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Feinstaub auf Mallorca: Wie sauber ist die Luft, die wir atmen?

Palma wirbt gerne mit einem Image als gesunde Metropole am Meer. Doch ist die Luft hier wirklich rein? Die MZ hat beim Leiter des Atmosphärenlabors im Umweltbüro der Balearen-Regierung nachgefragt

Palma während einer Saharastaub-Episode

Palma während einer Saharastaub-Episode / Nele Bendgens

Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Luftverschmutzung ist laut der WHO (World Health Organization) eines der größten Umweltrisiken für die Gesundheit. Auch in Europas Städten überschreitet die Schadstoffbelastung teilweise schädliche Grenzwerte. Wie ist das hier auf Mallorca? Speziell in Palma kann man durch erhöhtes Verkehrs- und Bauaufkommen den Eindruck gewinnen, in einer ungesunden Zone zu leben. Die MZ hat bei der Balearen-Regierung nachgefragt. José Carlos Cerro Garrido ist Leiter des Atmosphärenlabors in der Generaldirektion für Kreislaufwirtschaft, Energiewende und Klimawandel. Durch einen Hintereingang des Umweltbüros im Gewerbegebiet Son Rossinyol gelangt man in Cerros unscheinbares Büros – in Wahrheit eine brummende Zentrale, wo sein Team unermüdlich mit Daten beschäftigt ist.

José Carlos Cerro Garrido ist Leiter des Atmosphärenlabors und kontrolliert dort die Messungen der Luftwerte auf den Balearen.

José Carlos Cerro Garrido ist Leiter des Atmosphärenlabors und kontrolliert dort die Messungen der Luftwerte auf den Balearen. / Nele Bendgens

Geprüfte Daten - leider nicht in Echtzeit

Von hier aus stellen Cerro und seine Kollegen die Ergebnisse des offiziellen Messnetzes der Balearen-Regierung, des „Xarxa de Vigilància i Control de la Qualitat de l’Aire de les Illes Balears“, für jedermann einsehbar unter caib.es/sites/atmosfera/es ins Netz. „Unsere Daten sind verlässlich und wissenschaftlich fundiert, im Gegensatz zu vielen Angaben auf Google oder der iPhone-Anzeige“, erklärt der 49-Jährige. In Palma selbst stehen drei zentrale Messstationen: im Carrer Foners, im Parc de Bellver und in La Misericòrdia. Sie messen kontinuierlich Schadstoffe wie Feinstaub, Stickstoffdioxid oder Ozon. Zusätzlich stehen den Beamten hier die Messergebnisse einer mobilen Einheit sowie sogenannter Nanosensoren und der elf Gesa-Endesa-Stationen rund um die Wärmekraftwerke zur Verfügung. „Die Balearen sind für die Bewertung der Luftqualität in verschiedene Zonen eingeteilt. Diese orientieren sich an ähnlichen Belastungen und nicht an Gemeindegrenzen“, erklärt der studierte Chemiker. Mallorca wird dadurch in nur drei Zonen unterteilt: Palma, Sierra de Tramuntana und den Rest der Insel.

Karte mit den offiziellen Luftqualitäts-Messstationen der Balearen

Karte mit den offiziellen Luftqualitäts-Messstationen der Balearen / Govern de les Illes Balears

Die offizielle Website ist für Laien ziemlich unübersichtlich und schwer verständlich, sie richtet sich mehr an Fachleute und Universitäten. Kein Wunder also, dass viele Bürger sich ihre Informationen auf Seiten holen, wo die Daten leichter verdaulich auch in Grafiken aufbereitet sind, wie beispielsweise auf der weltweit agierenden Website aqicn.org. „Es muss sich hierbei um ein Netzwerk von Nanosensoren handeln. Ich kenne die Qualität der Messungen nicht“, sagt Cerro hierzu. Er und seine Kollegen validieren die Echtzeitdaten ihrer Messungen erst und veröffentlichen diese dann mit einigen Monaten Verzögerung als Excel-Dateien. Als aktuelle Quellen, denen man vertrauen kann, empfiehlt er aemet.es, caliope.bsc.es sowie eltiempo.es.

Die aktuellen gemittelten Stickstoffdioxid-Werte in Palma sind momentan offiziell noch unbedenklich

In Palma gilt vor allem der Straßenverkehr als Hauptursache für Luftverschmutzung. Die Station Carrer Foners misst beispielsweise direkt an den stark befahrenen Avenidas und dem Beginn des Carrer Manacor. „Diese Station liefert uns regelmäßig die schlechtesten Werte in Bezug auf das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO₂), aber wir liegen auch dort nie außerhalb der gesetzlich erlaubten Werte“, erklärt Cerro. Erlaubt seien europaweit 40 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) im Jahresdurchschnitt. „In Foners messen wir im Jahresmittel 24 µg/m³, aber weiter oben der Avenidas, auf Höhe des Carrer del 31 de Desembre, gemittelt sogar 39 µg/m³. Da haben wir ab 2030 ein Problem“, sagt Cerro. Denn die aktuellen Grenzwerte greifen mit der bereits beschlossenen EU-Richtlinie ab 2030 viel niedriger. „Erlaubt sind dann nur noch 20 µg/m³, und das WHO-Ziel für 2050 liegt bei 10µg/m³. Wir haben also noch einiges zu tun“, erklärt der Beamte.

Ein Teil der offiziellen Messstationen der Luftqualität auf den Baleaeren

Ein Teil der offiziellen Messstationen der Luftqualität auf den Baleaeren / Govern de les Illes Balears

Untersuchungen für eine gesunde Zukunft

Aktuell läuft deshalb seit 2024 eine groß angelegte Untersuchung zu der 2025 eingerichteten Zona de Bajas Emisiones (kurz ZBE, Niedrigemissionszone). Den ersten Teil des Abschlussberichtes will man Ende dieses Jahres veröffentlichen. „Wir waren beispielsweise in der Zone Es Baluard überrascht, viel höhere Stickstoffdioxid-Werte vorzufinden als durch das dortige Verkehrsaufkommen angenommen. Jetzt ist die Frage, ob die Niedrigemissionszone daran etwas ändert“, so Cerro. Für den zweiten Teil der ausführlichen Studie arbeitet das Umweltbüro mit der Balearen-Universität zusammen. Hierbei untersucht man weitere Schadstoffe, die bisher gesetzlich noch nicht geregelt sind. „Wir analysieren beispielsweise 50 Metalle, bisher gibt es nur Verordnungen für vier davon. Besonders organische Verbindungen tauchen in der Gesetzgebung praktisch nicht auf“, so Cerro. Das Ergebnis dieses zweiten Berichtes lasse aber noch Jahre auf sich warten.

Verkehrschaos auf den Avenidas in Palma.

Verkehrschaos auf den Avenidas in Palma. / B. Ramon

Cerro und seine Kollegen liefern mit ihrer Arbeit Entscheidungsgrundlagen für die Stadtverwaltung, die sich weiter auf die reduzierten NO₂-Grenzwerte vorbereiten müsste. „Das betrifft ausschließlich Palma. In keiner anderen großen Stadt der Balearen bekommen wir Probleme: weder in Inca oder Manacor noch in Maó, Ciutadella oder Ibiza. Dort ist die Luft noch viel sauberer“, erklärt der Verwaltungsbeamte. Bisher gäbe es aber von Politikseite noch keinen konkreten Aktionsplan, wie der Autoverkehr weiter reduziert werden soll. Dies sei besonders in den Wintermonaten wichtig, wenn durch die Kälte die Atmosphäre stabil bleibe und kein Wind wehe. Dadurch bleibe die sogenannte Mischschicht der Luft niedrig und nehme alle Abgase auf. Man spricht dann auch von Wintersmog.

Weht Saharastaub aus Afrika auf die Insel herüber, sollte man im Freien besser vorsichtig sein

Ein weiteres Thema auf Mallorca sind die regelmäßig erhöhten Feinstaubwerte durch Luftströmungen aus Afrika. Stehen Saharastaub-Episoden an, die sogenannten „Calimas“, veröffentlicht das Umweltbüro Warnungen, die direkt von IB3 aufgegriffen werden, um die Bevölkerung zu informieren. Bei dem besonders bei sommerlichen Wetterlagen wiederkehrenden Wetterphänomen kommt Saharastaub über das Mittelmeer bis auf die Balearen.

Taucht der Saharastaub über der Insel auf, färbt sich der Himmel rötlich. Nicht nur bei Regen rieseln die Partikel dann herab.  | FOTO: DM

Taucht der Saharastaub über der Insel auf, färbt sich der Himmel rötlich. Nicht nur bei Regen rieseln die Partikel dann herab. / FOTO: DM

Dieser Staub besteht hauptsächlich aus Mineralpartikeln wie Kalzit, Eisenoxid, Quarz und Tonmineralien und enthält außerdem Sporen, Bakterien und Pollen, die in der Staubmasse eingebettet sind. Insbesondere für Menschen mit Atemwegserkrankungen, Kinder und ältere Personen kann das Einatmen dieser Staubpartikel zu Gesundheitsschäden führen. Sie sollten dann im Freien Atemschutzmasken tragen – oder am besten während so einer Episode gar nicht nach draußen gehen und die Fenster geschlossen halten.

Informationen

Umweltbüro der Balearenregierung

 Gremi Corredors, 10, Polígono de Son Rossinyol - Palma

Telefon: 971 17 77 06 / 971 17 66 86

Kontakt: atmosfera@energia.caib.es

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