Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Delfine auf Mallorca: So läuft eine Beobachtungstour wirklich ab

Viele Anbieter garantieren die Sichtungen. Wie machen sie das? Und ist das für die Tiere genauso schön wie für die Menschen?

Delfine kommen auf Mallorca schon häufiger vor

Delfine kommen auf Mallorca schon häufiger vor / Tursiops

Sarah López

Sarah López

Mit einem Katamaran in den Sonnenaufgang segeln, während Delfine im goldenen Licht der ersten Sonnenstrahlen durch das Mittelmeer gleiten – eine Szene wie aus dem perfekten Werbespot für Mallorca. Und tatsächlich: Eine schnelle Internetsuche zeigt, dass dieser Traum ab 32,50 Euro pro Person buchbar ist. Aber wie viel Wahrheit steckt in diesem idyllischen Bild? Ist es wirklich so einfach, Delfine auf Mallorca zu sichten?

Rund ein Dutzend Touren

Auf Plattformen wie "Sunbonoo" oder „Get Your Guide“ werden derzeit rund ein Dutzend Delfintouren angeboten. Acht Anbieter organisieren die Ausflüge. Sie starten von unterschiedlichen Orten der Insel – Port d’Alcúdia, Can Picafort, Port de Pollença, Santa Ponça, Peguera und sogar Palma. Gerade zur Osterzeit sind viele dieser Touren ausgebucht, was für ihre Beliebtheit spricht. Der Anbieter „Alcudia Sea Trips“ etwa bietet bis zu vier verschiedene Ausflüge täglich an und verspricht: „Sollten keine Delfine gesichtet werden, kann man kostenlos an einer weiteren Tour teilnehmen.“

In Kombination mit weiteren Aktivitäten

Viele Touren finden zum Sonnenaufgang oder -untergang statt und dauern zwischen zwei und drei Stunden. Zu diesen Zeiten soll die Chance, Delfine zu sichten, am höchsten sein. Neben der Delfinbeobachtung kombinieren viele Anbieter das Erlebnis mit anderen Aktivitäten – etwa einem Besuch von Meereshöhlen, einem Badestopp oder einer Schnorcheleinheit. Die Touren werden oft in mehreren Sprachen angeboten: Spanisch, Englisch, Deutsch und Französisch. Bei einigen Schiffen gibt es sogar eine Bar und Essensmöglichkeiten. Andere bieten ein Frühstück während der Beobachtungstour. An Möglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht. Und Informationen zu den Meeressäugetieren soll es an Bord auch geben.

Wunderschöne Drohnenaufnahme: Eine Delfinschule schwimmt vor der Küste von Mallorca

Duna Márquez

Die Boote unterscheiden sich stark: von Schlauchbooten mit maximal acht Personen über Katamarane mit mehr als 250 Passagieren bis hin zu Glasboden-Schiffen. Auch bei den Preisen ist alles dabei: Schnäppchen für 32,50 Euro oder Angebote in kleinerem Kreis ab 120 Euro pro Person. Besonders häufig werden Delfine in der Nähe des Cap de Formentor im Norden Mallorcas gesichtet, aber auch Anbieter im Südwesten operieren mit Sichtungsgarantie. Irgendwo zwischen Port d’Andratx und Sa Dragonera soll der „geheime Spot des Kapitäns“ liegen, an dem die Meeressäugetiere beobachtet werden können.

Gibt es so viele Delfine?

Wie viele Delfine es überhaupt in den Gewässern rund um Mallorca gibt, ist nicht ganz klar. „Bei der letzten Schätzung waren es rund 750“, sagt Txema Brotons, wissenschaftlicher Direktor von Tursiops. Die Meeresschutzorganisation setzt sich seit über 25 Jahren für Wale und Delfine im Mittelmeer ein, vor allem rund um Mallorca.

„Viele haben das Gefühl, es gäbe Tausende Delfine in Mallorcas Gewässern. Das liegt daran, dass sich die Tiere sehr nahe an die Küste wagen und man sie ständig sieht“, erklärt der Biologe. Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) – die Delfinart, die am häufigsten vor Mallorca vorkommt – bevorzugt zudem flache Gewässer und taucht selten tiefer als 200 Meter. „Vor allem im Winter kann man Delfine an der Küste sichten: Sie schwimmen sogar in der Nähe der Häfen und in den Buchten.“ Auf der Suche nach Futter zieht es sie in die Bucht von Palma oder nach Portocolom, denn die Gewässer sind dort im Winter wärmer und ruhiger als im Sommer.

Hier springt ein Delfin in der Bucht von Palma aus dem Wasser

Redaktion DM

Den Delfinen auf Mallorca geht es vergleichsweise gut: Geringer Fischereidruck und wenig Meeresverschmutzung bieten akzeptable Lebensbedingungen. „Der Tourismus auf der Insel hat natürlich Auswirkungen, aber es handelt sich um ein saisonales Phänomen, mit dem die Tiere gut umgehen können“, sagt Brotons.

Auch Wale werden gelegentlich an der Küste gesichtet. Erst am vergangenen Wochenende (19.–20. April) waren zwei Finnwale (Balaenoptera physalus) in der Nähe des Leuchtturms von Formentor unterwegs. Es ist nicht das erste Mal, dass die Durchreise von diesen riesigen Meeressäugern nahe Mallorca zu dieser Jahreszeit dokumentiert werden konnte – sie ziehen im Frühling in südlichere Gewässer.

Spektakuläre Aufnahmen vor dem Kap Formentor: Zwei Finnwale gesichtet

Josep Canyelles

Wie werden Delfine geortet?

Obwohl viele Touristen von einem einzigartigen Erlebnis berichten, gibt es auch kritische Stimmen in den Bewertungen der Touren. Einige sprechen von Massenabfertigung mit bis zu 150 Personen auf einem Boot. Andere merken an, dass teilweise Fische ins Wasser geworfen werden, um Delfine gezielt anzulocken – eine Praxis, die aus tierschutzrechtlicher Sicht bedenklich ist. Das betroffene Tourismusunternehmen bestreitet dies auf Anfrage der Mallorca Zeitung, doch Brotons äußert ebenfalls Zweifel daran, dass die Anbieter die Delfine ganz ohne Hilfe aufspüren: „Wahrscheinlich stehen sie in Kontakt mit dem Kapitän eines Schleppnetzbootes, der früh am Morgen rausfährt und in Küstennähe fischt. Dieser meldet vermutlich, wo sich die Delfine aufhalten.“

„Wir machen kein großes Geheimnis draus.“

Ein Mitarbeiter eines Anbieters im Norden der Insel erklärt das Vorgehen ganz offen: Man fahre den Fischern hinterher oder suche die Schleppnetzboote per Radar. „Wo sie genau sind, ist öffentlich bekannt“, so der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Diese Techniken würden auch alle anderen Unternehmen in der Region anwenden und auch den Besuchern sei das bewusst: „Wir machen kein großes Geheimnis draus.“ Nachdem die Schleppnetze eingeholt wurden, sei dort für die Delfine viel Futter zu finden – ein perfekter „All you can eat“-Moment.

Zwei Delfine verzücken die Strandbesucher in Palmanova auf Mallorca

Simone Werner

Alles ethisch und vertretbar?

Genau deshalb sieht der Meeresforscher und Aktivist diese Touren auch nicht als besonders tierfreundlich an. „Wer möchte beim Essen schon eine Schar Touristen um sich herum haben?“, fragt er im Gespräch mit der MZ. Außerdem zweifelt er daran, dass die Anbieter die Schutzgesetze für Meeressäuger tatsächlich ernst nehmen. „Das Gesetz zur Festlegung von Maßnahmen zum Schutz von Meeressäugetieren schreibt vor, mindestens 50 Meter Abstand zu den Tieren zu halten. Außerdem darf das Boot nicht schneller fahren als das langsamste Tier“, erklärt Brotons. Diese Regelung gilt seit 2008 für Wale und Delfine in spanischen Gewässern.

„Wir halten uns alle daran“

Nicht nur der Biologe kennt die geltenden Bestimmungen – auch der Mitarbeiter des Anbieters im Norden der Insel versichert, die Vorschriften zu respektieren. „Wir halten uns alle daran“, erklärt er am Telefon.

Einige Unternehmen werben damit, zum Schutz der Delfine und ihres Lebensraums beizutragen. Darüber kann Brotons nur den Kopf schütteln: „Solche Touren stressen die Tiere nur.“ Er fügt hinzu, dass keiner der Anbieter mit Tursiops im Austausch steht oder in irgendeiner Form mit der Hilfsorganisation zusammenarbeitet. Von konkreten Vorfällen auf Mallorca, bei denen Delfine verletzt oder misshandelt wurden, weiß Brotons allerdings nichts – in anderen Regionen sei das aber bereits vorgekommen.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents