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Ein Kind auf Mallorca adoptieren: Diese Voraussetzungen müssen Interessenten erfüllen

Notwendige Dokumente, Wartezeiten: Was Auswanderer bei einer auf der Insel abgewickelten Adoption beachten müssten und wer außen vor bleibt

Adpotiveltern müssen seit mindestens zwei Jahren ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort auf Mallorca haben.

Adpotiveltern müssen seit mindestens zwei Jahren ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort auf Mallorca haben. / Freepik

Simone Werner

Simone Werner

Es klappt nicht mit dem Schwangerwerden, Sie wollten schon immer lieber ein Adoptivkind statt ein eigenes oder wollen einem fremden Kind einfach eine schöne Zukunft bieten? Auch deutschsprachige Mallorca-Residenten können Minderjährige adoptieren. Wichtig aber ist: „Es geht immer um das Wohl des Kindes und sein Recht, adoptiert zu werden, und nicht das der Personen, zu adoptieren“, stellt Apol·lònia Socias, Direktorin für Soziales, Kinder und Familie beim Inselrat, klar. Grob gibt es zwei Arten von Adoptionen: Die nationalen Adoptionen von auf Mallorca lebenden Kindern (egal welcher Herkunft) laufen über die dem Inselrat unterstellte Sozialbehörde IMAS. Die internationalen Adoptionen über die spanische Zentralregierung und das Herkunftsland des Kindes.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für beide sind fast identisch. Bei den internationalen Adoptionen muss man zudem die Gesetzgebung des Herkunftslandes des Kindes beachten. In manchen etwa werden alleinstehende Personen ausgeschlossen. Bewerber für nationale Adoptionen müssen:

  • Ihren rechtmäßigen und gewöhnlichen Aufenthalt seit mindestens zwei Jahren auf Mallorca haben.
  • Im Fall von Alleinerziehenden darf das Alter der anstragstellenden Person nicht über 60 Jahre liegen, das Mindestalter beträgt 25 Jahre. Bei Paaren muss mindestens eine der beiden Personen 25 Jahre alt sein. Der Altersunterschied zwischen Adoptierenden und Adoptivkind muss darüber hinaus mindestens 16 Jahre betragen und darf 45 Jahre nicht überschreiten. Bei Paaren wird das Alter der jüngeren Person berücksichtigt.
  • Sowohl Einzelpersonen als auch Ehepartner oder solche, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft haben, können adoptieren. Ebenso ein nicht verheiratetes oder homosexuelles Paar. Die Antragsteller müssen seit mindestens zwei Jahre zusammenleben. Nicht-Ehepartner müssen dies etwa durch das certificado de empadronamiento, eine Hypothek, Mietzahlungen oder Nachweise über ein gemeinsames Konto belegen können.
  • Die Trennung oder Scheidung vom letzten Partner muss mindestens ein Jahr her sein.
  • Auch wenn es innerhalb der Familiengemeinschaft zu traumatischen Ereignissen gekommen ist, etwa dem Tod des Partners oder von Kindern, muss mindestens ein Jahr vergangen sein.
  • Seit der Geburt oder Adoption eines vorherigen Kindes muss ebenfalls mindestens ein Jahr ins Land gezogen sein.
  • Antragsteller dürfen weder schwanger sein noch zum Zeitpunkt der Antragsstellung eine Fruchtbarkeitsbehandlung am Laufen haben.
  • Auch dürfen sie nicht an körperlichen oder psychischen Erkrankungen leiden, die die Betreuung des Kindes erschweren würden.
  • Darüber hinaus müssen sie über „stabile und ausreichende Lebensgrundlagen“ verfügen. Ein festgelegtes Mindesteinkommen gibt es nicht, wie Socias bestätigte.

Information, Beratung und Begleitung

Jeden ersten und dritten Montag des Monats um 13 Uhr gibt es im IMAS in Palma Informationsveranstaltungen. Dort klären die Mitarbeiter auch Fragen der Interessenten. Wer sich dann entscheidet, den Antrag zu stellen, kann angeben, welche Art von Kind er gerne adoptieren würde: Welches Alter sollte das Kind haben? Darf es angeborene Erkrankungen oder eine Behinderung haben oder eine andere Rasse/Herkunft? „Die meisten wollen ein Kind zwischen 0 und 3 Jahren, doch davon gibt es immer weniger“, heißt es vonseiten des IMAS. Wer bereit ist, ein Kind mit besonderen Bedürfnissen, etwa einer Behinderung oder Erbkrankheit zu adoptieren, hat deutlich kürzere Wartezeiten. Für die Adoption von Letzteren gibt es das programa esperanza. Unter dem dazugehörigen Reiter finden sich online einige reale Beispiele von Kindern, die derzeit Eltern suchen.

Zudem bekommen Antragsteller fünf obligatorische Schulungen à 2,5 Stunden. Darin werden sie etwa darüber aufgeklärt, was eine Adoption aus juristischer Perspektive bedeutet. Auch über die Möglichkeit von offenen Adoptionen erfahren die zukünftigen Eltern mehr. Dabei kann das Kind noch Kontakt zu seinen biologischen Eltern oder deren familiärem Umfeld haben, was sich positiv auswirken kann.

Damit es letztlich zur Adoption kommt, muss jeder Bewerber ein Verfahren zur psychosozialen Bewertung der Eignung für die Adoption (valoración psicosocial por la idoneidad para la adopción) durchlaufen. Dafür führen Interessenten mit IMAS-Mitarbeitern vier Gespräche, eines davon bei sich zu Hause. Dabei müssen alle dort lebenden Personen anwesend sein, damit sich die Verantwortlichen auch einen Eindruck darüber verschaffen können, mit wem das Adoptivkind künftig zusammenlebt. Damit die Integration in die Adoptivfamilie und das neue soziale Umfeld auch wirklich gelingt, bietet die Behörde Begleitprogramme für vor, während und auch nach der Adoption. „Bei allen Entscheidungen werden die individuelle Geschichte, die Bedürfnisse und die Lebensphase, in der sie sich das Kind befindet, mit einbezogen. Der Adoptionsprozess wird streng und verantwortungsbewusst überwacht“, betont Socias.

Antrag und Dokumente

Unter diesem Link stehen die Dokumente, die man für den Eignungs-Antrag einreichen muss: etwa eine Kopie des Familienstammbuchs, Geburtsurkunden der Antragsteller und ihrer Kinder, eine Bescheinigung vom Hausarzt über den eigenen Gesundheitszustand und im Falle von Residenten die grüne Karte sowie einen Auszug aus dem deutschen Strafregister. Um den Antrag online (externer Link) stellen zu können, benötigt man das certificado digital oder die DNI electrónico. Alternativ kann man ihn persönlich im IMAS oder jedem anderen registro etwa des Inselrats stellen. Innerhalb von einem halben Jahr sollte man das Eignungs-Zertifikat haben. Die Bearbeitung der Anträge folgt chronologisch nach Eingang. Die Wartezeit ab dem Eignungs-Zertifikat bis zur Adoption beträgt einen Monat bis vier Jahre.

Kosten, Wartezeiten

Eine nationale Adoption ist kostenlos. Bei der Internationalen müssen die Adoptiveltern etwa die Reisekosten oder die für Übersetzer tragen. Den Rest übernimmt die Zentralregierung.

Adoptiveltern haben dieselben Verpflichtungen und Rechte wie die Eltern eigener Kinder.

Kontakt zum IMAS

imasmallorca.net/programa-esperanza, imasmallorca.net/adopcion-nacional, https://imas.secimallorca.net/carpetaciudadana/tramite.aspx?idtramite=13400, Tel.: 971-01 44 02, 971-01 44 78, adopcions@imas.conselldemallorca.net, C/. General Riera, 67, Palma

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