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Herbstmärkte auf Mallorca: Welche sind Ramschbörsen und welche lohnen sich?

In den Dörfern von Mallorca stehen in diesen Wochen die traditionellen „Fires“ an. Einige davon halten, was die schmackhaften Namen versprechen, andere sind eher Ramschbörsen. Was Sie über die Herbstmessen wissen sollten

Bei der Olivenfira in Caimari halten sich viele Standbetreiber an das Motto.

Bei der Olivenfira in Caimari halten sich viele Standbetreiber an das Motto. / DM

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Sophie Mono

Sophie Mono

Was das Wetter betrifft, scheint es der Herbst in diesem Jahr auf Mallorca nicht eilig zu haben. Dass der Sommer trotz der hohen Temperaturen der vergangenen Wochen eigentlich schon längst vorüber ist, zeigt sich nicht zuletzt am vollen Veranstaltungskalender der Inseldörfer. Denn Herbstzeit ist Fira-Zeit. Wir haben das Wichtigste zu den Landwirtschaftsmessen für Sie zusammengetragen.

Nur wenige Stände der Pilzfira in Mancor de la Vall halten, was der Name verspricht.  | F.: CALVO

Nur wenige Stände der Pilzfira in Mancor de la Vall halten, was der Name verspricht. | F.: CALVO

Was ist eine fira?

Eine „fira“ (Mallorquinisch) oder „feria“ (Spanisch) lässt sich in etwa mit „Handelsmesse“ übersetzen – auch wenn der Begriff heutzutage nicht mehr ganz zutreffend ist. Genau genommen handelt es sich um thematische Märkte, die meist ein Wochenende lang in verschiedenen Inseldörfern organisiert werden. Neben zahlreichen Ständen lokaler Erzeuger stehen während dieser Tage oft auch kulturelle oder musikalische Darbietungen auf dem Programm.

Woher kommt die Tradition?

Einige der fires weisen eine jahrhundertealte Tradition auf und sind tief in der landwirtschaftlichen Gesellschaft der Insel verankert, die bis zum Beginn des Massentourismus der wichtigste Wirtschaftszweig Mallorcas war. Die ältesten Messen sind die von Inca, Sineu und Llucmajor und gehen auf das Mittelalter zurück. Tatsächlich wurden sie schon vor mehr als 500 Jahren dokumentiert. Die Herbstmessen dienten einst den Landwirten der Insel als Möglichkeit, ihre Ernteerzeugnisse im großen Stil anzupreisen, aber auch als Zusammentreffen mit anderen Bauern und Geschäftsleuten. Hier wurden Handelsabkommen geschlossen und Arbeitsgeräte ge- und verkauft.

Wie viel ist davon noch übrig?

Das kommt ganz darauf an, zu welcher fira man geht. Einige Gemeinden versuchen immer noch, so viel Tradition wie möglich beizubehalten und bemühen sich zumindest um einen heimelig-landwirtschaftlichen Anstrich mit vielen lokalen Produktständen und ansprechender Dekoration. Auf anderen dagegen herrschen schon lange eintönige Ramschstände vor, die wenig bis gar nichts mehr mit der Essenz der fires gemein haben. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Messen in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr Volksfestcharakter erlangt haben und die Bauern – wie auch in anderen Belangen – immer weiter in den Hintergrund gerückt sind.

Das sieht man auch daran, dass sich die Aussteller großer landwirtschaftlicher Maschinen mit ihren Treckern, Pflügen und Sämaschinen in den vergangenen Jahren immer mehr von den Herbstmessen zurückzogen. Zwar sorgten sie – gerade bei kleinen Messebesuchern – bis zuletzt für freudiges Staunen, und auch auf Touristen-Selfies machten sie sich gut, verkauft wurden sie aber kaum noch.

Die Vor-Messen vom „Dijous Bo“ sind auch bei Kindern beliebt.  | FOTO: GUILLEM BOSCH

Die Vor-Messen vom „Dijous Bo“ sind auch bei Kindern beliebt. | FOTO: GUILLEM BOSCH

Wo lohnt der Besuch?

Die lange – aber sicherlich auch nicht ganz vollständige – Liste der fires ist auf der Event-Kalender-Seite firesifestes.es aufrufbar. Beim Durchscrollen bekommt man schnell Lust auf einen Abstecher in die Dörfer. Allein schon die Namen machen Appetit: Olivenfira, Paprikafira, Pilzfira, Melonenfira,Tapasfira, Gambasfira,Käsefira, Steinfira, Blumenfira, Goldmakrelenfira, Honigfira Weinfira – es scheint, als gäbe es zu allem, was schmeckt, eine eigene Messe. Doch Vorsicht: Nicht alle halten auch wirklich, was sie versprechen. Die Stimmung bei der Paprikamesse (Fira del Pebre Bord) in Felanitx beispielsweise, die am vergangenen Wochenende startete, ist zwar allein schon wegen der zahlreichen Besucher gut – voll wird es eigentlich immer, denn der attraktive Name zieht auch viele Urlauber an. Doch die Zahl der Paprikastände ist minimal.

Ähnliches gilt für die Pilzmesse in Mancor de la Vall (23./24.11.), die sich eigentlich auf Mallorcas Blutreizker-Pilz spezialisiert, aber doch eher ein Potpourri aus Ökoprodukten jeglicher Art gepaart mit Kunsthandwerkerständen ist. Immerhin: In dem beschaulichen Tramuntana-Dorf bei Inca ist die Zahl der Billig-Ramschstände vergleichsweise gering, der Charakter des Dorfes lässt sich hier noch gut spüren. Positiv hervorzuheben ist auch die Fira d’Oliva in Caimari Ende September. Hier achtet das Rathaus bei der Auswahl der Stände darauf, dass diese thematisch zu Oliven passen. Ebenfalls empfehlenswert: Die Fira de Tardor in Marratxí am 2. und 3. November. Hier beziehen sich die Veranstalter im Namen bewusst auf die gesamte Jahreszeit, die Produkte sind aber größtenteils hochwertig und von hier.

Welche ist die größte Fira?

Ganz klar: Der Dijous Bo (Gute Donnerstag) in Inca, der in diesem Jahr am 14. November stattfindet. In der sonst wenig beachteten drittgrößten Stadt Mallorcas finden sich zu dem Anlass jährlich rund 200.000 Menschen von der ganzen Insel zusammen, um über den riesigen Jahrmarkt im Stadtzentrum zu laufen. Von Ausstellungen über organisierte Kinderspiele und thematisch sortierte Märkte bis zu einem breiten musikalischen Live-Programm ist hier für jeden etwas dabei. Tipp: Besser das Auto stehen lassen und auf die zahlreichen Sonderzüge und -busse zurückgreifen, die an diesem Tag nach Inca fahren.

Auch interessant: Um auf das Massenevent einzustimmen, finden an den drei vorherigen Wochenenden bereits die „Vorfires“ in Inca statt. Während die erste der drei bereits am vergangenen Wochenende zahlreiche Workshops und Darbietungen zum Thema Erde und Landwirtschaft bot, steht am kommenden Wochenende (26./27.10) die Sport- und Freizeitfira an, bei der das Rathaus von Inca und das Veranstaltungskomitee zahlreiche Wettkämpfe und Spiele für die ganze Familie auf die Beine stellen. Am 2. und 3. November findet dann die Fira d’Epoca statt, bei der diverse historische Epochen – vornehmlich das Mittelalter – thematisch und inhaltlich aufgegriffen werden.

Fazit

Die Fires sind mal mehr, mal weniger originell und haben kaum noch etwas mit ihren Ursprüngen zu tun – zumal so manche Messe auch erst in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist. In jedem Fall sind sie aber ein guter Anlass, die Dörfer näher kennenzulernen.

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