Wo Schule viel Geld kostet: Das können die verschiedenen Privatschulen auf Mallorca
Das Angebot an zumeist international ausgerichteten colegios privados auf Mallorca ist groß. Was zeichnet sie aus, was unterscheidet sie? Ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der deutschen Schule Eurocampus auf Mallorca im Jahr 2023. / Nele Bendgens
Auf Mallorca stehen demnächst wieder die Schulanmeldungen ins Haus. Wer weiß, dass er längere Zeit auf Mallorca bleiben wird, schickt seine Söhne und Töchter oft in die öffentliche Schule vor Ort (colegio público), damit der Kontakt zu Gleichaltrigen aus der Umgebung vertieft und damit die Integration erleichtert werden kann.
Daneben gibt es noch die Option, die Kinder auf eine halb staatliche, halb private Schule zu schicken, also eine Art Mischform. Diese sogenannten colegios concertados sind fast ausschließlich von kirchlichen Trägern betrieben und verlangen neben den auch an den öffentlichen Schulen anfallenden Posten wie Mensa, Ausflüge, Lernmittel oder Versicherungen zusätzlich kleine freiwillige Beträge von den Eltern. Diese betragen im Normalfall aber weniger als 100 Euro pro Kind und Monat.
Unterricht hauptsächlich auf Spanisch
Vor allem ausländische Eltern, die erst vor Kurzem auf die Insel gekommen sind oder aus beruflichen Gründen nur ein paar Jahre auf Mallorca leben werden, wählen hingegen – so sie die finanziellen Mittel haben – häufig private oder internationale Schulen für ihre Kinder. Einer der Gründe dafür ist, dass der Unterricht in vielen Fällen hauptsächlich auf Englisch oder Spanisch statt auf Katalanisch erfolgt. Auch die an den Privatschulen zumeist angebotene Ganztagsbetreuung ist vielen sogenannten expats wichtig , da sie auf der Insel selten über familiäre Netzwerke verfügen.
Dafür haben die Angebote ihren Preis. Für unter 800 Euro pro Kind im Monat – oder 8.000 Euro im Jahr, Juli und August zählen wegen der Ferien nicht – gibt es wohl an keiner der privaten Schulen auf Mallorca das Komplettpaket aus Schulgebühren, Mensa, außerschulischen Aktivitäten, Lernmittel oder auch Ausflügen. Viele Schulen kosten aber auch deutlich mehr, wie etwa das Green Valley College oder auch Ágora Portals, wo im Jahr etwas mehr als 10.000 Euro an Schulgebühren fällig werden und das Essen noch nicht berücksichtigt ist.
Fluktuation in Privatschulen höher
Bedacht werden muss auch, dass an allen Privatschulen eine Uniform Pflicht ist, was zusätzliche dreistellige Kosten verursachen kann. Die hohen Kosten führen mitunter auch dazu, dass die Fluktuation an den Schulen höher ist als etwa an den öffentlichen. Viele Eltern zahlen die Gebühren einige Jahre, nehmen die Kinder dann zum Übertritt in die Sekundarstufe von der Schule.
Die MZ gibt an dieser Stelle – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einen Überblick über die meisten und bekanntesten Privatschulen der Insel. Wir haben dafür mit Eltern und Lehrkräften gesprochen, die viele der Schulen selbst oder aus Erfahrungen von Bekannten und Familie kennen. Es soll hier vor allem um Stärken, bestimmte Schwerpunkte oder auch die Schulgemeinschaft gehen, die Eltern und Kinder dort antreffen.
Agora Portals
Die Einrichtung in Portals Nous gilt als eine der besten und teuersten Schulen auf Mallorca. Die Schülerschaft ist gemischt und sehr international. Zahlreiche gut betuchte deutsche, britische oder auch russische Eltern schicken ihre Kinder nach Portals Nous. Das ist bereits bei einem Blick auf die Autos zu erkennen, die rund um die Schule zu Unterrichtsbeginn und -ende parken. Die Sporteinrichtungen der Schule suchen auf der Insel ihresgleichen, auch die außerschulischen Aktivitäten genießen einen sehr guten Ruf.
Unter anderem können Grundschüler bereits Mandarin lernen. Es gibt die Möglichkeit, das International Baccalaureate abzulegen. Allerdings ist die Fluktuation der Lehrkräfte nach Aussagen von Eltern recht hoch. Zu denken gibt im Gespräch mit der MZ einem Vater, der seine Kinder inzwischen von der Schule genommen hat, eine „gewisse Wohlstandsverwahrlosung“ bei einigen Eltern und Kindern. Er hätte sich für seine Kinder an der Schule ein „stabileres Wertesystem“ gewünscht.
Baleares International College
Die 1957 gegründete Schule verfügt über zwei Standorte, wobei in Sant Agustí die Krippe, die Vorschule und die Grundschule untergebracht sind. Ab der Sekundarstufe ESO geht es dann in Sa Porrassa nahe Magaluf weiter. Dort gibt es aber die Möglichkeit, Kinder bereits ab fünf Jahren unterzubringen. Auch die BIC genannte Schule zeichnet sich durch eine sehr internationale Schülerschar aus, darunter viele Deutsche. Der Standort Sant Agustí ist mit 160 Plätzen sehr überschaubar, Sa Porrassa ist deutlich größer.
Die Unterrichtssprache ist vorrangig Englisch. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule wurden in Großbritannien ausgebildet, und auch die Eigentümer sind Briten. Abgelegt werden kann das A Level. Der akademische Anspruch ist möglicherweise etwas niedriger als bei den eher leistungsorientierten Konkurrenten Queen’s College oder auch San Cayetano, sagt eine ehemalige Lehrerin.
Bellver College
Die nach eigenen Angaben älteste britische Privatschule Spaniens nahe dem Parc Bellver in Palma fristete längere Zeit eher ein Mauerblümchen-Dasein. Nun haben aber die Eigentümer gewechselt, es wird wieder investiert und die Anlage der mehr als 75 Jahre alten Schule aufgehübscht.
Das Bellver College legt großen Wert darauf, dass alle Schüler mitkommen, auch die mit Einschränkungen. Auf der Website heißt es, dass die Klassenstärke bei maximal 15 Schülern liegt. Die Schülerschaft ist gemischt, aber hauptsächlich spanisch dominiert. Die Preise liegen etwas niedriger als an den anderen Privatschulen.
Eurocampus Deutsche Schule
Hauptsächlich deutschsprachige Schüler treffen sich am Eurocampus an der Playa de Palma, der einzigen deutschen Schule auf den Balearen, die die Kultusministerkonferenz anerkennt. Vereinzelt geben auch spanische Eltern oder deutsch-spanische Mischfamilien, denen gute Deutschkenntnisse wichtig sind, ihre Kinder an den Eurocampus. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, natürlich gibt es aber auch Spanisch und Katalanisch (maximal zwei Stunden) sowie Englisch und für die Gymnasialschüler Französisch ab der 7. Klasse. Die Anlage an der Porciúncula ist weitläufig und bewaldet.
Die Schulleitung hat zu Jahresbeginn gewechselt. Gründerin Gabriele Fritsch gab ihren Posten an Annegret Jung-Wanders ab, die bereits die Deutsche Schule in Barcelona leitete. Am Eurocampus können Schüler das deutsche Abitur ablegen. Auch die deutschen Hauptschul- und Realschulabschlüsse sind möglich. Wichtig: Der Eurocampus richtet sich auch in Sachen Ferien nach dem deutschen Lehrplan, die Sommerferien sind also kürzer als bei den spanischen Schulen. Das Schulgeld beträgt je nach Klassenstufe zwischen 672 Euro und 942 Euro. Dazu kommen noch weitere Kosten, wie etwa das Mittagessen.
The Academy
Die Schule genießt einen guten Ruf und bietet auch aufgrund des Standorts in Marratxí viel Platz für die Einrichtungen. 1985 ursprünglich nur als Sommerschule gegründet, lief der Sommer so gut, dass die beiden Lehrer ab September eine Vor- und eine Grundschule aufbauten. Mit inzwischen rund 500 Schülern geht es aber nach wie vor sehr familiär zu, die Schüler haben im Allgemeinen einen guten Leistungsstand.
Die Schule erlaubt es den Kindern, in ihrem eigenen Rhythmus zu lernen, und ist deshalb nach Meinung einer Lehrerin, die bereits an mehreren Schulen auf Mallorca unterrichtet hat, etwas weniger strikt akademisch ausgerichtet als andere. Der Abschluss ist das International Baccalaureate (IB).
King Richard III College
Die Schule in Portals Nous ist mit ein paar Hundert Schülern recht klein und elitär. Der Unterricht findet wie in The Academy hauptsächlich auf Englisch, aber teilweise auch auf Spanisch statt. Die Schule hat sich dem Zusammenschluss britischer Bildungseinsrichtungen in Spanien angeschlossen. Die Schüler können die Schule mit dem A Level verlassen.
Die Sportmöglichkeiten in King Richard III sind sehr gut, zur Schule gehören Fußball- und Basketballplätze, ein Hallenbad sowie ein Theater, in dem die Schülerinnen und Schüler regelmäßig aufwendige Produktionen auf die Bühne bringen. Vom Leistungsniveau ist die Schule wohl in der Mitte anzusiedeln.
Queen’s College
An dieser englischsprachigen Schule am Rand des Bellver-Waldes in Palma gibt es eine lange Warteliste, weil die Einrichtung so begehrt ist. Viele spanische Familien schicken ihre Kinder dorthin, aber auch zahlreiche deutsche Schüler lernen hier. Auf dem Pausenhof wird vor allem Spanisch gesprochen. Laut eigenen Angaben sind rund 51 Prozent der Schüler am Queen’s College spanischer Nationalität. 22 Prozent sind Briten oder Iren, und sechs Prozent haben die deutsche Staatsbürgerschaft.
In letzter Zeit haben die Eigentümer der Einrichtung einiges investiert und unter anderem ein Sports Centre gebaut. Der Leistungsstandard ist hoch. Die Klassen sind mit maximal 18 Schülern überschaubar klein. Trotzdem ist der Schule wichtig, die Kinder und Jugendlichen über das rein Akademische hinaus auch als Persönlichkeiten zu formen. Es gibt die Möglichkeit, das A Level oder das International Baccalaureate (IB) abzulegen. Rund 400 Schülerinnen und Schüler gehen ans Queen’s College.
Green Valley School
Die erst 2017 gegründete Schule hat einen schönen weitläufigen Campus mit zahlreichen Sportmöglichkeiten und gilt als modern und weltoffen. Den Schülern wird eigenständiges und kritisches Denken vermittelt. Für manche Eltern, mit denen die MZ gesprochen hat, werden zu wenige Grenzen gesetzt, sie beschreiben die Erziehung dort als antiautoritär.
Einen großen Stellenwert genießen die Sprachen. So erfolgt der Schulalltag auf Englisch, Spanisch, Katalanisch oder auch Französisch. Zusätzlich werden als dritte Fremdsprache noch Deutsch oder Schwedisch angeboten. Auch Musik und Theater spielen eine wichtige Rolle.
Montessori-Schule
Seit zehn Jahren existiert in Santa Maria diese Schule, die auch auf Mallorca ihren gewohnt alternativen Erziehungsstil vermittelt. Die Schulgründerin Montserrat Povill Pacheco aus Katalonien hat zuvor für das Kinderhilfswerk UNICEF unter anderem in Afrika und Asien gearbeitet. Auf Mallorca wird nach eigenen Angaben die Montessori-Philosophie mit einem modernen mehrsprachigen Lehrplan kombiniert, um die Kinder zu unabhängigen und kreativen Persönlichkeiten zu formen.
Die Schule nimmt Kinder im Alter zwischen drei und 16 Jahren an, ein Abschluss, der zu einem Studium befähigt, kann hier nicht erworben werden. Die Klassengröße beträgt maximal 15 Schüler. Die Schulgebühren belaufen sich auf rund 8.000 bis 12.500 Euro pro Jahr, abhängig von der Jahrgangsstufe. Hinzu kommen weitere Kosten wie Mensa oder Einschreibegebühren.
Escola Arimunani
Ähnlich alternativ geht es an der Arimunani School in der Gemeinde Marratxí zu. Auch hier steht eher projektbasiertes Lernen im Mittelpunkt, die Schule hinterfragt das klassische Schulsystem. Inspiriert wird die Bildung hier unter anderem durch die Konzepte von Waldorf, Montessori und anderen.
Die Schule bezeichnet sich als dreisprachig, die Kinder sollen ins Spanische, Katalanische und Englische „eintauchen“. Lehrer werden als „Begleiter“ bezeichnet. Die Schulgebühren bewegen sich zwischen 663 und 863 Euro, zuzüglich Essen.
Colegio San Cayetano
Die vom Theatiner-Orden geführte Schule im Westen von Palma ist eine der beiden spanisch geprägten Privatschulen. Hier sind konservative Werte wichtig, schulische Leistungen ebenfalls. Deutsch gibt es ab der 5. Klasse verpflichtend. Das Niveau des Fremdsprachenunterrichts ist vergleichsweise hoch. Neben Spaniern gibt es viele deutsche und englische Schüler. Die Sporteinrichtungen sind sehenswert, es gibt einen großen Außenpool, einen Fußballplatz, bei dem so mancher Verein neidisch wird, eine Basketballhalle, eine Rollschuhbahn und Tennis- sowie Basketballfreiplätze.
Die Schule genießt vor allem bei den mallorquinischen Eliten einen guten Ruf, zahlreiche Hoteliers, Anwälte und Unternehmer schicken ihre Kinder ins San Cayetano. Die kirchliche Prägung macht sich dabei durchaus bemerkbar, jeden Samstag wird in der schul- eigenen Kirche ein Gottesdienst für Familien gefeiert. Die Kommunion können die Kinder direkt an der Schule ablegen.
Colegio Luis Vives
Die familiär geprägte Schule ist so etwas wie der nicht-kirchliche Gegenpart zu San Cayetano und befindet sich im Zentrum von Palma, der Platz ist dementsprechend etwas beengt. Allerdings sind die verschiedenen Klassenstufen auf mehrere Gebäude verteilt. Das Luis Vives bietet auch die Möglichkeit einer Berufsausbildung, der „Formación profesional“ ab 16 Jahren.
Zum Luis Vives gehören unter anderem auch eine Sternwarte und das Leistungszentrum Jofre Porta, wo Schüler eine qualitativ hochwertige Tennisausbildung erhalten. Auch diese Schule genießt einen guten Ruf, viele Spanier schicken ihre Kinder ins Luis Vives. Es gibt eine dreisprachige Ausbildung, die Klassen sind mit rund 20 Schülerinnen und Schülern recht überschaubar.
Escola Global
Eine noch recht neue Schule ist die Escola Global an der Ausfallstraße nach Valldemossa. 2008 eröffnet, gab es in den ersten Jahren verschiedene Probleme. Inzwischen ist die Schule allerdings in ruhigerem Fahrwasser angekommen und bietet Kindern und Jugendlichen von zwei bis 18 Jahren ein internationales Umfeld. Schüler aus rund 30 Nationen lernen in der Escola Global, die sich nach dem britischen Lehrplan richtet, ihn allerdings um den spanischen erweitert.
Rafa Nadal School
Auch auf dem Campus von Tennis-Held Rafa Nadal in Manacor kann man in die Schule gehen. Hier steht Tennis natürlich im Mittelpunkt, allerdings bietet die Einrichtung – zu der auch ein Sport-Internat gehört – ebenso externen Schülern eine komplette akademische Ausbildung. Die Sporteinrichtungen suchen ihresgleichen, insgesamt ist die Anlage aus dem Jahr 2016 besser ausgestattet als viele andere Schulen der Insel. Der Lehrplan richtet sich nach dem britischen System, nimmt aber auch US-amerikanische Aspekte mit auf.
Lycée Français
In der im Westen von Palma gelegenen Schule ist die Unterrichtssprache Französisch, aber die Kinder bekommen Mehrsprachigkeit von Anfang an mit. Das Angebot richtet sich an Kinder von zwei bis 18 Jahren und ist vom spanischen sowie dem französischen Kultusministerium anerkannt. Mehr als 600 Schüler lernen derzeit im Lycée Français.
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