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Doris Kirch: Mallorcas bekannteste Auswanderer-Beraterin sucht einen Nachfolger für ihr Geschäft

Warum es Doris Kirch nicht eilig hat, wie lange derzeit die Wartezeiten für die NIE sind und wieso die Nachfrage nach Mallorca wohl nicht abreißt

Wird Mallorca auch nach der Abgabe ihres Geschäfts treu bleiben: Doris Kirch.

Wird Mallorca auch nach der Abgabe ihres Geschäfts treu bleiben: Doris Kirch. / Nele Bendgens

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Simone Werner

Simone Werner

Viele Auswanderer, die mit Behördengängen auf Mallorca überfordert sind oder schlicht keine Lust haben, sie selbst zu erledigen, landen bei der Auswanderer-Beraterin Doris Kirch. Das könnte bald ein Ende haben. „Nach über 23 Jahren erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit auf Mallorca ist für mich der Moment gekommen, mich mit der langfristigen Weiterführung meines Unternehmens zu beschäftigen“, kündigte die gelernte Bürokauffrau aus Köln Mitte April in ihren sozialen Netzwerken an.

Mit dem Text richte sie sich an „unternehmerisch erfahrene Interessenten, die an einer strukturierten, professionellen und langfristig orientierten Fortführung interessiert sind“. Detaillierte Informationen stelle sie nach der Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung zur Verfügung.

Frau Kirch, wie darf man Ihren Post vom 15. April verstehen? Hören Sie auf?

Es ist nicht der erste Post dieser Art. Im Dezember habe ich denselben Text schon einmal gepostet. Ich suche einen Nachfolger, der mein Geschäft mit genauso viel Herzblut weiterführt, wie ich es seit über 20 Jahren mache. Man soll ein Unternehmen ja verkaufen, wenn es top läuft. Das ist schon seit einigen Jahren der Fall. Ich bin jetzt 62 Jahre alt und irgendwann sollte man anfangen, das Leben zu genießen. Zudem hat meine Gesundheit in den vergangenen Jahren einige Warnschüsse abgegeben. Ich will jetzt einfach schauen, wie die Lage ist und ob sich Leute melden. Eilig habe ich es aber nicht.

Welche Voraussetzungen sollten Bewerber erfüllen?

Mir ist egal, ob eine Einzelperson oder ein Paar das Geschäft übernimmt. Die Chemie und der Kaufpreis müssen passen. Es sollte jemand sein, der geerdet ist und Mallorca liebt. Gut zu wissen ist, dass man den Job mittlerweile von überall auf der Welt aus machen kann.

Aber Sie müssen doch auch Termine bei der hiesigen Ausländerbehörde wahrnehmen, oder?

Hinsichtlich der Beantragung der NIE-Nummer biete ich drei Optionen an: Entweder bereite ich für den Kunden alle Formulare vor, und er geht selbst zur Ausländerbehörde. Oder ich beantrage sie für ihn mittels Vollmacht. Das geht entweder auf Mallorca oder in seinem Heimatland. Wenn ich in Urlaub bin, geht, wenn nötig, eine meiner beiden Mitarbeiterinnen in Palma zur Ausländerbehörde. Die residencia hingegen kann man nicht mittels Vollmacht beantragen, sondern nur persönlich.

Wie war bisher die Resonanz auf Ihren Post?

Es haben sich um die 50 Interessenten bei mir gemeldet – Leute, die auf der Insel, in Deutschland oder auch in der Schweiz wohnen. Wie ich in der Anzeige geschrieben habe, müssen sie eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben. Damit verpflichten sie sich, Stillschweigen zu Umsatzzahlen und dem Kaufpreis zu bewahren. Nicht alle Interessenten wollten die Erklärung unterzeichnen. Da hat sich schon die Spreu vom Weizen getrennt. Ich bin aktuell aber in Verhandlungen mit einigen Interessenten.

Ändert sich für Ihre Kunden jetzt etwas?

Das operative Geschäft wird weiterhin zu 100 Prozent von mir geführt. Mir ist es wichtig, mein Geschäft nicht von jetzt auf gleich zu übergeben. Für den Nachfolger braucht es eine gewisse Einarbeitungszeit. Dafür habe ich ein Arbeitshandbuch entwickelt. Es ist eine sehr strukturierte Arbeit. Einer der letzten Schritte wird sein, meine Telefonnummer abzugeben. Die meisten Anfragen erhalte ich per WhatsApp. Wenn es so weit ist und mein Nachfolger einverstanden ist, werde ich das in den sozialen Netzwerken bekannt geben.

Wie viele NIE-Nummern und „residencias“ haben Sie in all den Jahren beantragt?

Hunderte oder Tausende. Wie viele genau, kann ich nicht sagen. Ich habe klein angefangen, kannte nach meiner Ankunft gerade einmal eine Handvoll Leute. Mein großer Pluspunkt war und ist, dass ich viele Sprachen spreche, neben Englisch und Spanisch etwa auch Niederländisch und Französisch. In der Pandemie ist die Nachfrage durch die Decke gegangen. In den vergangenen Jahren hat es sich dann so fortgesetzt. Ich habe mittlerweile Kunden aus der ganzen EU. Ich kooperiere auch mit gestorías, Hotels und Firmen, die mir regelmäßig ihre Kunden oder Mitarbeiter schicken, die eine NIE brauchen.

Mallorca wird immer teurer, viele verlassen die Insel daher. Glauben Sie, dass die Nachfrage auch in Zukunft anhalten wird?

Die Nachfrage wird bleiben. Wegen der geopolitischen Situation werden noch mehr Leute hierherkommen. Ich habe aktuell viele sehr wohlhabende Kunden. Die meisten haben weder Zeit noch Lust, selbst zur Behörde zu gehen. „Ne. Für die paar Euro stell’ ich mich da doch nicht hin“ (ahmt Schweizerdeutsch nach, Anm. d. Red.), sagen sie zu mir. Die Anzahl an „Vollmacht-Kunden“ ist gestiegen.

Was ist die meistgestellte Frage von Neu-Auswanderern?

„Wie viel Geld braucht man, um auf Mallorca zu leben?“ Aber das kann man nicht in einem Satz beantworten. Viele glauben auch, dass sie hier ankommen und am nächsten Tag die NIE bekommen können. Doch so schnell geht das natürlich nicht.

Wie lange sind denn derzeit die Wartezeiten?

Rund einen Monat. Wir hatten aber auch schon Wartezeiten von mehreren Monaten.

Auswanderer-Beraterin ist, das sagen Sie selbst, kein Beruf. Wie sind Sie dazu gekommen?

Nach meiner Ankunft auf der Insel 2002 habe ich als Selbstständige bei mir zu Hause, in Cafés oder per Skype Sprachunterricht in Deutsch, Englisch und Spanisch gegeben. Immer wieder haben mich Leute, die kein Spanisch konnten, gefragt, ob ich ihnen helfen kann, das NIE-Formular auszufüllen. „Da scheint es Bedarf zu geben“, dachte ich mir. Dass ich dann auch Auswanderer-Beratung gemacht habe, war ein schleichender Prozess. Ich kann kein genaues Jahr nennen, in dem ich die erste NIE beantragt habe. Was ich in all den Jahren aber gelernt habe: Es gibt nicht den einen typischen Mallorca-Auswanderer.

Auswanderer-Beraterin Doris Kirch: E-Mail: dk@auswanderung.es, www.auswanderung.es

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