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Mehr als nur gebrauchte Kleidung: LUP in Palma bringt Nachbarn, Nähmaschinen und neue Ideen zusammen

Bei LUP in Palma gibt es nicht nur Secondhand-Kleidung, sondern auch Nähkurse zum Reparieren eigener Stücke

Pía Faraco (links) erklärt Kundin Lilian (rechts), wie sie die Nähmaschine bedienen muss. Der Kleider-Upcycling-Service ist kostenlos.

Pía Faraco (links) erklärt Kundin Lilian (rechts), wie sie die Nähmaschine bedienen muss. Der Kleider-Upcycling-Service ist kostenlos. / SARAH LÓPEZ

Sarah López

Sarah López

Secondhand ist längst mehr als nur ein Trend. Auch auf Mallorca. Ob günstige Einzelteile vom mercadillo oder hochwertige Vintage-Schätze: Für jeden Stil und Geldbeutel gibt es etwas. Bei LUP, dem Laden von Marion Hassler nahe der Markthalle in Palmas Einwandererviertel Pere Garau, geht es nicht nur um gebrauchte Kleidung, sondern auch darum, unsere Konsumgewohnheiten generell zu durchbrechen.

Vom Viertel fürs Viertel

„Unsere Idee ist, dass die im Viertel getragene Kleidung wieder in den Laden zurückfindet – kilómetro cero. Wir exportieren nichts, wir importieren nichts“, sagt die deutsche Betreiberin Marion Hassler. Und so funktioniert’s: Die Nachbarn bringen Kleidung in den Laden, die sie nicht mehr tragen. Dafür bekommen sie einen Euro pro Kilo. Das Geld kann gegen weitere Kleidungsstücke oder Bio-Produkte eingetauscht werden.

„Die gleichen Leute, die Kleidung bringen, kaufen auch wieder welche“, sagt Hassler. Und es scheint zu funktionieren: Am Montagmorgen sind mehrere Kunden im Laden – bunt gemischt, wie das Viertel selbst. Die Mutter mit Kopftuch und Kinderwagen, die afrikanische 60-Jährige, die eine bunte Bluse sucht, und mallorquinische Seniorinnen.

Pere Garau: Ein durchdachter Standort

Vor LUP betrieb die 46-Jährige einen Bioladen in Bunyola. Auch dort nahm sie Kleidung an und stellte sie im Geschäft aus. Aber so richtig gut funktionierte das Konzept im Dorf nicht. Die Entscheidung für den Standort in Pere Garau war bewusst und durchdacht – gemeinsam getroffen mit ihrem Partner José, der mit ihr das Geschäft betreibt.

Seit zwei Jahren gibt es LUP nun. „Der Laden wird besser angenommen als gedacht“, sagt Marion Hassler. Sie habe inzwischen viele Stammkunden. Natürlich gebe es auch Menschen, die nicht so von Secondhand-Kleidung überzeugt sind, es seien aber immer weniger. „In Spanien hat sich in der Hinsicht etwas verändert.“

Das LUP in Pere Garau

Das LUP in Pere Garau / Sarah López

Was gibt's bei LUP?

Aktuell bietet LUP Kleidung für Frauen, Männer und Kinder an – sowie Schuhe, Accessoires wie Handtaschen oder Gürtel und ausgewählte Waren aus dem angeschlossenen Bioladen hinter der Kasse. „Der Verkauf von Kinderkleidung funktioniert nicht so gut“, sagt Marion Hassler. Derzeit sind die Stücke deswegen um 50 Prozent reduziert. Wenn die Kinderkleidung verkauft wurde, werde sie keine weitere annehmen, sagt die Deutsche. Die Preise bewegen sich in der Regel zwischen vier und 15 Euro, wobei es gelegentlich auch teurere Einzelstücke gibt.

Die Nähmaschine macht den Shop besonders

Doch nicht nur die bunten Baby-Bodies an einer Stange vor dem Laden machen die Passanten neugierig. Pía Faraco mit ihrer Nähmaschine ist der wahre Hingucker. Sie setzt eine weitere Besonderheit des nachhaltigen Ladenkonzepts um: Interessierte können bei der Mallorquinerin jeden Montag von 11.30 bis 13.30 Uhr lernen, wie sie mit einer Nähmaschine umgehen können. „Es ist so ähnlich wie in den Reparatur-Cafés, aber diesmal für Kleidung“, erklärt Marion Hassler.

Marion und Pía kennen sich schon länger aus Bunyola. Pía ist zwar keine Schneiderin, kennt sich mit dem Nähen aber gut aus. „Als Kind hat meine Nachbarin in Bunyola immer ihre eigenen Kleider genäht – sie hat es mir beigebracht“, erzählt die 40-Jährige. Während ihrer Zeit als Au-pair in England machte sie außerdem einen Fortgeschrittenenkurs.

Immer wieder kommen Leute mit Fragen in den Laden. Einige sind ganz erstaunt, dass der Service kostenlos ist. Andere fassen dadurch erst den Mut, ihre Kleidung selbst zu reparieren – wie etwa ein 60-Jähriger mit seinem Enkel: „Oh, das ist ja super. Dann komme ich mal vorbei, und du erklärst mir, wie man einen Reißverschluss repariert. Beim nächsten Mal kann ich’s dann selbst machen.“

Im Laden lernen, zu Hause anwenden

Die Idee hinter dem Konzept: Was die Leute hier kostenlos lernen, können sie zu Hause anwenden – und so nachhaltiger mit Kleidung umgehen. „Die Menschen sind sehr dankbar und können oft gar nicht fassen, was sie selbst geschafft haben“, sagt Pia Faraco. Einige würden sie auf einen Kaffee einladen oder darauf bestehen, dass sie Geld annimmt. „Ich versuche ihnen klarzumachen, dass sie das alles selbst geschafft haben – mit ein wenig Hilfe von mir.“

Erste Schritte an der Nähmaschine

So ist es auch bei der Kolumbianerin Lilian. Die Köchin wollte eine Hose kürzen, die sie bei der Arbeit ständig hochkrempeln muss. „Ich kann gut von Hand nähen, aber mit einer Nähmaschine habe ich noch nie gearbeitet“, sagt sie . Im Teamwork gehen Pía und Lilian die Aufgabe an: Eine steckt den Saum mit Stecknadeln ab, die andere sucht den passenden Faden. Zuerst wird an einem Stoffrest geübt. Pía erklärt alles geduldig .

Nervös kichert die Köchin, als sie zum ersten Mal die Nähmaschine bedient. Beim zweiten Versuch klappt es schon gut. In weniger als zehn Minuten hat Lilian es geschafft: Ihre Hose hat jetzt die richtige Länge. Pía lobt ihre Schülerin: „Sieht so aus, als hättest du das schon dein ganzes Leben gemacht.“ Lilian freut sich über das Ergebnis – und denkt sogar darüber nach, sich eine eigene Nähmaschine zu kaufen. Aber zunächst will sie nächsten Montag wiederkommen, für eine weitere Änderung.

Weitere nachhaltige Aktionen

Marion Hassler plant auch Flohmärkte oder Kleidertauschaktionen. Außerdem hat sie eine Umweltaktion ins Leben gerufen: Für je 200 verkaufte Kleidungsstücke wird ein Baum gepflanzt. Vor einigen Monaten setzte sie bereits 75 Bäume in die Erde.

Auch bei der Qualität und Annahme der Kleidung schaut sie inzwischen genauer hin. „Wir nehmen uns jetzt drei Tage Zeit, um alles zu prüfen“, sagt Hassler. Früher hätten sie alles angenommen, heute sei sie etwas selektiver geworden. Und auch für Stücke, die so nicht mehr verkauft werden können, gibt es eine Lösung – wie etwa ein Kleid mit Fleck, das Pía in einen Rock verwandelt. Bei LUP – der Name des Ladens stammt vom englischen Wort „Loop“ (Schleife) – wird die Lebenszeit der Kleidung so lange verlängert, wie es geht. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen den Wert von nachhaltigem Einkaufen erkennen, setzt Marion Hassler mit ihrem Laden ein Zeichen: Mode muss nicht immer neu sein, um schön und einzigartig zu bleiben.

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