Nach den starken Regenfällen: Was Mallorca gegen Moskitos unternimmt und wie man sich selbst schützen kann

Am Dienstag (4.6.) hat die Stadtverwaltung von Palma ihre Helikopter-Aktion über die Bühne gebracht, mit der sie gegen die Plagegeister vorgeht. Welche Tricks und Mittel Privatpersonen helfen können

Jedes Jahr bevor auf Mallorca der Sommer beginnt, geht die Stadtverwaltung von Palma per Helikopter gegen Stechmücken vor.

Jedes Jahr bevor auf Mallorca der Sommer beginnt, geht die Stadtverwaltung von Palma per Helikopter gegen Stechmücken vor. / ARZAYUS

Simone Werner

Die starken Regenfälle und teils sogar Überschwemmungen in Flughafennähe und an der Playa de Palma Anfang der Woche begünstigen in Kombination mit den danach gestiegenen Temperaturen das Schlüpfen von Mückenlarven. Wenn die vom Rathaus von Palma beauftragte Firma Lokímica von der Wetterprognose gewusst hätte, hätte sie die erst wenige Tage vorher gestartete aufwendige Kampagne mit Helikoptern (siehe unten) womöglich vertagt.

So oder so: Urlauber und Bewohner sollten sich für die kommenden Tage und den bevorstehenden Sommer auch privat besonders gegen Moskitos wappnen. Wie die Prognose eines Experten für 2024 lautet, was man tun kann, um möglichst nicht gestochen zu werden, und wie man den Juckreiz und die Entzündung mildern kann:

Diese Arten gibt es

Auf den Balearen gibt es laut Mückenexperte Mikel Bengoa von der Firma Anticimex zwölf verschiedene Moskito-Arten. Unangenehm für Urlauber und Residenten sind jeweils nur die blutsaugenden Weibchen. Nur sie stechen zu, da sie proteinhaltiges Blut zur Eiablage benötigen. Die drei Arten, von denen Menschen auf den Balearen am meisten betroffen sind, sind folgende:

Da ist zum einen die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), eine invasive Art, die auf den Balearen 2012 erstmals bei Bunyola entdeckt wurde und sich seitdem rasant verbreitet hat. Die etwa ein Zentimeter große, schwarz-weiß getigerte Mücke ist – anders als viele andere Arten – am Tag aktiv. Laut dem promovierten Biologen ist ihre Aktivität im September am höchsten. Die Tigermücke ist gefährlich, da sie Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen kann. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt es einen anhaltenden Aufwärtstrend bei der Zahl der aus Dengue-endemischen Regionen importierten Dengue-Fälle sowie eine steigende Zahl lokaler Ausbrüche von West-Nil-Virus-Infektionen und Dengue innerhalb der EU.

Auch aus Deutschland bekannt ist die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens), die etwas kleiner und bräunlich ist. Sie ist in den Abendstunden und nachts aktiv und kommt etwa häufig in der Nähe von Pools vor.

Die dritte im Bunde ist die sehr häufig vorkommende Art Aedes caspius. Die Mücken sind vor allem in landwirtschaftlichen Gegenden und Feuchtgebieten wie nahe der Albufera oder im Pla de Sant Jordi zu finden.

Diese Tricks helfen

Die oberste Regel im Kampf gegen Mücken ist, stehende Gewässer zu beseitigen. „Ich rate jedem, nach den Regenfällen am Haus alle Gefäße und Orte zu überprüfen, in denen sich Wasser gesammelt haben könnte“, so Bengoa. Also Untersetzer von Blumen und Hundenäpfe ausleeren, Regentonnen abdecken.

Moskitos werden unter anderem von einer Mischung aus Kohlendioxid, den wir ausatmen, und unserem Hautgeruch angezogen. Daher verwenden Experten wie Bengoa auch Fallen mit CO². Beim Geruch spielen generell sowohl Hormone wie auch die Anzahl von Milchsäurebakterien in der Haut sowie die Körpertemperatur eine Rolle. „Sie schwankt bei uns Menschen minimal. Schwangere etwa haben generell eine höhere Körpertemperatur. Und die lieben Moskitos“, so Bengoa. Zudem stürzen sich die nervigen Tiere eher auf dunkle statt helle Kleidung. „Ein schwarzes T-Shirt erwärmt sich eher als ein weißes. Zudem können sich Moskitos auf dunkler Kleidung besser tarnen“, erklärt Bengoa. Auch bestimmtes Parfüm kann für Moskitos besonders attraktiv sein. „Je fruchtiger, desto anziehender“, so Bengoa.

All dies zu beachten, reicht aber meist nicht aus, um nicht gestochen zu werden. Mitunter bleibt nur, Mückenschutz auf die Haut aufzutragen.

So sieht die gefürchtete Tigermücke aus.

So sieht die gefürchtete Tigermücke aus. / DM

Was noch hilft

In geschlossenen Räumlichkeiten schützen feinmaschige Fenstergitter und Netze. „Zumindest die Tigermücke ist kaum im Inneren von Häusern zu finden, andere Arten schon“, sagt Bengoa.

Zitronella-Kerzen kann der Wissenschaftler nicht empfehlen. „Bei der Tigermücke nützen sie gar nichts, auch bei den anderen Arten eher wenig.“ Wer Fallen kauft, sollte genau darauf achten, für welche Moskito-Arten sie jeweils sind, rät er. Auch Spiralen, die nach dem Anzünden ähnlich wie Räucherstäbchen langsam abbrennen, könne man in windgeschützten Bereichen auf der Terrasse anbringen, am besten so nah wie möglich am Boden. „Sie geben Rauch mit Insektiziden ab, der dann aufsteigt. Gesundheitlich ganz unbedenklich sind die Spiralen aber nicht.“

So können die Spiralen gegen Moskitos aussehen.

So können die Spiralen gegen Moskitos aussehen. / Petra van Delden-Bechert

Deutlich weniger schädlich seien die Insektenstecker, die man im Inneren der Wohnung oder der Finca anbringen kann. „Die Menge an Insektiziden, die sie ausstoßen, ist deutlich geringer“, so Bengoa.

Was tun nach einem Stich?

Die Tigermücke steche gerne rund um die Knöchel zu, die Gemeine Stechmücke rund um den Mund und die Arme, die Aedes caspius überallhin. Der Wissenschaftler weiß aus eigener Erfahrung, dass sich besonders die ersten Stiche sehr entzünden können. Mit jedem weiteren Stich gewöhne man sich an die Spucke der Moskitos, die für Schwellungen und Juckreiz verantwortlich sei. Vom Kratzen rät er stark ab. „So verteilt man die Spucke nur weiter auf der Haut.“

Die MZ-Leserin Petra van Delden schwört auf Moskito-Sticks.

Die MZ-Leserin Petra van Delden schwört auf Moskito-Sticks. / Petra van Delden-Bechert

MZ-Leserin Petra van Delden-Bechert, die seit 27 Jahren ein Haus auf Mallorca hat, schwört auf Mückensticks (siehe Foto, „Bite away“, 23 Euro, etwa zweimal pro Jahr in der Ideenwelt von Rossmann Deutschland). Sie werden nach dem Stich auf die Haut gehalten. „Durch Wärme wird die Zusammensetzung der Moskito-Spucke zerstört“, erklärt Mikel Bengoa. Denselben Effekt erziele man auch mit sehr niedrigen Temperaturen, etwa durch Eiswürfel. Da die Sticks in Spanien ein medizinisches Produkt, sind, darf die Drogeriekette Rossmann – wie auch andere Drogerien – sie hierzulande im Gegensatz zu Deutschland nicht verkaufen. „Es gibt sie nur in den parafarmacias“, so Spanien-Chef Stefan Frings.

Wer besonders viele Mücken hat und mit den gängigen Tipps und Mitteln nicht weiter kommt, muss private Firmen mit der Bekämpfung der Tiere beauftragen.

Palma sagt den Mücken per Helikopter den Kampf an

Neu ist sie nicht, dennoch sorgt sie immer wieder für Aufsehen: Schon seit Jahren startet Palmas Stadtverwaltung vor dem Sommer eine Helikopter-Kampagne gegen die Larven von Stechmücken. Vor allem in den Gebieten des Pla de Sant Jordi, etwa in Ses Fontanelles, rund um den Teich Can Guidet und in Es Pil·larí, rücken die Mitarbeiter der von der Stadt beauftragten Firma Lokímica den Tieren mit Bioziden aus der Luft zu Leibe. In diesem Jahr ging die Aktion am Dienstag (4.6.) vonstatten. Von der Kläranlage Edar 1 in s’Aranjassa aus flog ein Helikopter fast 40 Hektar Land ab. Experten hatten zuvor eine erhöhte Präsenz an Larven von Stechmücken bemerkt – wohl wegen der schon im Frühjahr vergleichsweise hohen Temperaturen.