Teilhabe statt Abzocke: So geht sozialer und nachhaltiger Mobilfunk auf Mallorca

Gehen Mobilfunk, Festnetz und Internet auf Mallorca auch ohne Movistar & Co? Ja, wie die Kooperative Som Connexió aus Katalonien beweist

Gemeinsames Mitbestimmen und Transparenz gehören zu den Säulen von Som Connexió.

Gemeinsames Mitbestimmen und Transparenz gehören zu den Säulen von Som Connexió. / Som Connexió

Sophie Mono

Sophie Mono

Es klingelt kurz, dann ertönt bereits eine freundliche Frauenstimme. „Wie kann ich helfen?“, fragt sie. Kein Roboter, keine Warteschleife. Der Telekommunikationsanbieter Som Connexió brüstet sich geradezu mit seinem persönlichen Kundenservice – und hält, was er verspricht. Überhaupt sticht das gesamte Konzept aus dem Wust an Anbietern hervor, die sich teilweise mit penetranten Akquise-Offensiven um potenzielle Kunden reißen. Nicht so Som Connexió. „Wir sind nicht darauf aus, die Gewinne des Unternehmens zu maximieren, sondern die Gewinne der Menschen“, heißt es auf der Homepage. Der Anspruch: eine soziale, nachhaltige und menschliche Alternative zu den großen Konzernen sein. Gut für den Menschen und den Planeten.

„Eigentlich kann man es so erklären: Wir sind ein Zusammenschluss von Leuten, die gemeinsam gegen die großen Anbieter wie Movistar kämpfen, statt jeder für sich“, sagt Quim Guitart, Verantwortlicher für Partizipation bei Som Connexió. Die Genossenschaft gründete sich vor acht Jahren in Barcelona, nachdem sich mehrere Mitstreiter zusammengefunden hatten, die sich trauen wollten, die Spielregeln im hart umkämpften Telekommunikationsmarkt zu ändern. „Wir wollen das gesamte Modell umkrempeln. Das ist alles andere als leicht, aber es funktioniert“, so Quim Guitart. Zumindest im Kleinen: Die Genossenschaft hat mittlerweile gut 8.500 Mitglieder und spanienweit rund 19.000 Verträge für Mobiltelefonie, Internet- und Festnetzanschlüsse abgeschlossen. Das geht auch auf Mallorca. „Ich bin hochzufrieden“, sagt eine deutsche Kundin in Bunyola.

Für freie Netze

„Telekommunikation ist eine Grunddienstleistung, mit der keine Gewinne gemacht werden sollten“, findet Guitart. Tatsächlich sind die Preise moderat. Ein Handyvertrag mit Anruf-Flatrate und 10 GB mobilen Daten kostet im Monat 12 Euro. Der Internet- und Festnetzanschluss ist ab 34 Euro monatlich zu haben. Das geht aus einem intuitiv bedienbaren Tarifcheck auf der Homepage hervor. „Und es gibt kein Kleingedrucktes und keine bindende Vertragslaufzeit“, betont Guitart.

Das Geld, das übrig ist, wird in weitere Innovationen, in die Wiederverwertung und Secondhand-Nutzung gebrauchter Mobiltelefone und Router, sowie in Aufklärungskampagnen zum bewussten Medienkonsum oder in die Unterstützung sozialer Projekte gesteckt. „Jedes Mitglied hat vom ersten Tag an Stimmrecht und kann mitentscheiden, was mit dem Geld passiert“, so Guitart. Letztlich gehe es auch darum, Politik mitzugestalten. „Wir kämpfen für offene Netze, auf die alle Nutzer zu den gleichen Konditionen zurückgreifen dürfen.“

Der einfachste Weg, um zu Som Connexió zu wechseln, ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft. „Sie kostet einmalig 100 Euro, und kann in Raten abgezahlt werden. Dadurch sichern wir unsere Serviceleistungen und unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit. Man kann aber jederzeit wieder austreten und bekommt die 100 Euro dann zurück.“ Die Mitgliedschaft wird mit wenigen Clicks auf der Homepage abgeschlossen. Die Kunden können auf Spanisch und Katalanisch wählen, ob sie nur ihr Mobiltelefon, nur ihre Internetverbindung oder auch einen Festnetzanschluss oder alles drei über Som Connexió laufen lassen möchten. „Einzige Voraussetzung ist ein Wohnsitz in Spanien “, so Quim Guitart.

www.somosconexion.coop