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Urlauberausgaben und vollster Tag des Jahres: Diese Frau ist die Chefin über Mallorcas wichtigste Zahlen

Bàrbara Barceló leitet Ibestat, das balearische Statistikinstitut. Ein Gespräch über aussagekräftige Daten und wie sie auf Mallorca zustande kommen

Die Chefin der Inseldaten: Bàrbara Barceló.

Die Chefin der Inseldaten: Bàrbara Barceló. / NELE BENDGENS

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Sarah López

Sarah López

Bei Zahlen, Statistiken und Diagrammen gähnen viele Menschen – oder schalten gleich ganz ab. Nicht so Bàrbara Barceló. Die Direktorin des Ibestat, des balearischen Statistikinstituts, ist fasziniert von den Zahlen, die Mallorca und die Nachbarinseln beschreiben. Immer wieder lächelt die Betriebswirtin, die viele Jahre im Bankensektor gearbeitet hat, wenn sie über Methodik, Datenquellen und neue Themenschwerpunkte spricht.

Welche Funktion hat das Ibestat?

Im Wesentlichen hat das Ibestat zwei zentrale Aufgaben. Zum einen produziert es offizielle Daten, die für die Balearen relevant sind. Diese Daten bilden die wirtschaftliche, soziale, ökologische und politische Realität der Inseln ab. Wir arbeiten dabei nach europäischen Vorgaben und verwenden die gleiche Methodik wie andere regionale Statistikämter in Spanien auch. Das ist wichtig, damit Entwicklungen in verschiedenen Regionen miteinander vergleichbar sind. Zum anderen koordiniert das Ibestat das statistische System der Balearen. Das bedeutet: Daten von Interesse für unsere Region werden nicht nur vom Ibestat selbst erstellt, sondern auch von anderen Stellen, etwa den Inselräten, den Gemeinden oder der beratenden Statistikkommission. Aufgabe von Ibestat ist es dabei auch, doppelte Datenerhebungen zu vermeiden und bei Fragen zu Quellen und Methoden beratend mitzuwirken.

Wie entscheidet sich, welche Statistiken erstellt werden?

Vorschläge können aus dem gesamten statistischen System kommen. Wenn etwa ein Landesministerium eine neue Statistik braucht, prüfen wir zunächst: Welche Realität soll abgebildet werden? Welche Variablen braucht man? Gibt es diese Daten vielleicht schon? Danach beraten wir technisch, welche Quellen genutzt werden können. Am Ende werden die offiziellen Statistiken im jährlichen Statistikprogramm festgelegt und veröffentlicht.

Woher nehmen Sie die Daten, mit denen Sie arbeiten?

Wir haben verschiedene Vereinbarungen abgeschlossen, um Zugriff auf relevante Daten zu haben. Zu unseren Partnern gehören etwa der Flughafenbetreiber Aena, die Inselräte, Rathäuser verschiedener Gemeinden, Ministerien, die Hafenbehörde oder auch das spanische Statistikamt INE. Aktuell arbeiten wir außerdem an einer Vereinbarung mit dem balearischen Gesundheitsdienst IB-Salut.

Wie schützen Sie sensible Daten?

Wir arbeiten nicht nur nach dem Datenschutzrecht, sondern nach dem Statistikgeheimnis. Wir können Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen, um eine Statistik zu erstellen. Veröffentlicht werden aber ausschließlich anonyme und zusammengefasste Ergebnisse. Es geht nie um einzelne Personen.

Kann auch eine Privatperson Daten anfragen?

Ja, über unsere Website . Im Jahr 2025 sind bei uns 158 Anfragen eingegangen. Manchmal sucht jemand eine sehr konkrete Information, zum Beispiel zu einer bestimmten Nationalität im Bevölkerungsregister. Wenn wir die Daten haben und sie auswerten können, geben wir sie weiter.

Im vergangenen Jahr sorgte eine Umfrage zur Wahrnehmung des Tourismus in der Bevölkerung für Schlagzeilen, weil Kritik an der Anzahl der Befragten aufkam. Wie transparent kann eine Umfrage sein?

Wir sind gesetzlich dazu angehalten, vorrangig Verwaltungsdaten zu nutzen und Umfragen nur ergänzend einzusetzen. Der Grund ist, dass man Bürger oder Unternehmen nicht ständig mit Befragungen belasten möchte. Wir haben bereits sehr viele Daten zur Verfügung. Wenn dennoch Umfragen nötig sind, beauftragt das Ibestat für die Feldarbeit ein externes Unternehmen.

Bei unserer Studie zu den Ausgaben von Kreuzfahrtpassagieren haben wir zum Beispiel mehrere Quellen und Erhebungen kombiniert. Dabei wird immer nach einer klaren Methodik gearbeitet. Meinungsumfragen gehören dagegen nicht zum eigentlichen Aufgabenbereich des Ibestat. Wir konzentrieren uns auf offizielle, belastbare Daten mit klarer Methodik, die vergleichbar sein müssen. Bei subjektiven Einschätzungen oder Meinungen ist das aus statistischer Sicht deutlich schwieriger.

Eine Statistik, über die wir oft berichten, ist der Index der Menschen, die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt auf der Insel aufhalten. Wie berechnen Sie diese sogenannte „menschliche Belastung“?

Bei dieser Statistik sind wir Pioniere. Mallorca eignet sich dafür besonders gut, weil Menschen nur per Flugzeug oder Schiff ankommen und abreisen. Dadurch lässt sich besser erfassen, wie viele Menschen sich auf den Inseln aufhalten. Der „Índice de Presión Humana“ wird mithilfe verschiedener Datenquellen berechnet, unter anderem von Hafen- und Flughafenbehörden sowie dem Wirtschaftsministerium.

Derzeit arbeiten wir auch daran, die Belastung auf Gemeindeebene zu messen. Die ersten Tests waren allerdings noch nicht robust genug, zudem kommen wir bei diesem Projekt wegen Personalmangel nun langsamer voran. Das spanische Statistikamt hat vor Kurzem Zugriff auf Daten mehrerer großer Telefonanbieter erhalten. Solche Daten können künftig dabei helfen, noch genauer zu erfassen, wie viele Menschen sich an einem bestimmten Ort aufhalten.

Welche Statistiken könnten für deutsche Residenten oder Urlauber besonders interessant sein?

Sicherlich alles rund um Bevölkerung und Wohnraum, weil man dort nach Nationalitäten sehen kann, wie sich die Bevölkerung entwickelt. Auch die Tourismusdaten sind interessant, etwa unsere Statistiken zu Ankünften und Ausgaben von Touristen nach Nationalität.

Blicken Sie nun anders auf die Balearen, nachdem Sie Einblick in so viele Zahlen haben?

Ich glaube, dass belastbare Daten und ihre ständige Aktualisierung dabei helfen, die eigene Insel, die eigene Gemeinde oder den eigenen Aufenthaltsort besser zu verstehen. Ich selbst komme aus Porreres und schaue mir zum Beispiel sehr gerne an, wie sich dort die Bevölkerungszahlen entwickeln. Mich interessiert etwa, welche Namen in meinem Dorf besonders häufig vergeben werden – und welche weniger.

Das Ibestat bietet dafür auch Visualisierungstools an, damit die Menschen die Daten anschaulicher nutzen können. Ein Beispiel dafür ist „El municipio en cifras“ auf unserer Website ibestat.es. Dort kann man eine Gemeinde auswählen und Daten zur Demografie, zum Arbeitsmarkt, zum Tourismus, zum Fahrzeugbestand, zu Haushalten oder zu Kommunalwahlen abrufen. In Zukunft soll auch ein Bereich zum Thema Immobilien hinzukommen.

Warum sind Statistiken im Alltag wichtig?

Statistiken helfen uns, die Realität der Balearen zu verstehen. Und sie helfen, Entscheidungen auf Grundlage von Daten zu treffen. Die Balearen verändern sich sehr schnell, jede Insel hat ihre eigene Komplexität. Deshalb müssen Statistiken einerseits historische Reihen bewahren, gleichzeitig aber auch neue Daten erfassen, damit diese Veränderungen sichtbar werden. Daten sind die Grundlage, um bessere Entscheidungen in vielen wichtigen Bereichen zu treffen – in der Politik, für die Umwelt, in der Unternehmenskultur, der Wissenschaft und auch im Alltag.

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