohner.

Die Statistiker von Ibestat gehen davon aus, dass die Zahl der Autos, Motorräder und Lastwagen auf den Balearen auch in Zukunft schneller zunehmen wird als die Bevölkerung. Bei konservativer Kalkulation dürften es demnach ab dem Jahr 2024 auf den Inseln mehr Fahrzeuge als Bewohner geben. Laut den Schätzungen könnten 2025 auf den Inseln 1.255.349 Fahrzeuge angemeldet sein, bei 1.223.828 Einwohnern.

Wo sind es am meisten Autos?

Mit weitem Abstand in Escorca. Die Tramuntana-Gemeinde hatte Ende 2018 gerade mal 211 Einwohner. Im Gemeindegebiet gemeldet waren zur gleichen Zeit aber 5.498 Autos. Statistisch besitzt damit jeder Einwohner gut 26 Autos. Bürgermeister Antoni Solivellas erklärt: „Ein großer Autovermieter hat seinen Steuersitz in Escorca. Alle Fahrzeuge des Unternehmens sind deshalb bei uns angemeldet."

Diesen Verzerrungseffekt gibt es in anderen Gemeinden nicht. Besonders viele Autos pro Einwohner gibt es vor allem in den wohlhabenderen Gemeinden, so etwa in Calvià, wo Ende 2018 auf 49.333 Bewohner 39.293 Autos kamen. Das entspricht 0,8 Autos pro Einwohner. Führend ist in dieser Kategorie auf der Insel die Gemeinde Deià. 620 Einwohner fahren dort 575 Autos – jeder Einwohner kommt damit statistisch auf 0,92 Pkw. In Andratx sind es mit 8.963 Autos bei 11.004 Einwohnern 0,81 Autos pro Bewohner und in Banyalbufar beträgt die Quote mit 389 Autos bei 503 Einwohnern 0,77. Valldemossa weist bei einer Auto-Quote von 0,76 insgesamt 1.471 Pkw auf. Die geringste Auto-Quote pro Einwohner verzeichnen Inca mit 0,58 (18.771 zu 32.137) und die Großstadt Palma mit 0,6 (245.124 zu 409.661).

Wie entwickeln sich die Verkäufe?

2018 wechselten auf den Balearen 69.993 Gebrauchtwagen ihre Besitzer, so die Zahlen von der Vereinigung der Autohändler Ancove. Das war im Vergleich zu 2017 ein Anstieg von 0,85 Prozent. Neu zugelassen wurden auf den Inseln im vergangenen Jahr laut Zahlen der Verkehrsbehörde DGT 34.750 Pkw.

Zwischen Januar und Mai dieses Jahres waren es laut den Zahlen der Verkehrsbehörde DGT 14.742 Neuwagen. Das sind 2.795 Autos oder rund 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit ist der Markt deutlich stärker als im Rest des Landes eingebrochen, wo die Verkäufe um rund fünf Prozent zurückgingen. Grund ist laut Andrés Vidal, dem Präsidenten des Verbandes der Autohändler auf Mallorca (Aseda), das neue balearische Klimaschutz-Gesetz. Es hat vor allem Auswirkungen auf den Diesel-Antrieb: Waren noch vor drei Jahren Diesel-Autos mit Abstand am meisten gefragt und verbuchten Verkaufsanteile von 60 bis 70 Prozent, hat sich diese Tendenz in­zwischen umgekehrt.

Von Januar bis April ­waren 66 Prozent der verkauften Neuwagen Benziner, 26 Prozent fahren mit Diesel und acht Prozent mit anderen Antrieben. Damit ist der Dieselanteil im spanienweiten Vergleich auf den Balearen deutlich niedriger. Ab 2025 dürfen keine Diesel-Autos mehr zugelassen oder auf die Inseln gebracht werden. Gefahren werden dürfen ab dann nur noch die Pkw und anderen Fahrzeuge, die ohnehin schon auf den Straßen unterwegs sind – und das noch bis zum Jahr 2050. Neue oder eingeführte Benziner sind ab 2035 verboten.

Wie sieht es mit den Elektroautos aus?

Die Balearen-Regierung hat auch deshalb die Umweltvorschriften im Klimaschutz-Gesetz derart verschärft, weil sie vor allem auf Elektromobilität setzt. Bisher fruchten diese Versuche noch nicht. Obwohl vor wenigen ­Wochen die Einrichtung von weiteren 561 Ladestationen bekannt geben wurde, krebst der Verkauf von Stromern weiter auf niedrigstem Niveau herum. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden auf den Balearen gerade mal 85 Elektroautos verkauft– sie weisen damit einen Marktanteil von 0,77 Prozent auf. Damit bewegen sich die Elektroautos auf den Inseln sogar noch unter dem ebenfalls verschwindend geringen spanienweiten Marktanteil von 0,94 Prozent.

Welche Autos fahren die Mallorquiner am liebsten?

Zwischen 2015 und Mai 2019 wurden laut der Verkehrsbehörde DGT auf den Inseln zwei ­Modelle gleichauf verkauft. Sowohl der Seat Ibiza als auch der Dacia Sandero kommen auf 4.513 Zulassungen, dicht gefolgt vom Hyundai i20 mit 4.397 Zulassungen auf Platz drei. Auf Rang vier steht der Opel Corsa mit 4.321 Zulassungen vor dem Hyundai Tucson mit 4.294 Exemplaren. Hyundai steht insgesamt bei den Neuzulassungen mit großem Abstand an der Spitze. 14.294 Autos des südkoreanischen ­Autobauers wurden seit Anfang 2015 zugelassen. Damit kommt Hyundai auf den Balearen auf einen Marktanteil von annähernd zehn Prozent. Auf Rang zwei liegt Peugeot mit 11.725 Zulassungen vor Opel mit 11.541.

Und im Luxusbereich?

Hier sind die Neuzulassungen auf den Balearen gering. An der Spitze unter den exklusivsten Herstellern lag 2018 laut DGT-Zahlen Porsche mit 313 Neuzulassungen, wovon allein 217 auf die beiden SUVs Macan und Cayenne entfallen. Auch bei Jaguar mit 295 Zulassungen sind die teuersten Modelle, wie etwa der XJ und der F-Type, mit zusammen gerade einmal 13 Zulassungen kaum vertreten. Daneben wurden 30 Maserati zugelassen, 13 Ferrari ­sowie jeweils zwei Bentley, Lamborghini, McLaren und Aston Martin. Die Elektro-Edelmarke Tesla kam auf 31 Neuzulassungen.

Wie viele Mietwagen gibt es?

Das variiert je nach Saison. Für den Sommer wird immer wieder die Zahl von 100.000 Mietwagen kolportiert, aber verlässlich gezählt habe sie bisher noch niemand, kritisiert Antoni Masferrer, der Präsident des Branchenverbandes Baleval, gegenüber der MZ. „Dabei wäre es so einfach, die Zahl der Mietwagen zu ermitteln, wenn die Verwaltung nur etwas Geld in die Hand nehmen und ein wirklich fundiertes Register erstellen würde. Allein, es fehlt der politische Wille." Derzeit sind nur etwas mehr als 41.000 Mietwagen offiziell registriert. Einigkeit herrscht in der Branche, dass diese Zahl nicht die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegelt. Der Verband der kleineren Vermieter Aevab kalkulierte zuletzt mit 120.000 Mietwagen in der Hauptsaison 2017. Die Balearen-Regierung sprach für denselben Zeitraum von 87.500 Fahrzeugen. Auf Mallorca gibt es etwa 140 Mietwagenfirmen.

Wer verkauft auf Mallorca die Autos?

Das Gros des Umsatzes machen einige wenige Autohäuser, von denen die größten Autovidal und Proa sind. Allein Autovidal im Polígono Son Castelló in Palma vertreibt 16 Marken, darunter Mercedes-Benz, Volvo, Fiat oder Kia. Proa hat neben BMW, Renault und Mini auch die Verkaufsschlager von Hyundai im Sortiment. Opel kauft man vor allem bei Isleña de Motores, einem weiteren großen Autohaus in Son Castelló. Auch Medimotors, wo vor allem Toyota angeboten wird, Nigorra (Nissan) und Awauto (VW) sind größere Händler. Daneben gibt es in vielen kleineren Orten lokale Autohäuser.

Wo gibt es Gebrauchtwagen?

Neben den Autohäusern, die sich üblicherweise in den Gewerbegebieten der größeren Städte befinden, gibt es vor allem in Palmas Randbezirken zahlreiche kleinere Geschäfte, die mit Gebrauchtwagen handeln. Dort lassen sich meist gute Schnäppchen machen. Der Vorteil, wenn man ein Auto beim Händler kauft: Er übernimmt die Ummeldung des Wagens üblicherweise gleich mit.

Und online?

Der Marktanteil der Online-Verkäufe ist geringer als in Deutschland, aber auch auf Mallorca wächst das Angebot. Die größten Portale sind vibbo.de und coches.net. Und auch bei Facebook gibt es Gebrauchtwagen. Im Marketplace können Autos eingestellt werden, und in der Gruppe „Second Hand Cars Mallorca/ coches de segundamano en Mallorca" werden jeden Tag etwa fünf neue Angebote veröffentlicht.

Sind Autos auf Mallorca teurer als in Deutschland?

Kommt auf das Modell an. Ein gebrauchter, etwa drei Jahre alter Seat Ibiza mit knapp 50.000 Kilometern kostet auf der Online-Plattform coches.net grob zwischen 9.000 und 12.000 Euro. Bei mobile.de werden dieselben Preise aufgerufen. Auf dem spanischen Festland sind diese Autos schon für unter 7.000 Euro zu haben. Nimmt man etwa einen VW Golf mit denselben Charakteristiken, dann beginnt die Preisspanne in Deutschland bei 11.800 Euro, während man auf Mallorca mindestens 12.500 Euro hinblättern muss. Auf dem spanischen Festland gibt es Angebote ab 10.000 Euro. Neu kostet der Seat Ibiza in Deutschland laut Listenpreis ab 14.880 Euro, in Spanien ab12.560 Euro. Ein VW Golf kostet in Deutschland laut Liste ab 19.520 Euro, in Spanien sind es 21.320 Euro.

Kann man auch gebrauchte Mietwagen kaufen?

Die Mietwagenfirmen auf Mallorca verkaufen normalerweise nach zwei Jahren ihre Fahrzeuge, wenn sie nicht der Hersteller wieder für ­einen vorher abgesprochenen Preis zurückkauft. Deshalb lassen sich auch dort häufig Schnäppchen machen. Hiper Rentacar beispielsweise bietet derzeit Mietwagen der kleinsten Modelle von Lancia, Opel, Fiat und Renault aus dem Jahr 2016 mit einer Laufleistung zwischen 50.000 und 70.000 Kilometer zu Preisen zwischen 7.000 und 9.000 Euro an. Auch bei Sixt oder Ok Cars gibt es die Möglichkeit, Mietwagen zu kaufen.

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