Osterprozessionen in Palma: Darf ich Fotos machen? Die besten Tipps zu den bekanntesten Umzügen
Gründonnerstag und Karfreitag stehen in der Balearen-Hauptstadt die beiden größten Prozessionen an. Wissenswertes über eine Tradition, die beeindruckt

Erschrecken so manche Neulinge: Büßer in spitz zulaufenden Mützen und weiten Kutten. | FOTO: GUILLEM BOSCH
Sie konnten dieser Tage nicht bei einer der elf Prozessionen dabei sein, bei denen die Büßer durch die Straßen von Palma gezogen sind? Noch gibt es drei Gelegenheiten, die eindrucksvolle Tradition mitzuerleben. Um genau zu sein, sind die noch ausstehenden Prozessionen sogar der Höhepunkt der Feierlichkeiten:
Am Gründonnerstag (2.4.) sind alle 33 Bruderschaften der Stadt gemeinsam unterwegs, das macht um die 4.600 Büßerinnen und Büßer. Die Route führt in diesem Jahr zunächst durch das westlich vom Borne gelegene Canavall-Viertel und dann in die Kathedrale. Wie jedes Jahr geht es in den frühen Morgenstunden von dort aus auf einer anderen Route, die unter anderem über den Borne und den Carrer Sant Jaume führt, zurück zur Església de l’Anunciació an dem ehemaligen Armenhaus La Misericòrdia. Dort wird die Christusfigur Crist de la Sang aufbewahrt.
Die letzte Möglichkeit, in diesem Jahr in Palma bei einer Osterprozession mit dabei zu sein, ist dann am Karfreitag (3.4.) beim „Sant Enterrament“ (Heiliges Begräbnis). Los geht’s sowohl am Gründonnerstag als auch am Karfreitag um 19 Uhr.
Wann sollte ich da sein?
Wer ganz vorne dabei sein will, sollte sich spätestens um 18 Uhr einen Platz sichern.
Gibt es auch Sitzplätze?
Tickets für nummerierte Stühle bei der Gründonnerstag-Prozession gibt es, solange der Vorrat reicht, für 9 Euro bei einer Verkäuferin vor der Bar España Can Vinagre (C/. Oms, 31) oder auch bei La Filadora (C/. Foners, 21).
Wo stelle ich mich hin?
Voll wird es überall. Besonders beliebt sind der Ausgang der Kirche La Sang und der Anfang des Carrer Oms. Dort sieht man am besten den Auszug der Bruderschaften aus der Kirche. Ansonsten kann man sich auch entlang der Route postieren.
Wie lange dauert die Prozession?
Weil Tausende Büßer mitlaufen, kann der Zug am Gründonnerstag (den Rückweg zur Església de l’Anunciació miteinberechnet) schon einmal wie im vergangenen Jahr bis zu neun Stunden dauern.
Auf welche Details soll ich achten?
Jede Bruderschaft hat ihre eigene Tracht. Zu den meisten gehört eine Musikkapelle. Die costaleros tragen oder schieben die mit Blumen und Kerzen geschmückten Wagen, auf denen sich Heiligenstandbilder (pasos) befinden. Der llamador weist sie per Klöppelschlag darauf hin, wann sie den paso auf oder abzusetzen haben. Die Büßer heißen nazarenos oder penitentes. Die spitz zulaufenden Mützen mit weiten Kutten oder die neueren Gesichtstücher mit Augenschlitz ermöglichen ihnen, unerkannt zu bleiben. Teils laufen sie auch barfuß oder mit Ketten an den Fußgelenken durch die Straßen. Mit Schabern laufen Kinder zwischen den Reihen hin und her und sorgen dafür, dass nicht zu viel Kerzenwachs auf die Straße tropft. Manche der Kinder und Büßer verteilen an die Kinder Zuckerkugeln, die sogenannten confits.
Seit wann gibt es die Bruderschaften?
Bis auf die des Crist de la Sang wurden alle im 20. Jahrhundert gegründet. Die jüngsten erst 2008 und 2003. Nach einem vom Bistum erlassenen Dekret darf es vorerst keine weiteren geben – womöglich auch, da sich der Gründonnerstagsumzug sonst noch weiter in die Länge ziehen würde.
Wer entscheidet über die Reihenfolge?
Die Reihenfolge der Aufstellung richtet sich nach dem Gründungsjahr. Die jüngste Bruderschaft geht voran, die älteste ist Schlusslicht.

Oft ist es mitten in der Nacht, bis der Crist de la Sang beim Ende der Prozession ankommt. / DM
Was ist der Crist de la Sang?
Die Gründonnerstagsprozession wird schon seit 1564 von der Christusfigur Crist de la Sang beschlossen. Das Original musste vor einigen Jahren rekonstruiert werden: Ein Mann hatte die Figur vom Sockel gestoßen.
Wie sollte ich mich während der Prozession verhalten?
So eindrucksvoll sie auf Besucher auch wirken mögen: Ein Spektakel sind die Prozessionen nicht. Von den einheimischen Zuschauern werden sie größtenteils schweigend und ernst verfolgt. Daran sollten sich auch Besucher halten. „Einmal haben Betrunkene einige Büßer belästigt. Die Ortspolizei musste einschreiten“, erzählt Bernat Riera, der Präsident des Verbands der österlichen Bruderschaften in Palma. Fotos zu machen, sei erlaubt. „Man kann so viele machen, wie man will“, sagt Riera. Was man nach Möglichkeit vermeiden sollte: während der Prozession den Weg der Büßer zu kreuzen. „Das kann zu Zwischenfällen führen“, so Riera.
Gibt es auch anderswo Prozessionen?
Ja, es gibt auf der ganzen Insel Prozessionen. Mehr Informationen gibt es unter anderem hier sowie auf den Webseiten der jeweiligen Gemeinden.

Von außen betrachtet eher bedrohlich - Büßer der Bruderschaft des Crist de la Sang in Palma. / DPA vía Europa Press
Die Streckenverläufe der Prozessionen
Sant Crist de la Sang, Donnerstag, 2. April, 19 Uhr:
Mallorcas wichtigste Prozession, die am Gründonnerstag, beginnt in der Kirche L’Anunciació de Maria (auch La Sang genannt) in der Nähe des Kulturzentrums La Misericòrdia. Von der Plaça de l’Hospital aus geht es zu folgenden Stationen: Costa de l’Hospital, Costa de la Sang, La Rambla, C/. dels Oms, C/. Sant Miquel, Plaça Major, Plaça de Cort, C/. del Palau Reial. Der Zug endet mit dem Einzug in die Kathedrale Basílica de Santa María de Mallorca.

SANT CRIST DE LA SANG / Cofradías / MZ
Retorn Crist de la Sang, Donnersatg, 2. April, 19 Uhr:
Nach der Gründonnerstagsprozession von 19 Uhr wird die Christusfigur Crist de la Sang in den frühen Morgenstunden auf einer anderen Route zurück in „ihre Kirche“ gebracht. Die Stationen sind: Carrer del Palau Reila, Carrer del Conquistador, Plaça de la Reina, P. del Borne, Plaça del Rei Joan Carles I, Carrer de Sant Jaume, Plaça de Santa Magdalena, Plaça de l’Hospital. Am Ende ziehen die Büßer wieder ins Santuario de la Sang ein, wo die Christusfigur aufbewahrt wird.

RETORN CRIST DE LA SANG / Cofradías / MZ
Sant Enterrament, Freitag, 3. April, 19 Uhr:
Die Karfreitagsprozession beginnt an der Basilica de Sant Francesc. Von dort aus geht es durch folgende Straßen: Carrer de Sant Francesc, Plaça de Santa Eulàlia, Carrer de la Cadena, Carrer de Colom, Carrer de la Bosseria, Plaça d’en Coll, Carrer de la Galera, Carrer de la Corderia, Plaça de la Quartera, Carrer de l’Esparteria, Plaça del Mercadal, Travessia d’en Ballester, Carrer del Socors, Einzug ist dann in die Kirche Nostra Senyora del Socors.

SANT ENTERRAMENT / Cofradías / MZ
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