Sicher durch die Nacht auf Mallorca: Wie Sie mit ruhigerem Gefühl nach Hause kommen
Wer zu später Stunde in Palma unterwegs ist, sollte besondere Vorsicht walten lassen. Tipps, wie Sie sich auf dem Heimweg sicherer fühlen

Nachgestellte Szene: Viele Frauen haben Angst, beim Heimweg nachts von einem Unbekannten belästigt zu werden. / Nele Bendgens
Das Nachtleben von Palma hat einen großen Haken: Viele Clubs und Veranstaltungsorte befinden sich in der Peripherie der Stadt. Je nachdem, wo man selbst wohnt, ist der Heimweg umständlich und riskant. Hier einige Hinweise für Nachtschwärmer, wie man möglichst sicher ans Ziel kommt und sich vor sexueller Belästigung oder Angriffen schützen kann.
Nachtbusse und lila Haltestelle
Ein zuverlässiges Verkehrsmittel sind die vier Nachtbuslinien der Stadtbusse EMT. Sie verkehren immer freitags, samstags und an den Vorabenden von Feiertagen – je nach Linie in unterschiedlicher Taktung, aber mindestens einmal pro Stunde. Jede von ihnen passiert die Plaça d’Espanya und stellt so eine Verbindung zwischen dem Zentrum und Start- und Zielpunkten wie Pont d’Inca, Can Valero, Porto Pí oder dem Gewerbegebiet Son Castelló dar.
Erstaunlicherweise scheinen die Nachtbusse sich trotzdem keiner großen Beliebtheit zu erfreuen: Nach Erfahrungen aus der MZ-Redaktion teilt man die Fahrzeuge häufig nur mit einer Handvoll weiterer Passagiere. Dabei bietet der „NitBus“ sogar noch einen zusätzlichen Service, der speziell Frauen mehr Sicherheit verspricht: die parada violeta (lila Haltestelle). Beim Einsteigen – oder mit genügend Vorlaufzeit – kann man den Busfahrer darum bitten, zwischen den offiziellen Haltestellen außerplanmäßig anzuhalten. Das verkürzt unter Umständen den anschließenden Fußweg.

Nachtbus an einer Haltestelle in Palma de Mallorca. / B. Ramon
Selbstverteidigungskurse
Um sich im Ernstfall verteidigen zu können und das Verhalten bei einem körperlichen Angriff zu schulen, kann es sinnvoll sein, einen Selbstverteidigungskurs zu machen. Ein Anbieter für fortlaufendes Training ist „Defensa Personal Mallorca“ (Website: defensapersonalmallorca.es) – ein Einstieg ist jederzeit möglich. Der Kurs für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene findet zweimal wöchentlich statt: dienstags und donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr. Bei der Teilnahme und den Zahlungsmodalitäten gibt es Flexibilität: Man kann Probestunden und Einzeltrainings für je 10 Euro buchen, einen Monatsbeitrag von 55 Euro zahlen für zwei wöchentliche Trainings oder ein Paket mit einem halben Monat für 35 Euro wählen.
Wichtig ist in jedem Fall, über den Online-Shop vorher eine Sportunfallversicherung abzuschließen. Die kostet 40 Euro pro Jahr. Wie viel Zeit man kalkulieren sollte, um die Basics zu beherrschen, sei schwer zu sagen, erklärt der Trainer der MZ: „Das hängt davon ab, welche Ziele man sich setzt und wie schnell man lernt.“ Mit sechs Monaten sollte man aber auf jeden Fall rechnen. Auch könne ein Auffrischungstraining ab und an nicht schaden. Wer gerne in deutscher Sprache unterrichtet werden möchte, kann auch an der beliebten Trainingswoche der Europäischen WingTsun Organisation (EWTO) auf Mallorca teilnehmen. Sie findet das nächste Mal vom 26. April bis 1. Mai 2026 statt (ewto.at).

Ein Selbstverteidigungskurs lohnt immer. / J. R. May
Legale Mittel zur Abwehr
Waffen – selbst legale – sind zur Abwehr nicht immer eine effektive Hilfe, denn sie bergen auch für die Opfer eine Verletzungsgefahr. Eine Beratung bei einem der wenigen Waffengeschäfte der Stadt, der Armería Serra Pizá im Carrer de Manacor, ist schnell abgefrühstückt: „Es gibt nur eine Art von Spray, die in Spanien legal ist und frei verkauft werden darf“, erklärt der Verkäufer. Das Geschäft führt nur Pfefferspray von einem Anbieter. Es habe den Vorteil eines sehr zielgerichteten Strahls – so bleibe das Risiko der Selbstverletzung sogar in geschlossenen Räumen relativ gering. Kostenpunkt: rund 20 Euro für eine Spraydose.
Weniger aggressives Equipment für den Notfall stellen etwa Alarm-Schlüsselanhänger (llaveros alarma) dar, die mit schrillen Tönen Angreifer abschrecken und zugleich Hilfe alarmieren. Es gibt die Begleiter in allen Formen, Farben und Preisklassen. Man bekommt sie im Internet und im Handel; in Palma bietet etwa Leroy Merlin eine große Auswahl.
Per App Hilfe von der Polizei
Die App „AlertCops“ des spanischen Innenministeriums bietet verschiedene Funktionen, die nützlich sein können. Bei dem Dienst „Begleiten Sie mich“ sendet die App etwa den Standort des Nutzers an zuvor hinterlegte Notfallkontakte. Die SOS-Taste dient dazu, im Notfall einen sofortigen Alarm mit dem Standort des Nutzers an diese Kontakte zu schicken. Man kann auch simulieren lassen, dass man angerufen wird, bei „Tonalarm“ gibt das Handy einen abschreckenden Ton ab, und das Licht am Handy schaltet sich als Blitzlicht ein.
Außerdem ist die App hilfreich, um im Notfall unkompliziert und unauffällig die Beamten zu informieren. Über den Dienst seguimiento de alertas können diese, wenn man zustimmt, sogar den eigenen Standort verfolgen, nachdem man die Polizei alarmiert hat.
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