Warum Mallorca für Kitesurf-Anfänger als Paradies gilt
Oliver Lorenz, Gründer einer des ersten Kitesurfschulen de Insel, gibt Einblicke in die Sportart und die besten Lernbedingungen

Im Flug über das Meer: Oliver Lorenz beim Kitesurfen in der Bucht von Pollença. / PRIVAT
Die Inspiration fürs Kitesurfen kam Oliver Lorenz, als er eine Reportage im Fernsehen sah. Damals dachte sich der Bamberger: „Wow, so etwas will ich auch machen.“ Also fing er an, Kitesurfen zu lernen. Aus dem Hobby wurde später sein Beruf: Vor 16 Jahren eröffnete der heute 48-Jährige in der Bucht von Pollença die zweite Kitesurfschule der Insel – inzwischen gibt es sechs. In seiner Schule Olli Kite Mallorca unterrichtet er seitdem Residenten und Urlauber nicht nur im Kitesurfen, sondern auch im Stand-up-Paddling. Lorenz gibt einen Einblick in die Szene auf Mallorca und verrät, was Anfänger wissen sollten.
Welche Tipps haben Sie für Anfänger?
Viele Menschen haben hohe Erwartungen und denken, sie würden das Kitesurfen nach zwei oder drei Stunden schon beherrschen. So ist es aber nicht. Kitesurfen ist eine zeitintensive Sportart, es dauert eine Weile, bis es wirklich gut klappt.
Wie lange dauert es, bis man es lernt?
Die Basics hat man meist nach so etwa zehn Stunden drauf. Trotzdem kann ich nach 18 Jahren keine eindeutige Antwort geben: Es bleibt typenabhängig. Ich bin etwa schon nach ein paar Stunden gefahren, andere brauchen aber 20 bis 30 Stunden.
Ist Kitesurfen wie Fahrradfahren? Wenn man es einmal im Urlaub gelernt hat, kann man es dann ein Leben lang?
Es gibt ja diese Faustregel, dass man 1.000 Stunden braucht, um etwas wirklich zu können. Fahrradfahren verlernt man nicht, weil man in der Kindheit über viele Stunden gefahren ist. Ich habe einige Kunden, die immer wieder im Urlauber auf die Insel zum Kitesurfen kommen. Die machen dann einfach einen Auffrischungskurs und haben es dann gleich wieder drauf.
Wie viel kostet der Spaß?
Bei mir kostet eine halbprivate Stunde ab 75 Euro – im Zehnerpack 700 Euro. Für etwas fortgeschrittenere Schüler kostet die Stunde in einer Vierergruppe ab 60 Euro oder 500 Euro für zehn Stunden. Die Preise unterscheiden sich aber je nach Anbieter. Bei besonders günstigen Angeboten sollte man allerdings aufhorchen. Manchmal teilt sich dann die ganze Gruppe einen Schirm. So kann man nicht richtig lernen – man sollte das Gerät möglichst die ganze Zeit selbst in der Hand haben.
Ist Mallorca ein guter Ort für Neulinge?
Für Anfänger gibt es in Spanien nichts Vergleichbares. Das liegt am thermischen Wind, den wir auf der Insel haben. Auf Katalanisch heißt er embat. Dadurch ist Mallorca meist relativ windsicher, aber der Wind weht nicht zu stark. Gerade für Anfänger wäre zu starker Wind problematisch.
Wann kann man am besten kitesurfen?
Die Saison dauert von April bis Oktober. Dann steigt die warme Luft nach oben und vermischt sich mit der kühleren Luft – dadurch entsteht der bereits erwähnte thermische Wind. Ein weiterer Faktor ist der Unterschied zwischen Luft- und Wassertemperatur, der mindestens zehn Grad betragen sollte.
Kann man überall auf der Insel kitesurfen?
Wenn man überall dürfte, würde sich fast die ganze Insel dafür eignen. Im Norden, in der Bucht von Pollença, gibt es die einzige offizielle Kitezone – dort befinden sich auch die Schulen, wie etwa meine. Im Süden sind Can Pastilla und Sa Ràpita beliebte Spots. Vor allem Can Pastilla ist aber eher etwas für echte Profis. Wer nicht gut genug ist, wird dort schnell abgetrieben. Die Kitesurfer müssen zunächst rund 200 Meter von der Küste weg. Für Unerfahrene ist das kaum zu schaffen.
Warum ist es im Norden einfacher?
Rund um die Schulen gibt es dort sogenannte Kanäle mit Bojen. So kommt man leichter aufs offene Wasser, auch wenn man kein Profi ist. Zudem stören wir dann weniger die Badegäste. Die Lizenzen dafür kosten die Schulen einen vierstelligen Betrag. In Can Pastilla gibt es keine Schulen. Dort ist das Interesse größer, mit der Vermietung von Sonnenschirmen und Liegen Geld zu verdienen. Wir Kitesurfer sind dort eher ein störendes Element.
Und in der Bucht von Pollença nicht?
Doch, auch dort kommt es hin und wieder zu Auseinandersetzungen mit Anwohnern, die das Gefühl haben, wir nähmen ihnen den Strand weg. Klar: Als sie vor 40 Jahren ihre Häuser kauften, gab es uns noch nicht. Wir Kitesurfschulen haben deshalb auch einen Verein gegründet, um uns rechtlich besser schützen zu können.
Wie groß ist die Kitesurfer-Szene hier?
Ich gehe davon aus, dass zwischen 500 und 600 Menschen auf der Insel regelmäßig kitesurfen. Die Urlauber kommen noch hinzu. Die Szene ist sehr international und wächst weiter. Es sind auch einige sehr gute einheimische Kitesurfer darunter. Ein Freund von mir trainiert etwa die junge Generation von Kitesurfern in Port de Pollença. Einige haben bereits an Wettbewerben auf dem spanischen Festland und in Italien teilgenommen. Gleichzeitig steigen inzwischen auch viele Mallorca-Kitesurfer aufs Wingfoilen um.
Was ist Wingfoilen – und warum ist es für einige attraktiver?
Bei dieser Wassersportart hält man ein schmetterlingsförmiges Segel in den Händen. Anders als beim Kitesurfen ist Wingfoilen an mehr Orten erlaubt. Auch der Einstieg ist einfacher: Das Board ist in der Regel groß genug, dass man sich bei Unsicherheit erst einmal darauflegen oder hinknien und herauspaddeln kann. Beim Kitesurfen ist das schwieriger, weil man den Schirm ständig steuern muss und direkt aus dem Wasser auf das Board kommen muss.
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