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Von wenigen Exemplaren zur Plage: Wie sich Ameisen auf Mallorca ausbreiten und wie man sich wehren kann

Ameisen können vor allem im Sommer zu einer richtigen Plage in Wohnräumen werden. Was am Backpulver-Mythos als Hausmittel dran ist und wann nur noch ein Profi hilft

Ameisen kommunizieren untereinander mit Lockstoffen.

Ameisen kommunizieren untereinander mit Lockstoffen. / Ulrich Perrey / DPA

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Erst sind es nur um die zehn. Am nächsten Morgen führt plötzlich eine regelrechte Ameisenstraße durch die Küche einer Wohnung im dritten Stock eines Hauses in Palma. So ist es kürzlich einer MZ-Leserin ergangen. „Ameisen in höher gelegenen Stockwerken sind eher ungewöhnlich“, sagt Tomeu Marimón von der Schädlingsbekämpfungsfirma Anticimex. „Womöglich gibt es in den Wohnungen unterhalb auch Ameisen, und sie haben sich von dort aus hochgearbeitet“, mutmaßt er. Manchmal reichen schon ein paar Brotkrümel, um die Tiere anzulocken. So gefürchtet wie Kakerlaken sind Ameisen zwar nicht, dennoch kann aus wenigen Exemplaren vor allem im Sommer schnell eine Plage werden, insbesondere in Landhäusern mit Garten.

Diese Arten gibt es auf Mallorca

„Auf den Balearen sind etwa 60 Ameisenarten dokumentiert, die meisten von ihnen einheimische Arten. Es gibt aber auch invasive Arten, die von außen auf die Inseln gekommen sind“, erklärt Miguel Ángel Miranda, Professor für Zoologie an der Balearen-Universität. Im Herbst 2025 haben Experten in Palma zum ersten Mal auf der Inselgruppe die invasive Singapur-Ameise (Trichomyrmex destructor) gesichtet.

Zu erkennen sind die 1,8 bis 3,5 Millimeter großen Tiere an ihrer gelblichen bis bräunlichen Färbung und ihrem dunkel gefärbten Hinterleib. Blöd für den Menschen: Die Allesfresser können schmerzhafte Stiche bei ihnen verursachen. Zudem können sie auch Materialien wie Textilien oder sogar die Ummantelung von Elektrokabeln beschädigen. „Erst kürzlich wurden wir in ein Wohnhaus in Palma gerufen. Einige Bewohner klagten auch dort über Stiche. Es könnte sein, dass es sich erneut um die Singapur-Ameisen handelt. Die Proben müssen wir aber erst noch untersuchen“, so Jaume Biblioni, kaufmännisch-technischer Berater bei Anticimex.

Die Unterschiede zwischen Ameisen und Termiten

Grundsätzlich unterscheiden sich Ameisen durch eine Verschmälerung zwischen Brustkorb und Unterleib von anderen Insekten wie beispielsweise Termiten. Ameisen sind soziale Insekten, die in Kasten unterteilt sind: die Soldaten, die Arbeiter und die für die Fortpflanzung zuständigen Exemplare. Eine Ameisenkönigin legt alle Eier, die dann die Kolonie erhalten. Nur die fortpflanzungsfähigen Tiere entwickeln Flügel.

Die Ameisenart auf Mallorca, die es am häufigsten in Häuser auf dem Land, aber auch in Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zieht, sei die invasive Argentinische Ameise (Linepithema humile), sagt Miranda. „Sie stammt aus Argentinien. Auf Mallorca tauchte sie erstmals in den 50er-Jahren auf.“ Die Besonderheit: „Sie bildet auch Superkolonien mit Millionen von Individuen und hat sogar mehr als eine Ameisenkönigin.“

In Gebäuden hat man es aber auch oft mit der einheimischen Gemeinen Ameise zu tun. Sie ist schwarz und somit dunkler und etwas größer als die hellbraune, nur zwei bis drei Millimeter kleine Argentinische Ameise. Auch verschiedene Arten der Rossameisen (Camponotus) finden den Weg in die Wohnhäuser, darunter etwa die Hormiga carpintera. Darüber hinaus bekomm man auch die Kippleibameise (Crematogaster scutellaris) zu sehen. Die Spanier nennen sie wörtlich „Ameise mit rotem Kopf“.

Für Laien ist es äußerst schwierig, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden.

So kommen sie in die Wohnungen

Manchmal kommen die Tierchen durch Klimaanlagen oder Lampen, in anderen Fällen durch bereits vorhandene Löcher und Tunnel im Holz. Dort lassen sie sich nieder. Für die Bewohner ist das dann an Holzstaub zu erkennen, der einen oft erst einmal an Holzwürmer oder Termiten denken lässt.

Laut Experten kann man Ameisen anhand der Antennen und ihrer Farbe von Termiten unterscheiden: Die Antennen von den oft schwarzen Ameisen sind L-förmig, die von den größtenteils weißen Termiten gerade.

Nicht jedes Produkt ist gleich effektiv.

Nicht jedes Produkt ist gleich effektiv. / DM

So können Sie vorbeugen

Für Menschen sind die kleinen Tierchen vor allem in Innenräumen zwar lästig, in der Natur sind sie aber ein wichtiger Bestandteil von Ökosystemen. „Sie dienen als Nahrung für andere Tierarten, verbreiten aber auch Pflanzensamen oder zersetzen Kadaver und bringen organisches Material in den Boden ein“, stellt der Zoologe Miranda klar.

Bei einem zu Hause wie auch in der Wohnung der MZ-Leserin interessieren sie sich nur für das Essen. Sind sie fündig geworden, verströmen sie einen Duft, der ihren Artgenossen den Weg weist. So bilden sich die bekannten Ameisenstraßen.

Den Ameisen zu Hause vorbeugen kann man, indem man keine offenen Lebensmittel, Essensreste an nicht abgespültem Geschirr oder Getränkebehälter mit Rückständen von gesüßten Getränken herumstehen lässt. Vor allem in den warmen Sommermonaten sollte man insbesondere die Küche so sauber wie möglich halten. Auch den Müll bringt man dann besser täglich raus. Ratsam ist es zudem, die Oberflächen und Böden feucht zu wischen.

Während der heißen Monate des Jahres sind Ameisen am aktivsten auf Futtersuche. „Noch hat die heiße Phase aber nicht begonnen“, so Tomeu Marimón. „Aufgrund der eher kühleren Temperaturen und Regenfälle sehen wir sie auch im Freien noch nicht so sehr“, so der Experte von Anticimex.

Ab wann man von einer Plage spricht, ist zumindest in Privaträumen subjektiv. „In einem Operationssaal können fünf Ameisen schon als Plage angesehen werden, da dort keine einzige sein sollte. In der eigenen Küche wäre es eher keine Plage“, so Biblioni.

Dann helfen nur noch Profis

Zuerst könne man mit handelsüblichen Produkten wie Gelen, Sprays oder Granulaten gegen die Ameisen vorgehen. Sie bekommt man in den Supermärkten, Baumärkten oder auch Gartenzentren. Achtung: Achten Sie besser genau auf die Produktbeschreibungen. Viele Produkte kann man etwa nicht auf Oberflächen anwenden, auf denen Lebensmittel präpariert werden. Auch in Haushalten, in denen Haustiere oder Kleinkinder leben, sollte man besonders vorsichtig sein.

Hierzulande würden einige Bewohner als Hausmittel auf eine Mischung aus Natriumbicarbonat (Backpulver) mit Honig schwören, weiß Biblioni. „Man kann es einfach in den Deckeln von Flaschen zusammenmischen und auslegen. Die Ameisen sollten jedenfalls gut rankommen“, rät er.

In schwereren Fällen helfen nur noch professionelle Schädlingsbekämpfer, die den gesamten Ameisenbau außer Gefecht setzen können. Bei einem ersten Besuch müssen die Spezialisten zunächst herausfinden, wo sich der Bau befindet und um welche Ameisenart es sich handelt.

"Jeder Einsatz ist individuell. Bei der Berechnung des Kostenvoranschlags sind drei Dinge entscheidend", so Alberto Chordà vom Schädlingsbekämpfungsunternehmen Lokímica. Zum einen sei der Befallsgrad entscheidend: "Es ist nicht dasselbe, vereinzelte Sichtungen von Ameisen zu behandeln wie eine etablierte Kolonie mit mehreren Nestern", so Chordà. Auch die Quadratmeterzahl der Wohnung oder des Hauses spiele eine Rolle und, ob es Außenbereiche (Gärten oder Terrassen) gibt, die vor allem befallen sind. Auch bauliche Faktoren wie Risse in Wänden oder Feuchtigkeit spielen beim Erstellen des Kostenvoranschlags eine Rolle.

Bei Anticemex kostet die Behandlung mit drei Besuchen (Abstand zwischen zehn und 15 Tagen) ab 300 Euro. Bei größeren Land- oder Ferienhäusern mit Garten könne sie mit Besuchen zwischen Frühling und Herbst schon einmal bis 2.000 Euro kosten.

Die Profis rufen: Anticemex: anticimex.es, Tel.: 871-77 01 35; mit Jaume Biblioni mehr über Ameisen lernen: IG: colonyhorm_yt

Lokímica: https://lokimica.com/, Tel.: 97-25 36 89

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