12. Januar 2020
12.01.2020

Startet die Filmindustrie auf Mallorca jetzt durch?

Spektakuläre und vielfältige Szenerien, einfache Genehmigungsverfahren: Auf der Insel fanden 2019 rund 300 Dreharbeiten statt. Der Erfolg der Krimi-Reihe „Mallorca Files" dürfte das Geschäft noch weiter beflügeln

12.01.2020 | 01:00
Besonders Palma ist als vielseitige Stadt bei den Filmemachern beliebt.

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Fernsehzuschauer in Deutschland erwartet voraussichtlich im Frühling die erfolgreichste Krimiserie, die je auf Mallorca gedreht worden ist. Die zehnteilige erste Staffel der „Mallorca Files", eine Kooperation zwischen der BBC, France 2 und ZDFneo (MZ berichtete), ist im November bereits von der BBC ausgestrahlt worden – mit einem Rekordergebnis für das Vorabendprogramm. Mehr als eine Million Zuschauer haben sich die erste Folge am 25. November angesehen, die auf dem nicht wirklich dankbaren Sendeplatz von 14.15 bis 15.00 Uhr täglich gezeigt wurde.

„Perfekt, um ein wenig Sonnenlicht zu tanken", schrieb die „Times". Und die „Daily Mail" verlautete: „Heißer als scharfe Tapas." Das Ergebnis ist für den Sender so erfolgreich, dass die erste Staffel gleich noch einmal auf BBC1 gezeigt wird, ab dem 4. Januar läuft sie jeweils am Samstagabend ab 18.30 Uhr. Mehr noch: Die Serie mit dem österreichischen Schauspieler Julian Looman (spielt den deutschen Kommissar Max Winter), der Britin Elen Rhys (Kommissarin Miranda Blake) und der Spanierin María Fernández Ache (Kommissarin Inés Villegas) ist bereits in mehr als 60 Länder verkauft worden, und die Dreharbeiten für die zweite Staffel haben bereits begonnen.

Einen genauen Sendetermin für Deutschland gibt es noch nicht, wie das ZDF auf MZ-Anfrage mitteilt. Die Vorbereitungen laufen aber bereits. Julian Looman übernimmt die Synchronisation seiner Figur selbst. Zwischen längeren Drehpausen fliegt er nach München, wo er in Acht-Stunden-Schichten Max Winter spricht. „Ich konnte es nicht ertragen, dass jemand anderes meine Stimme ersetzt", sagte er in einem Interview mit dem„Majorca Daily Bulletin".

Der Gute-Laune-Krimi, dessen beiden ersten Folgen beim Evolution Film Festival Premiere feierten, transportiert ein äußerst positives Bild der Insel in die Welt. „Wir haben uns auf die Schönheit der Insel konzentriert und an sehr vielen verschiedenen Orten gedreht", sagt Produzent Ben Donald. Neben den drei Kommissaren spiele die Insel eine weitere Hauptrolle. Natürlich geht es in den „Mallorca Files" um Mord und Totschlag, Kunst- und Juwelenraub, der Clou aber sind die eindrucksvollen Bilder, etwa von Verfolgungsjagden auf Palmas Stadtmauer, Ermittlungen auf dem Green des Golfplatzes Alcanada oder Partys in Luxusvillen über dem Meer.

Dan Sefton, der die Drehbücher der ersten Staffel schrieb, war im Vorfeld staunend über die ihm bis dahin weitgehend unbekannte Insel gefahren und hatte sich einen Schauplatz nach dem anderen angesehen. „Und das Beste war: Wir konnten dann auch fast überall sehr unkompliziert drehen – bei uns in Großbritannien sind die Genehmigungsverfahren viel aufwendiger", sagte er der MZ Ende Oktober am Rande der Premiere beim Evolution Film Festival.

Mit ihrem Erfolg könnten die „Mallorca Files" nun eine ohnehin schon bestehende Entwicklung noch einmal verstärken. „Die Balearen sind in Mode", sagt Pedro Barbadillo, der Leiter der Mallorca Film Commission, der mit seinem jahrelangen Einsatz für unkompliziertere Drehgenehmigungen einen Teil zum Erfolg beigetragen hat. Fast täglich gäbe es Anfragen aus der Branche, meist für spanische, deutsche und britische Produktionen. Daneben seien 2019 aber auch Filmteams aus Irland, Schweden, Mexiko, den USA, Tschechien, Dänemark, der Schweiz und Japan auf den Inseln tätig gewesen.

Beliebte Drehorte auf der Insel


Auf Mallorca seien neben Palma vor allem zehn Drehorte sehr beliebt, sagt Pedro Barbadillo. Vornan: das auf einer Landzunge gelegene, festungsähnliche Anwesen Sa Fortalesa in Port de Pollença (siehe Karte). „Dort haben die teuersten Produktionen stattgefunden, wie etwa ,The Night Manager' von BBC oder ,Turn Up Charlie' von Netflix." Die Streamingplattformen haben dazu beigetragen, dass sich die Zahl der Produktionen auf Mallorca erhöht haben.

Für „Turn up Charlie" mit Idris Elba wurde auch in Casa Roel an der Cala Serena (Felanitx) gedreht, von wo aus man einen fantastischen Blick aufs Meer hat. Die neue Netflix-Serie „White Lines" entstand zum Teil auf S'Estaca, der Erzherzog-Finca von Michael Douglas in Valdemossa.

Für Musikvideos beliebt sei Finca Niu de Voltor in Valdemossa. 2020 soll hier eine amerikanische Produktion gedreht werden. Auf einer weiteren Finca in Valdemossa fänden vor allem Modeshootings statt, wie etwa von Zalando.

Durch die Reality-Show „Love Island" bekannt geworden ist die Casa Amor in Sant Llorenç. In Santanyí stünden die Fincas Vaca Roja, The Neuendorf House und Es Rafal des Porcs hoch im Kurs, in Campos sei es Sa Barrala.

Rund 300 Dreharbeiten, von Film- und Fernsehproduktionen, Dokumentationen, Musikvideos bis hin zu Werbefilmen fanden 2019 nach Zahlen des Palma Film Office auf Mallorca statt. Der Großteil davon, nämlich 172, in Palma. Das Rathaus bezifferte die Einnahmen aus Dreharbeiten auf 5,7 Millionen Euro. Für Filmteams sei Palma so interessant, sagte Pedro Barbadillo der MZ in einem Interview, weil die Stadt viele unterschiedliche Architekturstile biete. „Von mittelalterlich bis islamisch, von Renaissance bis zum Modernismus und Futurismus, wie etwa im Parc Bit." 2020 erwartet Mallorca den spanischen Regisseur Benito Zambrano, der den Roman „Die Insel der Zitronenblüten" verfilmen will. Die MZ hält Sie auf dem Laufenden.

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