Weihnachten auf Mallorca: Diese vier Highlights sollten Sie auf keinen Fall verpassen
Es gibt viel zu tun, packen wir’s an: Krippen bestaunen, die Kathedrale auf Deutsch erleben, gemeinsam das große Los ziehen und den Heiligen aus dem Morgenland huldigen

Die Christvesper in der Kathedrale ist für viele ein fester Termin. / MZ
Genau hinsehen
Ohne über deutsche Weihnachtstraditionen lästern oder die Krippenhochburg Bamberg abwerten zu wollen, aber gegenüber den mallorquinischen belenes, oder vielmehr Krippenlandschaften, können die meisten deutschen Krippen einpacken. Ob in Ortschaften, Kirchen, Rathäusern, Geschäften: Einen Großteil der aufwendigen Miniatur-Landschaften haben Bewohner und Urlauber dem mallorquinischen Verein für Krippenbauer zu verdanken (betlemistes.com). Die meisten der Krippen haben sogar eigene Öffnungszeiten, was ebenfalls auf ganz anderen Dimensionen schließen lässt.
Oft, etwa zu den Stoßzeiten im Kulturzentrum La Misericòrdia (geöffnet bis 6. Januar, täglich von 10 bis 14 und 17 bis 21 Uhr), muss man sich an der Glaswand, die die Krippenlandschaften umgibt, erst einmal einen Platz erkämpfen. Das lohnt sich: Denn nur wer nah genug dran ist und ganz genau hinschaut, entdeckt weitere Unterschiede zu den Krippen, wie man sie etwa aus Deutschland kennt. Statt Maria, Josef, dem Jesuskind, den Heiligen Drei Königen und, wenn’s hochkommt, noch Engeln und Schafen, gibt es reichlich Lokalkolorit: Viele Krippen bilden Mallorca ab – von Mühlen und Dörfern mit Marktszenen über Bräuche der Einheimischen bis zu Alltagsszenen aus dem Leben traditioneller Berufsgruppen.

Wer bei den Krippenlandschaften ganz genau hinschaut, kann etwa im Kulturzentrum La Misericòrdia viel Mallorca entdecken. / Miquel Massuti
Zwei besondere Figuren unter den Einheimischen
Und dann mischen sich unter die Einheimischen-Figuren oft noch andere hierzulande typische Nebendarsteller: Da ist zum einen der caganer. Die Tradition rund um den Mann mit heruntergelassener Hose, der sich erleichtert, stammt aus Katalonien. Ihm leistet in der Krippe der für Mallorca typische fraile, eine Mönchsfigur, Gesellschaft.
Wer sich daran sattgesehen hat und neugierig ist, wie über 1.100 Krippenfiguren aus 59 verschiedenen Ländern und 30 Provinzen Spaniens aussehen, kann bis zum 4. Januar auch das Centro de Historia y Cultura Militar in Palmas Einkaufsstraße Carrer Sant Miquel ansteuern. Neu im Programm ist in diesem Jahr zudem eine ganz andere Krippe. Sie steht ab dem 14. Dezember in der Parròquia de la Encarnació in Palma und soll an die Opfer der Flutkatastrophe in Valencia erinnern. Doch Achtung: Auch hier könnte es eng werden: Es sollen sich schon zahlreiche Schulklassen angemeldet haben, um die umgestürzten Autos, abgebrochene Äste, den Schlamm und die Verwüstung zu sehen. /sw
Mitsingen
Wirklich verwunderlich ist es nicht, dass die ökumenische Christvesper in der Kathedrale an Heiligabend für viele deutschsprachige Residenten und ihre Familien, die zu Besuch sind, jedes Jahr aufs Neue ein Pflichttermin ist: Wenn Hunderte deutschsprachige Besucher in der prachtvoll geschmückten Seu gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht“ anstimmen, ist Gänsehaut garantiert. Der seit 1971 gemeinsam von der evangelischen und katholischen Gemeinde organisierte Gottesdienst, ist ein Hochamt der deutschsprachigen Inselresidenten – zu kaum einer anderen Gelegenheit kommen so viele von ihnen zusammen. Der Andrang ist so groß, dass es gleich zwei Christvespern hintereinander sind: um 15.30 Uhr mit Bischof Sebastià Taltavull und dann noch mal um 17 Uhr.

Zu Weihnachten erstrahlt die festliche geschmückte Kathedrale La Seu noch einmal in einem ganz anderen Licht. Auch bei der deutschsprachigen Christvesper. / SEBASTIÀ TERRASSA
Die evangelische Pfarrerin Martje Mechels und Pfarrer Holmfried Braun werden die Besucher begrüßen und Gebete und den Segen sprechen. Der katholische Pfarrer Andreas Falow übernimmt die Predigt. Katholiken und Protestanten wechseln sich mit Organisation und Predigt ab. Für die Musik sorgen Sopranistin Waltraud Mucher, Organist Tomeut Mut und Saxofonist Norbert Fimpel. Wer mit den Mallorquinern feiern und den Sibyllengesang hören will, muss länger aufbleiben: Die Misa del Gallo wird an Heiligabend um 23 Uhr in der Kathedrale gefeiert. /sw/br
Glück haben
El Gordo, Lotería de Navidad, die spanische Weihnachtslotterie. Längst prangen auch in Deutschland Plakate an den Wänden, die für den Kauf eines Loses werben, um sich den „Dicken“ zu sichern. (Noch der harmloseste Spruch von Lottoland: „El Gordo auf den Zettel oder ich knack dir die Nüsse“.) The real thing aber ist und bleibt diese gigantische Lotterie in Spanien. Bei Ihrem Bäcker um die Ecke, in Ihrer Autowerkstatt, auf Arbeit. Auch dort werden seit Wochen und Monaten die Lose (décimos, 20 Euro) oder zumindest Anteile daran (participaciones) verkauft. Die Weihnachtslotterie, das ist ihr perfides Erfolgsgeheimnis, spielt man gemeinsam.
Wir setzen alle auf die gleiche(n) Nummern(n) und liegen uns in den Armen, wenn der Gordo bei uns landet. Das ist der Traum, der uns mitmachen lässt. Oder: Alle anderen Kunden/Kollegen/Freunde/Verwandten liegen sich in den Armen – und ich Idiot habe dieses Mal nicht mitgemacht. Das ist der Albtraum, der uns mitmachen lässt. Zumal es hier nicht nur um den Gordo geht (400.000 Euro für ein Zehntellos mit der richtigen fünfstelligen Zahl, die in 193 Serien ausgegeben wird), sondern noch um andere Haupt- und Nebenpreise.

Dabei sein ist bei der spanischen Weihnachtslotterie alles. / Eduardo Parra
Die Lotería de Navidad schüttet dieses Jahr 2,7 Milliarden Euro aus. Angesichts solcher Summen ist nicht immer, aber doch immer wieder etwas für den Einzelnen mit dabei. Und sei es nur ein reintegro, die Gelderstattung dafür, dass auf dem eigenen Los zumindest die letzte Ziffer mit der des Gordos übereinstimmt, und man sich gemeinsam nicht mehr ganz so blöd fühlt, das Geld auf den Kopf geschlagen zu haben. Und nächstes Jahr wieder mitmacht. Die Ziehung mit den von Kindern gesungenen Gewinnzahlen erfolgt am 22. Dezember in Madrid und wird im ganzen Land übertragen. Bleiben Sie dran! /ck
Kamelle fangen
Wer in Köln sozialisiert wurde, muss sich ein „D’r Zoch kütt!“ verkneifen. Denn wenn die Heiligen Drei Könige mit ihrem Gefolge am 5. Januar durch Palma ziehen, hat das bunte und ausgelassene Spektakel, bei dem auch Süßigkeiten verteilt werden, unverkennbare Ähnlichkeiten mit Karneval. Auch in den Inseldörfern sind die Gäste aus dem Morgenland unterwegs – zwar in kleinerem Umfang, dafür aber mitunter spektakulär: In Binissalem etwa landen die Weisen mit einem Sportflugzeug. Ganz old school, mit einem traditionellen mallorquinischen Boot, treffen die reyes hingegen um 18 Uhr an der alten Hafenmole von Palma ein, wo der Umzug startet.

Die Heiligen Drei Könige kommen auf Mallorca gerne mit buntem Gefolge. / B. Ramon
Vergangenes Jahr waren 14 geschmückte Wagen und rund 350 verkleidete Wesen an der cabalgata beteiligt. Auch für deutsche Kinder, die ihre Geschenke schon am Heiligabend bekommen haben und nicht erst sehnsüchtig darauf warten müssen, ihre Gaben von Melchor, Gaspar und Baltasar gebracht zu bekommen, ist das ein Highlight. Tausende Menschen säumen die Straßen, um den fantasievollen Umzug zu bestaunen und den Heiligen Drei Königen zuzuwinken. /br
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