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Darf man die Orangen auf Mallorca direkt vom Baum pflücken?

Ist es erlaubt, die Zitrusfrüchte zu stibitzen? Und wenn ja, schmecken sie dann überhaupt?

Das Tal von Sóller ist für seine Orangen, Zitronen und Clementinen bekannt.

Das Tal von Sóller ist für seine Orangen, Zitronen und Clementinen bekannt. / Nele Bendgens

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Sarah López

Sarah López

Wer zurzeit mit offenen Augen die Straßen in Palma oder an anderen Orten entlangläuft, sieht die Orangen an den Ästen baumeln. Im Carrer Arxiduc Lluis Salvador in Palma etwa schmücken sie wie Weihnachtskugeln die Bäume. Die Versuchung dürfte bei einigen groß sein, ein paar der Früchte zu pflücken. Gratis-Orangen auf der Straße – das klingt nach einer feinen Sache.

Ist es erlaubt die Orangen zu pflücken?

Aber darf man einfach so die Orangen vom Baum stibitzen? Die einfache Antwort: Man darf. Die Frage ist eher, ob man es möchte. Denn beim Geschmack könnte es schnell eine Enttäuschung geben. Bei den Orangen, die in den Straßen hängen, handelt es sich nämlich um eine besondere Sorte von Bitterorangen, die alles andere als süß-sauer schmecken. Aus dieser speziellen Sorte werden Marmelade oder ätherische Öle hergestellt, aus den Blättern Tee. Für den Verzehr oder als Saft sind die Bitterorangen nicht geeignet.

Und nicht nur das: „Es könnte sogar ungesund sein, sie zu essen“, erklärt María José Bastante, Agraringenieurin und Dozentin an der Universitat Politècnica de València, in einem Interview mit der spanischen Zeitung „La Vanguardia“. „Die Schale nimmt die Abgase der Autos auf. Oft stehen die Bäume an stark befahrenen Straßen und sind hoher Luftverschmutzung ausgesetzt“, sagt die Forscherin. „Zudem pinkeln Hunde an die Stämme oder Anwohner kippen nach dem Wohnungsputz ihren Eimer mit Wasser und Bleichmittel in die Erde“, fügt sie hinzu. Hauptsächlich stünden die Bäume da, weil sie das Straßenbild schmücken und im Frühling einen angenehmen Duft nach Orangenblüten versprühen. „Außerdem verursachen ihre Wurzeln keine Schäden, im Gegensatz zu denen von vielen anderen Bäumen, die den Asphalt anheben.“

Dürfen im Orangenparadies Sóller die Früchte stibitzt werden?

Auch im Orangental rund um Sóller sind die Orangen, die öffentlich auf der Straße hängen, „reine Schmuckelemente und nicht für den Verzehr geeignet“, wie Guillem Puigserver, Agraringenieur bei der landwirtschaftlichen Kooperative in Sóller, der MZ erklärt. Er rät auch davon ab, bei einem Spaziergang durch die Zitrusfruchtfelder Orangen zu pflücken – auch wenn es sich hierbei um die Tafelorangen handelt. Zwar hagle es keine Geldstrafen, aber die Felder seien Eigentum der Landwirte. „Angesichts der gesundheitlichen Risiken würde ich es auch nicht empfehlen, die Früchte zu essen. Man weiß nicht, wann die Orangenhaine das letzte Mal mit Chemikalien besprüht wurden“, sagt der Mallorquiner.

Orangen als Souvenir mitnehmen

Deshalb sei es auch keine gute Idee, Orangen auf offensichtlich verlassenen Feldern zu pflücken. Auch hier könne der Laie nicht wissen, ob sie wirklich essbar sind. Wer sich bei einem Spaziergang im Orangental eine Frucht als Souvenir mitnehmen möchte, findet sie direkt am Straßenrand. „Viele Landwirte im Dorf stellen vor ihrer Haustür Körbe mit Orangen und Zitronen auf – einige auch an die Felder. Hier können sich Spaziergänger kostenlos Früchte mitnehmen“, sagt Puigserver.

Die Bitterorangen werden in Valencia häufig maschinell geerntet und zu Dünger verarbeitet. Was in Palma mit den herrenlosen und bitteren Früchten passiert, kann die Stadtverwaltung auf Anfrage nicht sagen. 2020 beispielsweise taten sich Anwohner des Altstadtviertels Canamunt zusammen, um an der Plaça Banc de l’Oli 40 Kilogramm der Früchte zu ernten und daraus Marmelade herzustellen. Diese wurde an bedürftige Familien verschenkt oder selbst behalten. „Jährlich fällt allein auf diesem Platz eine halbe Tonne Orangen an, die bisher als ungenießbar galten und von niemandem geerntet wurden. Auch an anderen Orten in Palma hängt das Essen nur so an den Bäumen und wird nicht genutzt“, erklärten damals die Initiatoren der Aktion.

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