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Im Notfall sicher nach Hause: Was nach einem schweren Unfall auf Mallorca zu tun ist

Wenn im Urlaub auf Mallorca ein Unglück passiert und man auf eine medizinische Behandlung in Deutschland angewiesen ist, helfen Organisationen bei dem Transport in die Heimat. Doch die Kosten dafür sind hoch

Die Deutsche Auslandsrückholung stellt auch auf Mallorca Rettungswagen und Ambulanzflugzeug bereit.

Die Deutsche Auslandsrückholung stellt auch auf Mallorca Rettungswagen und Ambulanzflugzeug bereit. / Deutsche Auslandsrückholung

Was es heißt, wenn der Urlaub zu einem Albtraum wird, musste die Familie Staiger aus dem Schwarzwald im vergangenen Oktober erfahren: Ihr Sohn Patrick lag nach einem schweren Unfall auf Mallorca im Koma. Die Schocknachricht erreichte den Vater in Deutschland: Schädelhirntrauma, mehrere Wirbel gebrochen. „Das Fegefeuer ist ein Kindergeburtstag dagegen“, schilderte Eberhard Staiger gegenüber dem „Südkurier“ seine Gefühlslage nach der Hiobsbotschaft.

Patrick muss in Deutschland behandelt werden

Die spanischen Ärzte hatten sich vor Ort darum gekümmert, dass der Druck in Patricks Kopf nicht steigt. Auch nach zwei Wochen lag der Schwarzwälder auf der Insel noch immer im Koma. Für seinen Vater war klar: Sein Sohn muss zurück nach Deutschland. Doch das stellte die Familie vor eine große Herausforderung. Ein Krankenrücktransport wird unabhängig vom Urlaubsort grundsätzlich nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Ohne gültigen Versicherungsschutz steht man schnell vor einem Berg an Kosten.

Ambulanzflug starten bei 25.000 Euro

„Ein Ambulanzflug von Mallorca nach Deutschland startet bei 25.000 Euro. Je nach Behandlungsbedarf des Patienten kann es sogar noch teurer werden“, erklärt Roland Brüggemann, Leiter der Malteser Assistance. Neben dem Transport in der speziell ausgestatteten Maschine sei aber auch der Transport in einem Linienflugzeug möglich. Das kostet ab Mallorca laut Brüggemann inklusive medizinischer Begleitung ab 6.000 Euro.

Die Malteser sind eine von mehreren Organisationen, die sich um den Krankenrücktransport nach Deutschland kümmern. Mittlerweile ist Malteser Assistance für 25 Versicherungen tätig, befördert jedoch auch Personen ohne Versicherungsschutz, die die Kosten dann selbst tragen. Eine Auslandskrankenversicherung, die im Notfall einen Rücktransport nach Deutschland mitversichert, ist also immer empfehlenswert, wenn hohe Kosten vermieden werden sollen.

Deutsche Auslandsrückholung kümmert sich um Patienten

Auch die Deutsche Auslandsrückholung kümmert sich um die Überführung von deutschen Patienten in ihr Heimatland. „Nach einem ersten Telefongespräch mit dem Betroffenen oder den Angehörigen sowie der Abklärung der medizinischen Situation berechnen wir dem Patienten ein erstes Kostenangebot. Im Versicherungsfall wird dieses dem Versicherer vorgelegt“, erklärt Adam Mikulski, der Geschäftsführer der Mutterfirma Vendana GmbH. Ob der Versicherer die Kosten schließlich übernimmt, sei abhängig von den jeweiligen Vertragsbedingungen.

Neben der Deutschen Auslandsrückholung kümmern sich auch die Malteser um den Transport.

Neben der Deutschen Auslandsrückholung kümmern sich auch die Malteser um den Transport. / Malteser

Transport des Patienten eigenständig organisiert

Den Rücktransport organisiert die Deutsche Auslandsrückholung dann „aus eigener Hand“. Das bedeute, heißt es auf der Website, „dass wir auf Mallorca einen Kranken- oder Rettungswagen bereitstellen können, der den Patienten samt Begleitperson in der behandelnden Klinik oder von zu Hause abholt und unmittelbar zu dem am Flughafen wartenden Ambulanzflugzeug bringt.“ Der Patient werde dabei durchgehend von einem Ärzteteam sowie weiterem medizinischen Fachpersonal begleitet. Voraussetzung ist auch eine Aufnahmebestätigung eines Krankenhauses in Deutschland. Darum kümmere sich dann aber die Deutsche Auslandsrückholung und nicht der Patient.

Ambulanzflugzeuge werden oft unterschätzt

Wichtig sei auch die vorherige Einschätzung der medizinischen Lage durch die Ärzte vor Ort, denn nur nach Absprache kann der Transport erfolgen. Der Flug dürfe die Genesung des Patienten auf keinen Fall gefährden. „Auf Mallorca haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kooperationsbereitschaft der Ärzte hoch ist. Es kommt aber auch vor, dass die medizinische Ausstattung an Bord eines Ambulanzflugzeugs unterschätzt wird“, schildert Adam Mikulski. Die Maschinen verfügen über eine intensivmedizinische Standardausrüstung. Dazu gehören neben 6.000 Litern medizinischem Sauerstoff, Intensivbeatmungsgeräten und einem Multifunktions-EKG auch ein Blutgasanalysegerät sowie ein biphasischer Defibrillator.

Der Patient kann an Bord eines Ambulanzflugzeugs intensivmedizinisch betreut werden.

Der Patient kann an Bord eines Ambulanzflugzeugs intensivmedizinisch betreut werden. / Malteser

Mallorca auf Grund von Tourismus häufiges Ziel

Die Bereitstellung des Rücktransports erfolge relativ schnell. „In extremen Notfällen können wir schon am selben Tag eintreffen, in der Regel aber spätestens am Folgetag“, erklärt Roland Brüggemann von den Maltesern. Mallorca sei aufgrund der vielen deutschen Urlauber ein Ziel, das häufig angeflogen wird. Gerade in den Sommermonaten gäbe es immer wieder Einsätze auf der Insel. „Die Malteser haben im vergangenen Jahr insgesamt 35 Personen von Mallorca zurückgeholt. Davon 16 Personen mit einem Ambulanzflug und 19 Personen per Linienflug“, sagt Roland Brüggemann. Alle Patienten seien dabei komplikationslos und sicher am Ziel angekommen.

Patrick Staiger hatte keine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Der Schwarzwälder liegt inzwischen in einem deutschen Krankenhaus. Die Familie konnte die Kosten für den Transport nur mit einer Spendenkampagne finanzieren.

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