40 Jahre Fairtrade in Spanien: Auf Mallorca halten Freiwillige die Idee am Leben
Spanien feiert 40 Jahre fairen Handel. Auf Mallorca setzt sich S’Altra Senalla seit 1994 für ethischen Konsum ein – doch das Projekt kämpft jedes Jahr ums Überleben.

Laura Mejía ist die Koordinatorin von S’Altra Senalla – einem Verein für fairen Handel auf den Balearen. / Alexandra Bosse
Vielleicht erinnern Sie sich noch an den ikonischen Umweltslogan „Jute statt Plastik“ aus den 1970er-Jahren. Die deutsche Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (GEPA) importierte Jutebeutel von Frauenkooperativen in Bangladesch gegen faire Löhne sowie sichere Arbeitsbedingungen und kombinierte damit Umweltschutz (weniger Plastikmüll) mit dem damals noch neuen Fairtrade-Konzept. Damit kam 1978 eine Bewegung in Gang. Acht Jahre später, 1986, eröffneten auch in Spanien die ersten beiden auf fairen Handel spezialisierten Läden in Córdoba und San Sebastián. 40 Jahre später fällt der Jahrestag in Spanien mit der Einführung der „Ley Integral de Economía Social“ zusammen, die den Comercio Justo als offiziell anerkannten Bestandteil der Wirtschafts- und Sozialpolitik verankert.

Fair gehandelte Produkte in Spanien tragen eines dieser fünf Fairtrade-Logos. / comerciojusto.org
Das sollte beim Día Mundial del Comercio Justo am vergangenen Samstag (9.5.) auch in Palma gefeiert werden. Wegen des Starkregens musste man es jedoch auf diesen Samstag (16.5.) verschieben: Von 10 bis 14 Uhr gibt es im Parc de la Femu Familienaktivitäten und Verkostungen, zeitgleich steht in Manacor im Innenhof des Palau Reial ein Infostand.
Seit 32 Jahren im Einsatz für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten
„Das Jubiläum ist ein Anlass, um die gesellschaftliche Rolle des fairen Handels zu unterstreichen. Er hat direkten Einfluss auf die weltweite Armutsminderung und Geschlechtergerechtigkeit sowie auf Menschenrechte und Klimaschutz. Allerdings gibt es auch nach 40 Jahren noch viel zu tun“, sagt Laura Mejía. Die studierte Betriebswirtin ist die Koordinatorin von S’Altra Senalla (Der andere Korb). Die 1994 in Palma gegründete Vereinigung setzt sich für ethische Geschäftspraktiken in Wirtschaft und Verwaltung ein und führt Aufklärungskampagnen an Schulen durch. „Damals waren es vier locos (Verrückte), die in einem kleinen, gammeligem Lokal im Carrer Sindicat in Palma das Projekt gründeten“, erzählt die 48-Jährige.

Außenfassade des Ladens von S’Altra Senalla / Alexandra Bosse
Rund 40 Freiwillige
Mittlerweile ist S’Altra Senalla zum dritten Mal umgezogen. Nun bietet der Verein im Carrer Arxiduc Lluis Salvador, 24 eine große Auswahl an ethisch produzierten Lebensmitteln, Naturkosmetik und handgefertigten Waren an. Rund 40 Freiwillige halten das Projekt am Laufen. Es sind in großer Mehrheit Frauen, die meisten von ihnen sind bereits im Ruhestand. So auch die 86-jährige Isabel Moreno und Katy Ferriol, die schon seit 23 Jahren Teil des Teams ist. Die beiden betreuen heute gemeinsam den geräumigen Verkaufsraum, in den sich viel zu selten Kunden verirren.

Isabel Moreno und Katy Ferriol arbeiten bereits seit Jahrzehnten als Freiwillige hier. / Alexandra Bosse
„In Spanien hinken wir beim Konsum von Fairtrade-Artikeln hinterher“, sagt Mejía. „Dabei sind sie oft nicht teurer als gewöhnliche Produkte. Bei dem vielen Kaffee, den wir hier trinken, sollte in allen öffentlichen Kantinen sowie in der Hotellerie und Gastronomie Fairtrade-Kaffee Standard sein.“ Mejía zitiert Studien, laut denen der durchschnittliche Pro-Kopf-Jahresverbrauch von Fairtrade-Produkten in Spanien 2024 bei nur 3,20 Euro lag. Zum Vergleich: In Deutschland waren es rund 30 Euro, in Frankreich 38 Euro.
Andere haben aufgegeben
„Wir kämpfen weiterhin jedes Jahr ums Überleben mit S’Altra Senalla und sind auf Fördergelder und Mitgliedsbeiträge angewiesen“, erzählt die 48-Jährige. Andere Fairtrade-Läden wie „Finistra al sud“ in Inca oder „Casal de la Pau“ in Manacor mussten schließen. 2020 gründete sich der Dachverband „Equitables Comerç Just“, in dem sieben gemeinnützige Organisationen, die sich auf den Balearen für fairen Handel einsetzen, zusammengeschlossen haben. „Wir führen gemeinsame Kampagnen durch und unterstützen uns gegenseitig, um mehr Menschen zu erreichen und die Botschaft zu verbreiten“, sagt Mejía.

Man findet bei S’Altra Senalla unter anderem Kleidung der Kooperative Global Mamas aus Ghana. / Alexandra Bosse
Im Laden von S’Altra Senalla findet sich ein breites Angebot an Fairtrade-Produkten. Ein Neuzugang im Sortiment sind die bunten gemusterten Kleidungsstücke von der Frauenkooperative „Global Mamas“ aus Ghana, die der deutsche Importeur „Handtrade“ vertreibt. Gewürze und Zucker füllt man sich selbst ab, um die Plastikverpackung zu sparen. Unter der Marke „eathica“ gibt es auch lokale und regionale Produkte. Sie basieren zum Teil auf Fairtrade-Zutaten. „Es gibt immer mehr Bestrebungen, um auch die kleinen Produzenten im Süden von Europa zu unterstützen“, erzählt Laura Mejía.
Informationen
S’Altra Senalla
C/. Arxiduc Lluis Salvador, 24, Palma
Öffnungszeiten:Mo.–Fr.: 10–14 Uhr und 17–20 Uhr, Sa.: 10–13.30 Uhr
Mitglied von: equitables.org
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